Klangvolles Handwerk

Gebrüder Mönnig, gegründet 1875 und Oscar Adler, gegründet 1885, sind vereint unter dem Dach der alten Fabrikantenvilla. Gefertigt von Meisterhand verlassen die Manufaktur in Markneukirchen wertvolle Holzblasinstrumente.

Von Marlies Dähn

Markneukirchen Zehn Jahre lagert das wertvolle Grenadill-Holz, bevor es zu klangvollen Instrumenten verarbeitet wird. Das tief dunkelbraune bis fast schwarze Hartholz ist wirklich hart und hat eine unglaubliche Dichte. "Es schwimmt nicht, geht unter, wie ein Stein", erklärt Veit Schindler. Der Geschäftsführer der Gebr. Mönnig Holzblasinstrumente Markneukirchen hat am Freitag Firmenbesuch. FDP-Bundestagsabgeordneter Torsten Herbst will vor den Bundestagswahlen zeigen, dass die FDP nach wie vor ein Herz für den Mittelstand hat und Handwerk wieder golden Boden haben sollte. Zeit ist eingeplant. Und so lässt sich Veit Schindler auch nicht lange bitten.
Das denkmalgeschützte Gebäude sei nicht der originale Firmensitz. Von Architekt Paul Schultze (u.a. Schloss Cecilienhof) errichtet, war die Villa Wohnsitz des Großhändlers Albert Schuster, der hier selbst bis 1953 wohnte. Wie schon in Villa Merz, war auch hier zu Zeiten der DDR eine Kinderkrippe untergebracht, die 1995 ihre Pforten schloss. "Wir übernahmen das sanierungsbedürftige Haus im Jahr 2000 von der Stadt. Die inzwischen firmierte Manufaktur der Gebrüder Mönnig und Oscar Adler hatte dringenden Platzbedarf." Wertvolle Stuckelemente, Parkett, Täfelungen und Türbeschläge überdauerten die Zeiten. Beim Spagat zwischen Denkmalschutz und Gewerbeaufsicht kam der damalig Landrat Tassilo Lenk zu Hilfe. "Wir konnten in den Manufakturräumen im Dachgeschoss Oberlichter einbauen."
Übernommen hatte 1993 der damals Ende Dreißigjährige Firmenchef Veit Schindler mit zwei Kollegen aus Berlin den Instrumentenbaubetrieb von der Treuhand. Mit Elan und Zuneigung behauptet sich die familiär geführte Manufaktur, die den direkten Kontakt zu ihren Kunden pflegt, bis heute. Räumlich gewachsen ist man inzwischen in Sachen Lagerhaltung der wertvollen Hölzer. Ohne künstliche Trocknung stapeln sich Ahornhölzer aus Bosnien und Grenadill-Holz aus Mosambik, farblich gekennzeichnet je nach Lagerzeiten, in den vor gut zwei Jahren errichteten Scheunen auf dem Firmengelände. Befreit von den strengen Auflagen des Artenschutzaufkommens ist die Musikinstrumentenbau-Branche seit 2019. Das bringe Erleichterungen. Klug beraten sei auch, wer beim Bezug von Tropenhölzern Händler nicht wechselt, wie das Hemd. Qualität wird so gesichert. Das sei wichtig. Denn wer erst nach zehn Jahren Lagerung die Hölzer verarbeite, ist nicht vor Überraschungen gefeit, erklärt der Geschäftsführer. So fand sich einmal in einem Ahornstück aus Bosnien die verkapselte Kugel von Partisanenkämpfern. Schadensansprüche bestehen dann freilich nicht mehr. "Dabei zerstörte die Kugel auch noch eine unserer Maschinen", denkt Veit Schindler zurück. Ob man in der Branche von Anbeginn an auf Tropenhölzer zurückgriff, wollte André Ludwig, FDP Kreisvorsitzender wissen. Vor 100 Jahren habe man Ahorn aus Österreich und Buchsbaum statt Grenadill-Holz genutzt. Doch selbst die DDR, die viel am Material gespart habe, sparte in der Branche zum Glück nie am Holz. "Holz wirkt sich auf Langlebigkeit und Klangqualität aus", so auch Christian Gander. Der Juniorchef startete 2005 seine Ausbildung im Haus, spielt Fagott, kann es selbst bauen, stammt aus einer Musikerfamilie aus Dessau und ist inzwischen in Bad Brambach heimisch geworden. "Die Unternehmensnachfolge ist gesichert", bestätigt Veit Schindler, der selbst zwar gegebenenfalls Oboe spielen, sie aber nicht bauen kann. Während in den Werkstätten fast hundertjährige Maschinen noch Dienst tun, steht im Keller auch computergesteuerte Präzessionstechnik, um Korpusse, Gravuren und Tonlöcher vorzufertigen.
Zahlt der zufriedene Kunde für eine einfache Kinderoboe in Manufakturfertigung ab 1.500 Euro wird ein über drei Jahre aufwändig gefertigtes Kontrafagott mit bis zu 35.000 Euro veranschlagt.
Für das kommende Jahr wünscht sich Veit Schindler, die Tradition der beliebten Foyer-Konzerte wieder aufzunehmen und die Meisterkurse zu starten.