Zurück aus Italien

Italien ist besonders vom Corona-Virus betroffen. Die Zahl der Toten ist bereits dreistellig. Deshalb hat das Land alle Schulen und Universitäten geschlossen, der Tourismus leidet. Der Syrauer André Zeidler ist trotzdem diese Woche in die Region Emilia Romagna gefahren.

Von Cornelia Henze

Die Autobahn runter war fast leer bis auf den Schwerlastverkehr. Kein Reisebus - niente. Es war gespenstisch", konstatiert der gebürtige Plauener, der privat in Syrau lebt und beruflich in Italien arbeitet. Sein dienstliches Ziel: Der Hardware-Hersteller Grafos Steel in Formigine nahe Modena und der Ferrari-"Schmiede" Maranello in der Emilia Romagna.
Dort ist der 49-Jährige seit April 2019 Marketingvertriebsleiter. Das heißt, André Zeidler ist viel unterwegs, pendelt zwischen Homeoffice in Syrau, Messen und Firmenbesuchen in ganz Europa und Italien. Jeden Monat reist André Zeidler wenigstens ein Mal zu seinem italienischen Arbeitgeber. Davon halten ihn auch nicht die erschreckende Nachrichten über die Corona-Erkrankten und -Todesfälle ab.
Natürlich gehe er mit dem Wissen um die sich ausbreitende Viruserkrankung achtsamer mit sich um, greife nicht mit Gewalt Türklinken und ähnliches an, sagt André Zeidler. Andererseits wolle er sich nicht an der allgemeinen Panik und der Hypokrisie, welche manche Medien verbreiten, beteiligen. Denn die Italiener tun es auch nicht. Viele aus dem Land des "Dolce vitá" sehen es gelassen, wie Zeidler beobachtet hat. Zwar lassen die Italiener die Türen ihrer Autobahnraststätten offen, damit keiner die Klinken anfassen muss, doch schon die Dame am Empfang, des Hotels, in dem Zeidler immer nächtigt, habe ihm zur Begrüßung herzlich die Hand gegeben. Vor einer Woche noch besuchte André Zeidler in Nürnberg die IT-Branchenmesse Embedded World, auf der ihm Menschen unterschiedlichsten Verhaltens begegneten. "Manche geben sich Corona zum Trotz demonstrativ die Hände, andere verzichten auf shake hands."
Dennoch zeigt sich Italien seinen Gästen so, wie man das gern bereiste Land selten sieht. Touristen hat André Zeidler in den letzten Tagen so gut wie keine gesehen. Bars und Restaurants sind zu, oder wenn sie geöffnet haben, dann sind sie nur mit einem Kellner bestückt, der vor Langeweile schon hinter dem Tresen schläft. "Es ist sehr viel Platz, und wer sich traut, kann für wenig Geld hier sein, denn Reiseveranstalter und Tourismuseinrichtungen geben einiges an Nachlass." Andererseits erlebt der Syrauer ein Ungleichgewicht zwischen dem, was die Italiener von Corona in ihrem Alltag mitbekommen, also einer eher gelassenen Haltung, und der von Panik geprägten kommunizierten Situation durch die Medien.
Er persönlich halte sich an die einst beim Militär geltende Devise: Ruhe bewahren und Sicherheit ausstrahlen. Denn Zeidler war vor seiner Marketingausbildung Vollmatrose bei der Handelsflotte und danach Fallschirmjäger. Zwischendrin übrigens einmal freier Mitarbeiter des Vogtland-Anzeigers. Vogtländer kennen den großen, schlanken Mann übrigens auch als PR- und Marketing-Mann bei dem Treuener Tastaturenhersteller Gett. Dort arbeitete Zeidler bis Ende 2018, um danach erst mal Europa mit Schwerpunkt Italien zu bereisen.
In dem Land von Sonne und Meer, großer Oper und schnellen Sportwagen, Pizza und Pasta ist er nun auch beruflich hängen geblieben.
Dass Corona seine Leidenschaft zu Reisen einschränken könnte, damit kann sich André Zeidler nicht anfreunden. "Denn ich bin gerne in Europa und bekennender Europäer". So wird er auch diesmal an drei, vier Bürotage ein wenig "Dolce vitá" ranhängen und vielleicht einen Abstecher an die Adria machen oder im Valpolicella ein Glas Amarone, einen ganz besonderen Rotwein, genießen.