Zielschießen auf Lichtmasten

Der Schlosshang und Campus der Berufsakademie Plauen (BA) ist am Wochenende wieder Schauplatz von Vandalismus geworden. Die Täter wüteten erheblich, sie fühlten sich wohl unbeobachtet und richteten großen Schaden an. Vor allem viel Glas liegt herum.

Von Frank Blenz

Plauen Sicher mehrere tausend Euro beträgt die Rechnung, die demnächst zu begleichen ist, wenn die modernen Lichtmasten am Weg hoch zum Schlosshang repariert wurden. Einige Spaziergänger äußerten am Wochenende bereits die Meinung, ob es besser wäre, diese Masten ganz abzubauen und den Hang im Dunkeln zu lassen, auf dass es für Vandalen kein Objekt mehr gäbe, mit Steinen - die es am Hang zuhauf gibt - Zielschießen zu veranstalten. Derlei "Sport" wurde am Wochenende mit Hingabe und leider beträchtlichem "Erfolg" gegen die Lichtmasten gefrönt, inzwischen schon zum dritten, vierten Male.
Zwei der Lichtmasten sind zerstört, die Scherben liegen in der Wiese auf dem Pflaster der Wege. Im oberen Gelände wurden die Müllbehälter umgeworfen, der Inhalt verstreute sich bereits durch Wind und Vögel in alle Richtungen. Nach dem Steintor zum Campus liegen die Bauzäune umgeworfen herum. Und auch jede Menge Müll in Form von Sektflaschen, Kippen, Papier liegt als Zeugnis eines offenbar ereignisreichen "Partywochenendes" herum. Desinteresse und Nichtachtung an geschaffenen Werten, die letztlich von allen bezahlt wurden - sie nehmen zu.
Dabei könnte alles so schön sein. Beim Spaziergang über das Gelände am Schlosshang und dem Campus der Berufsakademie lässt sich vortrefflich die Seele baumeln. Der Blick von der Stahlplattform auf die Altstadt erfüllt alle Kriterien für ein Ansichtskartenmotiv. Kurzum, für Einheimische und Touristen der Stadt wurde ein weiteres Kleinod geschaffen, das anzusteuern sich lohnt. Wer privat Gäste empfängt, ist seit vorigem Sommer um eine Ausflugsidee reicher.
Auf der anderen Seite steht die inzwischen beträchtliche Schadens-bilanz: Die Klingelanlage der BA wurde mehrfach beschmiert und verklebt, ein Hinweisschild abgerissen, auf Bänken mit markanten Farbstiften gekritzelt, die Begrenzungen der Plattform und auch der Mauern im Gelände mit Spraysymbolen und Einkerbungen verunstaltet, im künftigen Bereich des Campus Beete beschädigt. Immer wieder liegen Scherben herum, leere Behältnisse von Fastfood-Speisen, Zigarettenkippen sowieso. Die Liste des Treibens der Randalierer ist lang. Als wir Bernd Stubenrauch, der mit einer Aufsehen erregenden Aktion die Vandalen ihrer Bestrafung zuführen wollte, gestern von diesem neuerlich akt mutwilliger Zerstörung informieren, ist er sprachlos. "Ich bin entsetzt, ich bin absolut nieder", sagt er am Telefon und fügt fast schon resignierend hinzu: "Was kann man nur noch tun?"
Stubenrauch hatte unmittelbar nach den ersten Vandalenakten 1000 Euro aus seiner Privatschatulle ausgelobt, wenn die Täter nicht nur gefasst, sondern auch bestraft würden. Eine Reihe Plauener Bürger schlossen sich der Idee an und spendeten ebenfalls - nicht wenige, weil sie selbst schon mal an ihren Häuserwänden von Schmierereien betroffen waren. So erhöhte sich die Summe in kurzer Zeit auf über 2000 Euro. Seither sind Monate ins Land gegangen. Die Hoffnung, der oder die Täter würden in ihrem Bekanntenkreis mit ihrem Tun prahlen und die neuen Mitwisser von der Belohnung profitieren wollen, erfüllte sich nicht. Die Polizei ließ das Gelände von dem dafür zuständigen Streifenpolizisten öfter ins Auge nehmen und auch Stubenrauch selbst fährt mehrmals die Woche vorbei, um nach dem Rechten zu schauen - vergeblich.
"Mutwillige Zerstörungen, sagt er, sind inzwischen fast an der Tagesordnung - in der Innenstadt, in den Stadtteilen. Die Spuren des Vandalismus am Schlosshang haben für mich aber noch eine größere, gewissermaßen symbolische, Bedeutung. Den Campus von einem verkommenen Areal zu einem Kleinod erweckt zu haben, das eine der Visitenkarten der Stadt ist, erfordert eine unheimliche Leistung. Dafür habe ich auch als Stadtrat jahrelang gekämpft. Und wenn nun Randalierer ihre Spuren hinterlassen, dann macht mich das persönlich betroffen", sagte er, als die unbekannten Täter vor Wochen erneut zugeschlagen hatten. Nun keimte die Zerstörungswut erneut auf und die Reparaturen werden diesmal wohl deutlich aufwändiger.