Zwei Magyaren auf Streife

Seit Donnerstag begleiten die beiden Polizeianwärter von der Polizei-Verwaltungsfachhochschule Budapest ihre deutschen Kollegen im Streifenwagen durch das Revier: Plauen, Bad Elster oder Oelsnitz. Befugnisse als Polizeibeamte haben sie keine. Sie sind hier, um den deutschen Polizeiapparat kennen zu lernen, die Kollegen, ein paar Brocken Deutsch aufzuschnappen, Land und Leute zu sehen.

"Ich erwarte mir von dem Praktikum viel berufliche Erfahrung zu sammeln", sagt Laszlo Simon, der aus Székesfehervár stammt - einem Ort zwischen Balaton und Budapest. Sein Kommilitone Tamas ist in Zalaegerszeg zu Hause, über 200 Kilometer westlich von der Hauptstadt. Beide jungen Männer schmunzeln, wenn ihre deutschen Kollegen versuchen, die langen, konsonantenreichen Wörter exakt auszusprechen.

Heimvorteil hat da der Plauener Polizeioberkommissar Christian Ódor. Sein Vater, ein Ungar, kam als Gastarbeiter in die DDR, und blieb - wegen der Liebe. Sohn Christian bleibt als Halb-Ungar dem Land seines Vaters treu: Oft verbringt er Urlaube bei der Familie väterlicherseits in Budapest. Weil er die ungarische Sprache beherrscht, wurden die beiden jungen Männer unter seine Obhut gestellt. Schon viele Jahre gibt es Studenten-Austausche zwischen der Fachhochschule der Polizei in Rothenburg/Oberlausitz und anderen Hochschulen im Ausland. Meist bleiben die Austausch-Studenten am Ort der Hochschule - Laszló und Tamas hingegen entsandte man nach Plauen, weil dort mit Christian Ódor jemand ist, der die schwer zu erlernende Sprache Ungarisch beherrscht.

"Ich nutze solche Gelegenheiten gern, um Ungarisch zu sprechen. Um eine Sprache lebendig zu halten, muss man einfach viel Zeit in demjenigen Land verbringen", so Ódor. Alle Plauener Kollegen sind angewiesen, langsam und deutlich und möglichst nicht vogtländisch zu sprechen. Tamas spricht kaum deutsch, Laszló ein wenig. "Meine Tante ist Deutschlehrerin, ich habe ein wenig an der Grundschule gelernt, und nun auch an der Uni", sagt er. Beide junge Männer studieren drei Jahre den gehobenen Polizeidienst. Entschieden haben sie sich für die Fachrichtung Verkehrspolizei. "Weil ich früher sehr viel ,Alarm für Cobra 11' geschaut habe", scherzt Laszló und fügt an: "Natürlich schaut die Wirklichkeit ganz anders aus, als im Fernsehen."

Seit dem 11. Juni sind beide in Deutschland - bis zum 30. August bleiben sie. In dieser Zeit lernen sie Sachsens Polizei von allen Seiten kennen: So die Hubschrauber- und Reiterstaffel in Dresden, die Wasserschutzpolizei in Pirna, in Leipzig die Bereitschaftspolizei. Im Vogtland geht es nach Klingenthal zur Bundespolizei, zur Autobahnpolizei Reichenbach, zu Zoll, Feuerwehr, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft.