Zigarrenproduktion als Symbol für veränderte Wirtschaftslage

Um genau 6,1 % ist die Wirtschaft in der Region Südwestsachen im ersten Halbjahr gestiegen. Vor allem die gute Binnennachfrage trug zu diesem positiven Ergebnis bei. Die Region steht damit besser da als das gesamte Bundesland, das mit einem Umsatzplus von 5,8 % auf 27 Milliarden aber ebenfalls ein gutes Ergebnis vorweisen kann.

Das statistische Landesamt in Kamenz nennt den Maschinenbau als Triebfeder dieser Entwicklung. Doch genau diese Sparte hat in der Vergangenheit viele Arbeitsplätze gekostet. Ein Beispiel dafür ist die Zigarrenproduktion.

Erst durch harte Einschnitte in der Industrie kann heute eine gute Konjunktur für den Wohlstand sorgen, auf dem viele weitere Innovationen beruhen. Doch diese sind auch heute noch dafür verantwortlich, dass Betriebe schließen müssen. Für 2013 hat die Statistik drei Betriebe weniger ausgemacht als im Vorjahr. Besonders größere Betriebe leiden unter der zunehmenden Automatisierung. Diese Entwicklung zeigt das Heimatmuseum Schöneck am Beispiel der heimischen Tabakproduktion und überrascht vielleicht seine Gäste im Advent wieder mit einer sehenswerten Ausstellung.

Mit dem Imagegewinn der Zigarre begann Anfang des 20. Jahrhunderts der Siegeszug der heimischen Tabakindustrie. Auch das Vogtland hat einen historischen Anteil an der 400 Jahre langen deutschen Tabaktradition. Neben Kau- und Schnupftabak war es vor allem der feine Zigarrentabak, der ab 1856 im voigtländischen Schöneck in 23 Fabriken von über 1.000 Arbeitern verarbeitet wurde. Auf einem Wickelbock konnten bis zu 1000 Zigarren am Tag gerollt werden. Per Hand schafften es die Menschen nur halb so schnell. Mit der maschinellen Produktion ab den 1960er Jahren wurde auch der Wickelbock aus der Produktion ausgemustert. Deren 20.000 Stück bedeuteten abermals einen großen Schritt in Richtung Effizienz - mehr Umsatz bei weniger Arbeitseinsatz. So entstanden an neuer Stelle Arbeitsplätze, wie im Handel oder im Marketing.

Heute gibt es nur noch wenige Landwirte, die diese Tradition in kleinen Familienbetrieben am Leben erhalten. Fehlende EU-Subventionen und die starke Konkurrenz aus Kuba haben aus dem deutschen Geschäft mit Zigarren vor allem eine Tätigkeit für Liebhaber werden lassen. Denn es gibt viele gute Gründen, die für Kuba als Tabakparadies sprechen. Kein Wunder also, dass Zigarren aus Übersee unter Aficionados besonders beliebt sind. Einheitliche Produktqualität, hohe Fertigungsleistung und ästhetische Feinheiten sind heute maßgeblich für die Zigarrenherstellung weltweit.

Dennoch finden auch die verbliebenen Tabakbauern in Deutschland ihre Abnehmer. Auch wenn nur noch in wenigen Gegenden im Süden angebaut wird, erzielen Produzenten wie das Haus Arnold als ältester und bis heute größter Zigarrenhersteller Deutschlands gute Umsätze. Der heutige Zigarrenmarkt zeigt zudem: Nischenwaren für eine bestimmte Klientel sind heute dank Internet wieder rentabel zu betreiben. So müssen auch die Voigtländer nicht auf deutsche Zigarrenqualität verzichten.