Zwei junge Serien-Einbrecher verurteilt

Es war ein höchst effektiver Raubzug, auf den sich drei Einbruchs-Spezialisten zum Jahreswechsel 2009/2010 machten: Binnen neun Tagen stiegen sie zwischen Ostthüringen, dem Vogtland und Oberbayern in ein knappes Dutzend Häuser ein und stahlen Geld, Schmuck und andere Gegenstände im Wert von insgesamt rund 135 000 Euro. Doch am letzten Tatort waren sie zu unvorsichtig.

Bewohner eines Hauses in Oberschleißheim, in das sie durch ein aufgehebeltes Küchenfenster eingedrungen waren, bemerkten die Einbrecher. Diese konnten zwar mit ihrer Beute im Wert von mehr als 20 000 Euro flüchten, doch den Wohnungsinhabern war ein verdächtiges Auto mit Hofer Kennzeichen aufgefallen. Als das Einbrecher-Trio in der Saale-Stadt ankam, wartete schon die Polizei. Die drei wurden festgenommen, im Auto und später in der Wohnung wurde ein Großteil des Diebesgutes der vergangenen Tage sichergestellt.

Zwei der Täter räumten jetzt vor Gericht alle Taten umfassend ein. Der dritte Beschuldigte war schwer erkrankt, sein Verfahren wurde abgetrennt und wird später vor Gericht kommen. Die beiden zuletzt im belgischen Charlesroi lebenden Albaner, Brüder im Alter von 31 und 23 Jahren, gaben an, sie hätten dringend Geld gebraucht, um in ihrer Heimat die Schulden ihres verstorbenen Vaters zu tilgen. Eine Ehrensache, die in ihrer Kultur keine Kompromisse zulasse. Mit Gelegenheitsjobs als Montagearbeiter auf belgischen Baustellen konnten der frühere Kunstmaler und sein jüngerer Bruder, ein Ex-Fußballprofi in der albanischen zweiten Liga, das nötige Bargeld nicht auftreiben.

Zumindest der Ältere der beiden hatte, das ergab die Verlesung von Gerichtsakten, bereits einschlägige Erfahrung: Er war in Frankreich wegen Einbruchdiebstählen bereits mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt worden und hatte schon rund drei Jahre deswegen gesessen. Weil sie ein Auto kaufen wollten, seien sie an Heiligabend 2009 bei einem Bekannten in Hof gelandet, der aus dem gleichen albanischen Ort stammte wie sie. Doch der Wagen stand nicht zur Abholung bereit. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe der Bekannte vorgeschlagen, eine Serie von Einbruchdiebstählen zu verüben und die Beute später aufzuteilen. Aus Sicht der Juristen bildeten die drei also eine Bande - mit klaren inneren Strukturen. Der Hofer als Kopf der Organisation suchte - offenbar bestens informiert - die Objekte aus und übernahm mit seinem Mercedes den Transport, der ältere Bruder knackte die Häuser auf, der jüngere Bruder stand entweder am Auto Schmiere oder half dabei, die Wohnungen zu durchsuchen, wie den Geständnissen weiter zu entnehmen war. In Hof, Münchberg, Issigau, Bad Berneck, Greiz, Adorf, Windisch-eschenbach, Nürnberg und Oberschleißheim drangen die Einbrecher in Wohnungen ein oder versuchten dies zumindest. Wurden sie gestört, suchten sie das Weite. Umfassendes Geständnis Vorsitzender Richter Georg Hornig verurteilte die beiden Angeklagten zu Gefängnisstrafen von vier Jahren und sechs Monaten für den älteren Bruder sowie drei Jahren und drei Monaten für den jüngeren. Er wertete es als positiv, dass beide frühzeitig und umfassend gestanden hatten und durch ihre kooperative Haltung auch dazu beitrugen, dass ein Großteil des Diebesgutes wieder an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden konnte. Selbst versteckte Beute, die die Polizei bei einer ersten Hausdurchsuchung übersehen hatte, gaben sie preis. Die einschlägigen Vorstrafen des einen Angeklagten, die Vielzahl der Taten in kurzer Zeit und der hohe verursachte Schaden wurden als Minuspunkte gewertet.

Auf den Hofer Drahtzieher sind die beiden Brüder nicht gut zu sprechen. Es verstoße massiv gegen ihr Ehrverständnis, dass dieser die Taten bislang strikt leugnet. "Wenn man etwas macht, dann steht man auch dazu", sagte der ältere der Verurteilten. Es wird deshalb erwartet, dass sie im Prozess gegen den Kopf der Bande als Belastungszeugen aussagen.

Von Rainer Maier