Handbike im Test

In Woche zwei, bei den Paralympics, gab es in dieser Woche einen Medaillenregen für das Handbike-Team. Deshalb geht es bei "Fit im Vogtland" in dieser Woche um Paracycling.

Von Stephanie Rössel

Röthenbach Im Juni wurde der Vogtländer, Steffen Seifart, Europameister mit dem Handbike. Für 44 Kilometer brauchte er eine Stunde, 14 Minuten und zwei Sekunden und holte sich damit den Sieg. Seifart sitzt im Rollstuhl. Das Handbike wird allein durch die Arme angetrieben. Jedoch gibt es unterschiedliche Liege- bzw. Sitzvarianten.
Ich war wirklich sehr gespannt. Fahrrad fahren kann ich. Meine Beine sind gut darauf trainiert. Im vergangenen Jahr habe ich immerhin fast 13.000 km mit den Rad zurück gelegt. Ob meine Arme mich jedoch einen Meter vorwärts bringen könnten, daran hatte ich Zweifel.

 


Ich rutschte in Position auf dem Handbike. Man liegt förmlich auf dem Boden. Die Vorstellung, wie Fahrzeuge an einem vorbei fahren, während der Kopf auf Höhe der Reifen ist, löst eher ein mulmiges Gefühl aus. Eine sehr ungewohnte Position. Hände an die Griffe. Die Beine einfach auf den Halterungen abgelegt. Und während ich noch drüber nachdachte, ob die Hände die gleiche Bewegung wie die Beine beim Treten machen müssen, rollte das Gefährt leicht an. Instinktiv zog ich die Bremse. Für den Moment hatte man so im Liegen eigentlich keine Kontrolle. Ein paar Meter bewegte ich mich dann vorwärts. Auch wenn ich in dem Moment keine Ahnung hatte, was ich da tat und wie ich um eine Kurve fahren oder einen Berg hochkommen sollte, machten alle Bewegungen Sinn und es war sogar für ein paar Sekunden eine Art Fahrspaß zu verspüren.
Die wirkliche Trainingseinheit jedoch absolvierte ich auf dem feststehenden Handbike das auch für Steffen Seifart tägliches Trainingsgerät ist. Also wieder in die liegende Position. Hände an die Griffe und sozusagen mit den Armen "treten". Der Antrieb erfolgt über zwei Kurbeln, die über eine Kette mit dem Vorderrad des dreirädrigen Bikes verbunden sind. Ein Computer zeigt die Trittfrequenz. Sie gibt die Anzahl der Kurbelumdrehungen pro Minute an. Bei Leistungssportlern liegt diese zwischen 80 und 120. Mein Durchschnitt lag bei 60, mit Spitzen nach oben und unten. Das Kurbeln, im Übrigen nicht im niedrigsten Gang, war unheimlich anstrengend. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Noch schwieriger war es, weil das Bike ja nicht auf mich angepasst war und ich so viel Spielraum hatte. Automatisch hoben sich Rücken und Schultern bei mir an. Die Beine drückte ich unbewusst durch, aufgrund der Anstrengung. Ich kann mich nicht an einen Sport erinnern, bei dem ich nach so kurzer Zeit so ins Schwitzen kam. Die erste viertel Stunde verging relativ schnell, nach etwa 20 Minuten wurde die Anstrengung aber immer mehr spürbar und die Uhr lief gefühlt nur noch halb so schnell wie sonst. Dazu kam, dass ich dann noch die Schaltung betätigte, um die Unterschiede zu merken. Mit jedem Schalten wurde der Widerstand größer und ich dachte mir so, dass ich wohl an jedem Berg scheitern würde. Immerhin habe ich 32 Minuten durchgehalten. Ein bisschen wäre auch noch gegangen, aber beim kurzen Stoppen, fielen meine Arme regelrecht zu Boden. Ich brauchte ein paar Minuten, bis ich mich aus der Liegeposition wieder in die Senkrechte gebracht hatte. In den Armen und Schultern war zu spüren, dass ich etwas gemacht hatte, was nicht tägliches Programm ist. Am linken Daumen hatte sich eine ordentliche Blase gebildet. Später spürte ich den Rücken. Wohl aber eher von der ungewohnten Liegeposition. Schmerzen oder herkömmlichen Muskelkater hatte ich nachts und am nächsten Tag keine. Lediglich ein Brennen zwischen den Schulterblättern war noch zu spüren, was doch für erhebliche Anstrengung sprach. Eine außergewöhnliche Erfahrung und Herausforderung aus besonderer Perspektive.

Fakten

Verein/Institution: Brandenburgische Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V
Ort: Röthenbach/Cottbus
Trainer/Sportler: Steffen Seifart
Dauer: ca. 30 min
Schrittzahl: k.a.
Kalorienverbrauch: 100 kcal