Zwei unterschiedliche Kulturen

Mit Dauerlachsalven reagierten die rund 300 Besucher des König Albert Theaters auf den Schauspieler Felix Theissen mit dem Brodway-One.Man-Kult "Caveman - du sammeln. Ich jagen!"

Von Steffen Adler

Bad Elster  Vor dem Haus seiner Frau Heike ausgesperrt, weil es Streit gab und er prompt auch noch den Hochzeitstag vergessen hat, analysiert Felix Theissen als Tom - dem Helden des Stücks - über die Beziehung zwischen Mann und Frau. Als er im "magischen Unterwäschekreis" seinem Urahn aus der Steinzeit begegnet, wird ihm klar, dass sich im Beziehungsdickicht nach mehr als 100.000 Jahren menschlicher Evolution in der Beziehung zwischen Mann und Frau rein gar nichts verändert hat.
"Männer sind Jäger und Frauen sind Sammlerinnen", stellt Theissen mit einem Blick zurück in die Höhle der Neandertaler fest. Besonders als Theissen in der Inszenierung von Esther Schweins in köstlicher Stand-up-Comedy abwechselnd in die Rolle als Mann und Frau schlüpfte, um für die männliche und die weibliche Seite Partei zu ergreifen und so den "Geschlechterkrieg" aufzulösen, klopften sich die Zuschauer vor Vergnügen auf die Schenkel. Was ist los, wenn Jungs mit Faible für Supermann und Batman nicht verstehen können, dass gleichaltrige Mädchen Mutter-Vater-Kind spielen? Indem Theissen stellt er klar, dass auch später die Männer keine "Scheißkerle" sind, denn schon "der Neandertaler war ein Beschützer, der die Frau verehrte!" Und wären alle Frauen tatsächlich "Schlampen" gäbe es mit Sicherheit einen echten Geschlechterkrieg. Wie unterschiedlich Männer und Frauen tatsächlich sind, macht er dann an den unterschiedlichen Körperformen mit "Speer" und "Körbchen" mehr als deutlich und zeigt es dann auch schon in den Begrüßungsritualen. "Schön dich zu sehen, gut siehst du aus" lautet das in etwa, wenn sich zwei Frauen begrüßen. "Du Sack" und "Alte Sau" dagegen heißt es bei befreundeten Männern. Ganz klar zeigt Theissen auch die Unterschiede beim Einkaufen. Da sammeln die Frauen stundenlang Klamotten, die Männer gehen zielsicher vor und verzweifeln höchstens, wenn statt nur einem Hemd drei zur Auswahl stehen, "von den er dann eines in die Höhle schleppt und lagert."
Und die Verteilung im Jahrtausende alten Jagen und Sammeln gibt es noch immer: Beim Besuch von Freunden beispielsweise, wenn die Frauen Informationen sammeln und tauschen, während sich die Männer in den Hobby-Keller zurückziehen, und mit viel Jagdinstinkt beim gemeinsamen Bohren große Löcher mit der neuen Bohrmaschine triumphieren ohne sich dabei überhaupt groß auszutauschen. Außerdem reden Männer kaum über Gefühle. "Obwohl Männer eine Menge Gefühle haben", weiß Theissen und fügt an: "Frauen müssen nur wissen wo sie suchen müssen." Dass Frauen 150 erogene Zonen haben und der Mann nur eine auf die sich de Frau konzentrieren muss, sind ebenso gravierende Unterschiede wie 7000 Worte die eine Frau spricht, wie ein Mann mit nur 2000 Worten in der gleichen Zeit oder wenn Männer mit der Fernbedienung in der Hand zappen, "wenn sie Programme jagen und die Frauen fragen, wie sie so schnell sehen was da läuft."
Und wenn letztendlich die Frau schon bei den Neandertalern bestimmte, wer und was in ihre Höhle kommt, ist es doch kein Wunder, dass die typische männliche Domäne heute Kelleräume und Garage sind, die eben nicht im Haus sind.
Ein beschränktes Revierdenken setzt mitunter sogar dann ein, wenn Mann und Frau das Bett als Territorium teilen müssen und die Frau mit eiskalten Füßen auf die Seite des Mannes kommt. "Warum betrachten wir Frauen und Männer nicht einfach als völlig unterschiedliche Kulturen? Mit verschiedenen Sprachen, verschiedenen Verhaltensweisen und verschiedener Herkunft?" Ein stürmischer Applaus für "Caveman" dürfte überzeugender Beweis dafür sein, dass sich offensichtlich Männer und Frauen gleichwohl amüsiert haben.