Zobes: NPD-Nachwuchs plant Nazi-Fest

Die Nachwuchsorganisation der NPD will in Zobes bei Plauen ihren "Sachsentag" abhalten - mit bis zu 800 Teilnehmern. Die Behörden entscheiden am Donnerstag, ob es dazu kommt.

Neuensalz/Zobes - Die Jungen Nationaldemokraten laden für Samstag ein zum JN-Sachsentag - unter dem Motto: "Jugend ist Zukunft". Der Ankündigung zufolge spielen Rechtsrock-Bands und es werden politische Reden erwartet, allen voran von Holger Apfel, dem NPD-Vorsitzenden. Genehmigen die Behörden das Open-Air-Treffen auf einem Privatgrundstück am Rande des Neuensalzer Ortsteils? Am Dienstag fand ein Vorort-Termin statt mit Vertretern von Landratsamt, Stadt Treuen, Gemeinde Neuensalz und Polizei. "Der Vorgang befindet sich im Prüfverfahren, mit einer Entscheidung ist am Donnerstagnachmittag zu rechnen", teilt Dezernentin Christina Uhlenhaus vom Landratsamt mit.

Weitere Informationen gibt es nicht vom Landratsamt. Stattdessen äußern sich Antifaschistische Gruppen des Vogtlandes (AGV) und das Aktionsbündnis "Vogtland gegen Rechts" in einer gemeinsamen Mitteilung sowie "Gamma", ein antifaschistischer Newsflyer. Musik - Rechtsrock - ist Markenzeichen des JN-Sachsentages, der nach drei Jahren Pause wieder stattfinden soll. Angekündigt sind Auftritte von Lunikoff Verschwörung und Sachsenblut, von Burn Down und Act of Violence. Laut "antifaschistischer Mitteilung" ist Lunikoff Verschwörung das aktuelle Projekt des "Landser"-Sängers Michael Regener.

"Auch Act of Violence aus Schwaben ist eine überregional bekannte Rechtsrock-Band, die sowohl auf dem sogenannten ,NPD-Schulhofsampler' als auch bei Konzerten im Umfeld der verbotenen Neonaziorganisation "Blood and Honour" vertreten war. Die dritte Band Burn Down veröffentlichte 2009 ein Album unter dem Titel ,Zyklon Sturm der Vergeltung' - eine klare Anspielung auf die "Shoa", den industriell organisierten Massenmord an den europäischen Juden. Die vogtländischen Antifaschisten vermuten, dass der "Sachsentag" eine Großveranstaltung mit überregionaler Bedeutung wird - vielleicht die größte neonazistische Musik- und Propagandaveranstaltung des Jahres 2013 im Land Sachsen.

Auf der Rednerliste des "Sachsentages" stehen der Mitteilung zufolge mehrere hochkarätige Redner sowohl aus der NPD als auch dem Spektrum der teilweise militant agierenden "Freien Kameradschaften". Beispiele seien neben NPD-Chef Apfel, die JN-Vorsitzenden von Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Maik Scheffler aus Delitzsch, NPD-Landesvize in Sachsen und führender Kopf des "Freien Netzes". Laut Gamma wird auch der Berliner NPD-Vorsitzende Sebastian Schmidtke erwartet mit seiner Lebensgefährtin Maria Fank, die beim Ring Nationaler Frauen (RNF) aktiv ist.

"Offenbar schätzen die Jungen Nationaldemokraten ihren Sachsentag als so attraktiv ein, dass mit mehreren hundert Teilnehmern und einer Busanreise auswärtiger NPD-Verbände gerechnet wird. Im Gegenzug fällt in diesem Jahr das ,Pressefest' der Deutschen Stimme aus", schreibt Gamma.

Nach Angaben des antifaschistischen Newsflyers mangelt es in Zobes nicht möglichen Locations. "Zwar liegt der vogtländische NPD-Kreisverband weitgehend brach, doch in und um Zobes haben schon in den vergangenen Jahren Mitglieder-Treffs der NPD sowie Neonazi-Konzerte stattgefunden. Erst Mitte April hatte der Freundeskreis Udo Voigt, mit dem der ehemalige Parteichef um seine Rückkehr an die Parteispitze wirbt, zu einer Rednerveranstaltung eingeladen."

Und Gamma schreibt noch etwas Bedenkenswertes:

"Zufall oder nicht: In der Gemeinde Neuensalz ist eine Spedition ansässig, die den mutmaßlichen NSU-Unterstützer Matthias Dienelt angestellt hat. Dienelt wird beschuldigt, den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) bei der Anmietung von Wohnungen in Zwickau unterstützt zu haben, außerdem bedienten sich die Rechtsterroristen jahrelang seiner Identität."

Ein Spediteur ist DSU-Kreistagsmitglied Roberto Rink, der in der Vergangenheit mit NPD-Chef Apfel für ein Foto posiert hat und dessen Partei Plakatträger für Wahlen verwendete, die auch die NPD nutzte. Was sagt Rink? "Dienelt - den Namen kenne ich nicht." Zweite Möglichkeit: Anruf bei der Spedition Poller: Ein Mitarbeiter sagt spontan: "Dienelt? Der arbeitet schon lange nicht mehr hier."