Zwei Männer reden Klartext

Zwickaus Polizeipräsident Johannes Heinisch spricht sich mit dem Plauener Pfarrer der Pauluskirche Hans-Christoph Spitzner aus.

Und: Der Polizeichef entschuldigt sich bei dem Gottesmann für den heftigen Polizei-Einsatz in dessen Kirche am 1. Mai. Im Anzug, also schlicht in zivil, klingelt Johannes Heinisch am Montag an der Pforte des Paulus-Hauses. Kurze Zeit später heißt Spitzner Heinisch dort willkommen und bittet ihn hinein. Heinisch Chauffeur wartet derweil vor dem Haus im Auto. Auch hier wurde kein auffälliger Polizei-Streifenwagen gewählt. "Ich entschuldigte mich bei dem Pfarrer dafür, dass die Polizei die Kirche betreten hat", erklärt Johannes Heinisch nach der Aussprache gegenüber dem Vogtland-Anzeiger.

Das Gespräch mit Pfarrer Spitzner sei sehr offen und vertrauensvoll gewesen. Man habe gegenseitig die jeweiligen Positionen ausgetauscht. Pfarrer Spitzner habe seine Erklärung wohlwollend aufgenommen und nach dem Gespräch sei die Angelegenheit, was das Eindringen der Polizei in die Kirche betrifft, bereinigt gewesen, so Heinisch, der allerdings betont: "Der Einsatz der Polizei außerhalb der Pauluskirche war rechtmäßig und angemessen gewesen."

Das sieht Pfarrer Hans-Christoph Spitzner anders, als er sich gegenüber unserer Zeitung - allerdings im Vorfeld des klärenden Gespräches - äußerte. 95 Prozent der Demonstranten vor der Paulus-Kirche seien friedlich gewesen. "Wenn die Polizei es gewollt hätte, hätte man die höchstens 15 Störenfriede gut rausfiltern können", meint Spitzner. Erfreut sei er, dass Landesbischof Bohl so deutliche und kritische Worte gegen den als überzogen bezeichneten Polizei-Einsatz gefunden hat.

Dass Polizeibeamte eine Kirche stürmen, sei eine Grenzüberschreitung und sei nicht einmal zu DDR-Zeiten vorgekommen, sagt Spitzner, der schon über 30 Jahre in Plauen als Pfarrer Dienst tut. Natürlich unterstütze er das Vorgehen der Polizei, wenn es um Krawalle gehe. Kein Verständnis hat der Pfarrer dafür, fast 400 Menschen unter Generalverdacht zu stellen, sie stundenlang festzuhalten, Personalien aufzunehmen und Leibesvisitationen zu unterziehen - wie in Plauen geschehen.

Andererseits wolle er sich von Leuten distanzieren, die sich zwar an der Sitzblockade beteiligt hatten, aber erst, nachdem der Zug der Rechten vorbeigezogen sei - leider sei diese Situation auch für den Wahlkampf verschiedener Parteien (aus)genutzt worden, bedauert der Pfarrer. cze