"Zu Hause will ich Ruhe haben"

Michael Patrick Kelly macht nach dem Hype um die Kelly Family und einem anschließenden Klosteraufenthalt solo Musik. Derzeit ist er auf Tour.

Michael Patrick, wie hat es Ihnen gefallen, Gastgeber von "Sing meinen Song" zu sein?

Ich fand es fantastisch. Das war eine unvergessliche Erfahrung. Vor zwei Jahren war ich ja schon Teilnehmer der dritten Staffel und hatte ein bisschen Sorgen, ob ich noch mal so eine tolle Zeit erleben kann. Man fliegt da runter mit neuen Leuten, das kann ja auch in die Hose gehen. Du hast ja keine Garantie, dass du dich mit allen verstehst und dass die Musik, die du machst, qualitativ hochwertig ist. Aber dann fand ich die Truppe wirklich super. Es gab keine Zicke, es gab keinen Giftzwerg, alle waren sehr aufgeschlossen und offen, niemand war irgendwie reserviert, alle hatten Lust. Und alle sind wirklich leidenschaftliche Musikliebhaber und Musikmacher, nicht nur Interpreten. Alle sind wir auch Risiken eingegangen, es gab jede Menge Innovationen.

 

Hat Sie jemand der Teilnehmer überrascht?

Die Show schafft es immer wieder, die Bilder, die man sich von Kollegen macht, zu korrigieren. Nehmen wir Wincent Weiss. Viele denken vielleicht, das ist ein Pin-up-Boy, den sich die Plattenfirma geangelt hat und dem ein paar Autoren die Hits schreiben. Aber der schreibt wirklich sein eigenes Zeug, aus seinem eigenen Leben. Mit seinem Song über das nicht existente Verhältnis zu seinem Vater, "1993" heißt der, hat er mich wirklich tief beeindruckt.

 

Was war das Wichtigste, das Sie selbst von Ihrem Vater gelernt haben?

Mein Vater hat mir einmal den Rat gegeben: "Keep your spirit free" ("Bleib im Kopf immer frei"). Er hat diese Freiheit und Unabhängigkeit wirklich verkörpert, sei es als Musiker, sei es philosophisch, sei es durch die Art, wie wir lebten - ich wurde in einem Campingwagen geboren und wuchs auf einem Hausboot auf. Immer, wenn ich heute merke, ich fühle mich nicht frei, ich habe zu viel Angst oder ich lasse mich einengen, denke ich an das Lebensmotto meines Vaters und traue mich, aus den Strukturen auszubrechen.

 

Sie haben in Südafrika ein bisschen wie in einer WG gelebt. Hat Sie das an die Zeit erinnert, in der Sie mit Ihrer Familie durch die Welt getingelt sind?

Ein bisschen schon. Wir waren eine echte Gemeinschaft. Die anderen haben immer von Klassenfahrt gesprochen. Ich war ja nie in der Schule, deshalb weiß ich nicht, wie eine Klassenfahrt ist. Als Gastgeber habe ich versucht, das alles so zu gestalten, dass sich jeder wohl und sicher fühlt. Auf diesem Sofa in der Sendung findet ja so etwas wie Gruppentherapie statt. Die Songs stoßen Dinge an, die tief in einem drinstecken, man packt aus, es kommen Geschichten und Geheimnisse auf den Tisch, über die sich jede Talkshow riesig freuen würde, aber nicht bekommt, weil bei uns das Vertrauen ein ganz anderes ist. Denn du sitzt da mit Kollegen, und alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht, sitzen in einem Boot. Das hat ein bisschen was von einem Treffen der Anonymen Alkoholiker (lacht).

 

Welcher Moment bleibt Ihnen von der Aufzeichnung am stärksten in Erinnerung?

Am meisten berührt hat mich, wie Johannes Oerding mein Lied "Hope" gesungen hat. Ich wollte nicht wieder wie ein Schlosshund heulen, aber da konnte ich mich nicht zurückhalten.

 

Was ist so besonders an dem Lied "Hope"?

Das Stück habe ich nach meiner schweren Krise, die ich mit Anfang, Mitte 20 hatte, geschrieben. Der Song war sozusagen damals mein Licht im Tunnel. In meinen Konzerten singe ich den immer als Letztes, zusammen mit meinem Publikum. Aber da nicht nur Heulen und Kuscheln, sondern auch Feiern und Party machen zum Leben gehören, werde ich auch "Unbroken" von Jennifer Haben in meine Sommershows einbauen. Ich liebe harte Rockmusik und E-Gitarren.

 

Werden diese Einflüsse auf Ihrem nächsten Album zu hören sein?

Ich war gerade sechs Wochen lang in Los Angeles und habe dort jede Menge Songs geschrieben. Bis Ende des Jahres will ich mindestens fünfzig Lieder beisammenhaben, aus denen ich dann auswähle, welche auf mein nächstes Album kommen sollen.

 

Was sind Sie privat für ein Gastgeber? Haben Sie zu Hause in Niederbayern auch gerne so viel Besuch?

Nein, nur selten. Ich bin ja beruflich bedingt immer mit Menschen zusammen, sodass ich, wenn ich zu Hause bin, meistens meine Ruhe haben will. Die Zeit, die ich alleine mit meiner Frau verbringen kann, die ist mir sehr wertvoll.

 

Haben Sie noch andere kleine Fluchten?

Ja, ich nehme mir immer wieder kleine Auszeiten, meist nur wenige Tage, die ich dann in Klöstern verbringe. Das sind meine "Holydays". Das ist für mich sehr wichtig, um den Blick auf das große Ganze zu bekommen. Ich schalte mein Handy aus und logge mich bei Gott ein.

Das Gespräch führte Steffen Rüth