Zwickau lehnt Beurichs "hässliches" Gemälde aus Plauen ab

Der Plauener Künstler Thomas Beurich hat die Vorfälle um die rechtsextremistische Gruppe der NSU-Terrorzelle künstlerisch kritisch in einem Gemälde verarbeitet. Den Auftrag erhielt er von Zwickauer Bürgern. Die Stadt Zwickau lehnt das Geschenk des Plaueners jedoch ab. Das sorgt mächtig für Wirbel.

Plauen/Zwickau - Wie eine Lawine bricht der Medienrummel über Thomas Beurich herein. Das Essen wird kalt, die Telefonleitung glüht. In der Künstlerwerkstatt am Oberen Graben in Plauen harrt ein unfertiges Gemälde der Dinge, die noch kommen. Unvollendet bleibt das 3,40 mal 2,20 Meter große Auftragswerk jedoch nicht.

"Zu 120 Prozent stehe ich hinter meiner Arbeit. Das Gemälde wird fertig und im öffentlichen Raum zur Diskussion frei gegeben", ist Beurich überzeugt. Dieser Entschluss des Plaueners ist noch jung. Ausschlaggebend war eine Podiumsdiskussion im Alten Gasometer Zwickau am Montag, an der er teilnahm. Eingeladen hatte die Stadt Zwickau und das Demokratiebündnis. Hier wurde klar ausgesprochen, was Freunde unter vorgehaltener Hand bereits munkelten. Die Stadt will das Gemälde nicht. Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß sprach dort quasi ein Verbot für dieser Art von Kunst aus. Da stand für Beurich fest, nun erst recht dafür zu kämpfen.

"Die Initiatoren wollten gemeinsam mit mir etwas Positives schaffen. Ein Begleitheft sollte entstehen. Diskussionsabende mit Jugendlichen waren angedacht. Bürger zeigten Courage. Das darf nicht ins Gegenteil umschlagen", gibt sich der Plauener Künstler weiter kämpferisch. "Einen November später", titelte übrigens die Veranstaltung am Montag, an deren Ende ein Gedenk-Brief unterzeichnet wurde, um an die Opfer der NSU-Terrorzelle zu erinnern. "Die Stadt gibt hierin das Versprechen, alles gegen Rechtsextremismus zu tun", erklärte der Pressesprecher der Stadt Zwickau, Mathias Merz, auf Anfrage. Unterzeichner ist auch die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß. Ihre Haltung in Sachen Gemälde werde sie jedoch nicht überdenken, sagt Merz, der die ganze Aufregung nicht versteht.

Man könne nicht "jedem Angebot hinerherhecheln". Zudem hege man Bedenken wegen eines Symbols in der Bildmitte, dass an ein Hakenkreuz erinnere. Auch missfalle, dass der Ehrenbürger der Stadt Zwickau, Siegfried Heinze, mit Bauhelm erkennbar abgebildet wurde. Heinze erwarb sich große Verdienste um den Wiederaufbau von Schloss Osterstein. "Siegfried Heinze ist im August gestorben. Das war ein großer Verlust für die Stadt", erklärt Stadtsprecher Merz. Es sei zu zweifeln, ob der Ehrenbürger es gewünscht hätte, in diesem Zusammenhang abgebildet zu werden.

"Der Angriff auf das Kunstwerk und auf mich kam aus einer völlig anderen Richtung, als ich erwartet hatte", sagt Thomas Beurich verwundert. Bedenkzeit hatte er sich deshalb auch erbeten, als engagierte Zwickauer ihn fragten, ein Gemälde zu schaffen, das daran erinnert, was im November vor einem Jahr in Zwickau passierte. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie man das Thema künstlerisch umsetzen könnte, und hab dann zugesagt." Die Auftraggeber kannten den Entwurf. Sponsoren wurden gefunden, bekamen jetzt jedoch wieder kalte Füße. Inzwischen interessieren sich andere Zwickauer, die das Gemälde ausstellen wollen, um es öffentlich zu diskutieren.

Bei allem Zwiespalt hat das als "hässlich" bezeichnete Gemälde dennoch etwas einendes. "Wie man mir sagte, lehnen die beiden rivalisierenden Zwickauer Kunstverein das Gemälde ab und sind sich damit erstmals seit Jahren in einer Sache einig", sagt Thomas Breurich...

Interpretationen

Verführerische Elemente der Frauenfigur im rechten Bildteil stehen für Verführung, die rechtem Gedankengut inne wohnt, Matrosenkleidchen als freundliche Variante der Uniformierung. Komponist Robert Schumann kippt kopflos rechts aus dem Bild, will nicht hinschauen. Blutspur am Boden, darauf ein monumentales NEIN. Schloss Osterstein als Symbol des Verfalls in zwei Diktaturen, Wiederaufbau im Jetzt. Polizisten, die in die falsche Richtung laufen. Am Himmel rechts eine zerfressene Zelle, die links bereits eine gesunde Zelle angreift (wird dreidimensional noch herausgearbeitet). Links die demokratische Gesellschaft, in der nur Gewinn zählt, symbolisiert durch Leiter auf wackeligen Füßen mit goldenem Kalb. Ein Leierkastenmann vernichtet als verdeckter Ermittler Akten.