Zum Sieg - mit Hand und Kopf

Ein Wahlvogtländer wird bester junger Gitarrenbauer Deutschlands: Mit dem Wissen aus Klingenthal (und einem bisschen Glück) siegt Paul Hildebrandt beim Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks.

Klingenthal/Markneukirchen - Das Kräftemessen der besten deutschen Zupfinstrumentenmacher fand an der Berufsfachschule in Klingenthal statt und Paul Hildebrandt wurde Bundessieger 2021: "Ich musste nach Zeichnung in fünf Stunden einen ,Fensterkopf‘ anfertigen, den Teil der Gitarre, an dem sich die Mechaniken befinden, mit denen die Saiten gespannt werden." Außerdem habe er eine Schalllochintarsie in eine Gitarrendecke aus Fichtenholz einlegen müssen - den farbigen Ring um das Schallloch.
Der 24-Jährige stammt aus einem Rostocker Lehrer-Haushalt - und ist in Sachen Beruf familiär vorbelastet: "Ein Großvater spielte Orgel, der andere war Tischler."
Dennoch begann Paul Hildebrandts nach dem Abi ein Studium für Elektrotechnik in Leipzig. "Doch ich habe schnell gemerkt, dass ich lieber etwas Handwerkliches machen will."
Der junge Mann, der seit Jahren Gitarre spielt, erinnerte sich an ein Schulpraktikum in einer Tischlerei - und bewarb sich an der Berufsfachschule in Klingenthal, die allerlei Arten von Musikinstrumentenbauern ausbildet, auch Zupfinstrumentenmacher - also Leute, die Gitarren und Mandolinen herstellen, Ukulelen, Harfen und Lauten. "Ich bin einer der sechs (von zwölf) Bewerbern, die genommen wurden." Zuvor mussten alle durch einen Eignungstest mit Fragen zum Allgemeinwissen, zum Beispiel in Musik und Mathematik. "Wichtig war, dass man mit Werkzeug umgehen kann und auch einen musikalischen Teil gab es", erinnert sich Hildebrandt, der 2018 die dreijährige Lehre begann.
Jetzt im Sommer hat er sie beendet. "Meine Gesellenstück, eine Konzertgitarre, würde ich nur hergeben, wenn der Preis stimmt."
Wie hat er sich für den Leistungswettbewerb des Handwerks qualifiziert? "Ich habe schulisch als Bester abgeschlossen und mein Gesellenstück war das zweitbeste. Weil der Erste nicht teilnehmen konnte, bin ich nachgerückt."
Der Ausscheid fand laut Hildebrandt anders statt als geplant: Da es nur zwei Berufsschulen für Zupfinstrumentenmacher in Deutschland gibt - Klingenthal und Mittenwald in Bayern - hätte es zwei Teilnehmer geben müssen, die beiden Besten der zwei Schulen. "Aber die Siegerin aus Mittenwald reiste wegen Krankheit nicht an. Deshalb habe ich meine Aufgabe allein bewältigt und mit 91 (von 100) Punkten die nötigen 85 Punkte überboten, um den ersten Platz zu belegen."
Wie geht es beruflich weiter? "Ich habe gerade ein vierjähriges Fachhochschulstudium in Musikinstrumentenbau in Markneukirchen begonnen. "Hier vertiefe ich meine handwerklichen Grundlagen, untersetze sie mit theoretischem Wissen, um tiefer gehendes Verständnis zu erlangen, wie man den Klang der Instrumente weiter verbessern kann."
Es könne gut sein, dass Hildebrandt noch während des Studiums eine Meisterausbildung beginnt. "Denn irgendwann will ich mich selbständig machen. Wo? Das steht noch nicht fest." ufa