Zierde als Krönung

Der Metallgestalter Peter Luban aus Rößnitz hat in Innsbruck drei Glocken vorbereitet auf den Guss, der dort erfolgt - zu festgelegter Stunde.

Von Uwe Faerber

Rößnitz/Innsbruck - Es handelt sich um das Geläut für eine Kirche in Niederwiera bei Glauchau. Sie sollen am Freitag, 5. April, 15 Uhr, gegossen werden. "Der Guss erfolgt immer freitags und immer 15 Uhr - das ist die Sterbestunde Jesu", erklärt Luban aus Rößnitz bei Leubnitz in der Gemeinde Rosenbach.
Der Künstler hat sich mit Brunnen im ganzen Vogtland einen Namen gemacht, er ist der Vater des Plauener Wende-Denkmals und er ist als Glocken-Gestalter bekannt. Glocken gestalten heißt, die Glockenzier gestalten, das Gesicht der Glocke, wie Luban sagt. Für Niederwiera hat er sich für ein Motiv entschieden, das an die Arche Noah erinnert. "Das Gefühl habe ich aufgegriffen, das man hat, wenn man die Kirche betritt."
Laut Luban sind die kleinsten Quader immer Würfel, die eine Glocke theoretisch umschließen: Die Höhe der größten der drei Glocken für Niederwiera beträgt 1,27 Meter - genau wie ihr Durchmesser. 
Der vogtländische Künstler überträgt die Glockenzier, das Relief aus Wachs, auf eine Glocke aus Wachs deren Inneres mit Schamotte ausgemauert ist - feuerfesten Steinen. 
Die Bronzeglocke soll später aussehen wie dieser Glockenrohling. Deshalb wird er umhüllt mit einem Gemisch aus Lehm, Stroh, Sand - und in der Erde versenkt. Alles wird vorsichtig auf 200 Grad erwärmt; die Wärme lässt das Wachs schmelzen.
In die entstehenden Hohlräume wird am Gusstag, zur Sterbestunde Jesu (siehe oben) das glühende Metall fließen, ein Gemisch aus rund 80 Prozent Kupfer, 20 Prozent Zinn und Zuschlagstoffen", wie Luban erklärt.
14 Tage später, nach dem Erkalten, wird die Glocke "entpellt" und nachbehandelt. "Danach kann man sie einhängen", sagt Luban, der nach eigenem Bekunden damit rechnet, dass im Sommer die Glockenweihe erfolgen kann, wenn bis dahin alle Turmbauarbeiten erfolgt sind.