"Zug der Freiheit" rollt erneut durch Plauen und Hof

Der "Zug der Freiheit" mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft soll noch einmal rollen. 20 Jahre nach dem Ereignis geht er am 1. Oktober mit historischen Waggons auf die Reise von Prag nach Hof.

 

An Bord sind nicht nur Augenzeugen von einst und Jugendliche der Generation '89 aus Deutschland und Osteuropa, die sich der friedlichen Revolution in der DDR und den Umbrüchen in ihren Heimatländern widmen. In einigen Waggons sind Ausstellungen und Performances zu sehen.

Die Idee zur ungewöhnlichen Geschichtslektion stammt vom Dresdner Verein Kultur Aktiv. Zwei Jahre lang hat er ehrenamtlich an dem Projekt gearbeitet. Nun steht das Signal auf Grün. Geldgeber sind das Land und die Kulturstiftung Sachsen, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und der amerikanische German Marshall Fund. Die "Kulturaktivisten" sind auf weitere Mittel angewiesen und verkaufen noch Sponsorentickets. Im Unterschied zu damals macht der Zug nun in Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen Station.

"Für mich ist der Zug der Freiheit eine Herzensangelegenheit. Ich stand in jener denkwürdigen Nacht 1989 selbst in Freiberg am Bahnhof, eine Nacht, die mein Leben maßgeblich verändert hat", sagt der Vize- Chef von Kultur Aktiv, Mirko Sennewald. Tatsächlich hatten damals entlang der Strecke Tausende Menschen versucht, noch einen Platz zu ergattern. Manche wollten ihren ausreisenden Landsleuten einfach nur zuwinken. Doch das Szenario sah keinen Halt vor. So machten viele ihrem Unmut Luft, in Dresden wurde der Hauptbahnhof demoliert.

Die Geschichte begann am 30. September 1989. An diesem Tag trat der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) auf den Balkon der Prager Botschaft und hielt seine wohl kürzeste Ansprache: "Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist". Das Satzende ging im Jubel unter. So richtig hat es wohl niemand hören können. Die nahe Freiheit wurde eher zum Gefühl, das mehrere tausend Menschen auf dem Botschaftsgelände vereinte.

Am folgenden Tag setzte sich der erste Sonderzug in Bewegung. Die DDR-Führung hatte darauf bestanden, dass die Züge über heimisches Gebiet fahren sollten, um auf diese Weise eine Art reguläre Ausreise vorzutäuschen. Ein folgenschwerer Fehler. Denn mancherorts eskalierte die Situation. An den Bahnhöfen entlang der Strecke - darunter auch im Vogtland - versammelten sich Bürger zu ersten Demonstrationen, die mitunter ein gewaltsames Ende fanden. 20 Jahre später soll nun an mehreren Stationen ordentlich nachgefeiert werden, mit Musik, Feuerwerk und vielen Begegnungen.

Auch die Fahrt im Zug dürfte kurzweilig sein. Im ersten Waggon zeigt eine Agentur aus Österreich Fotos von Schauplätzen der Revolutionen in Osteuropa. Im zweiten Wagen produziert der deutsche Künstler Kai-Uwe Kohlschmidt mit Reisenden Interviews, die an den Haltepunkten gesendet werden. Eine Abordnung der Dresdner Sinfoniker - ein international besetztes Ensemble - musiziert. Der weißrussische Performer Artur Klinau füllt einen Waggon mit Büsten, Wimpeln und anderen Überbleibseln des realexistierenden Sozialismus. Am späten Abend wird Hof erreicht. Die Stadt plant ein Festprogramm. va