Zwist um Nachlass von e.o.plauen

Der Zwickauer Kunstliebhaber Klaus Fischer nennt nach eigenen Angaben etwa 300 Ohser-Zeichnungen und weitere 3000 Karikaturen aus dem unmittelbaren Ohser-Kontext sein eigen.

 

Damit dürfte er zu den größten Privatsammlern gehören. Nun hat er dieser Tage angekündigt, diese Arbeiten dem gerade erst eröffneten Erich-Ohser-Haus im aufwändig sanierten Gebäude Nobelstraße 7 für die Nachlassforschung nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Außerdem, so Fischer in seiner Verlautbarung, werde er der e.o.plauen-Galerie keinerlei Ausstellungsmaterial mehr zur Verfügung stellen.

Ist nun ein Forschungsprojekt gefährdet, das gerade erst zum Laufen gebracht wurde, nämlich die Erarbeitung eines Ohserschen Werkverzeichnisses, dessen sich Kunsthistorikerin Elke Schulz widmen wollte? Der Präsident der e.o.plauen-Gesellschaft, Dr. Karl Gerhard Schmidt, der vergangene Woche auch an der Einweihung des historischen Domizils teilgenommen hatte, sieht Fischers Ankündigung eher gelassen. Zum einen wisse er gar nicht genau, über welche und wie viele Arbeiten der Zwickauer Kunstliebhaber im Detail verfüge. Zum anderen habe Fischer lediglich sporadisch Ausstellungsmaterial zur Verfügung gestellt.

 

Besagtes Forschungsprojekt, da bestätigt er auch die Auffassung der Kunsthistorikerin, sei nicht gefährdet. Der Plauener Nachlass genüge vollkommen, um ein umfassendes Bild des Ohserschen Wirkens zu zeichnen. Ohnehin ist es eher selten, dass ein Künstler quasi absolut vollständig aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden kann. Die Freunde des Karikaturisten, eines der bedeutendsten Söhne Plauens, dürften ebensowenig vom Unmut Fischers betroffen sein, denn in den Archiven lagern, wie zur Einweihung mitgeteilt wurde, noch zahlreiche bislang nicht öffentlich zugänglich gemachte Arbeiten Ohsers, mit denen die halbjährig wechselnden Ausstellungen realsiiert werden können.

 

Fischer war bis vor wenigen Wochen Mitglied des Vorstandes der e.o.plauen-Gesellschaft. Offenbar hat man sich im Streit getrennt, denn Fischers Schreiben enthält schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten der Gesellschaft, Dr. Karl Gerhard Schmidt, dem er "Klüngelwirtschaft" vorwirft und die Verantwortung für seinen avisierten Rückzug zuweist. Wissenschaftlern sei absichtlich vor den Kopf gestoßen worden, woraufhin sich viele Kenner des Ohserschen Werkes zurückgezogen hätten. Dr. Schmidt möchte dazu nicht Stellung nehmen - wohl auch, um nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Er sei Fischer nur selten begegnet. Der wiederum legt nach und lässt seiner Verlautbarung einen ausführlichen Brief an Dr. Schmidt folgen. Natürlich zur Kenntnisnahme an die Medien. tp