Zeugin kritisiert Richterverhalten

Plauen - Eine Zeugin schildert eine Anhörung im Plauener Amtsgericht und empört sich über den Umgang des Vorsitzenden Richters ihr gegenüber. Die Adressaten der Kritik sehen das anders.

 

Ein Prozess im Plauener Amtsgericht. Der Verlobte einer jungen Frau stand vor Gericht. Die Plauenerin Sylvana Schultze wurde dazu als Zeugin vorgeladen. Am Verhandlungstag erschien sie und äußerte, zur Sache nichts aussagen zu wollen. Etwas zum ihrer Meinung nach ungebührlichen Umgang des Richters mit ihr, ihrem Verlobten und dem kleinen Sohn, den sie am Verhandlungstag mitbrachte, möchte sie schon bemerken. "Ich konnte meinen Sohn an diesem Tag nicht allein zu Hause lassen, da er zurzeit nicht in den Kindergarten geht. Meine beiden anderen Kinder sind in der Schule beziehungsweise im Kindergarten. Paul ist bei mir, ich bin Hausfrau", berichtet sie gegenüber dem Vogtland-Anzeiger.

 

Die junge Frau wartete vor dem Verhandlungssaal, wurde aufgerufen, der Sohn wollte nicht mit in den Saal. Der Angeklagte, Vater des Kindes, ergriff kurz die Initiative und überredete schließlich den Sohn, mit in den Saal zu kommen, erinnert sich Sylvana Schultze. Das missfiel dem Richter, so die Plauenerin, was sie verstehe, wegen des Ablaufes vor Gericht und dass der Angeklagte nicht einfach so aufstehen dürfe. Die Polemik des Richters hingegen habe der jungen Frau bitter aufgestoßen. Der Zeitraum ihres Auftrittes war nicht sehr lang, der Hohn und Spott, den sie empfand, umso intensiver.

 

Die Plauenerin weiter: "Ich muss mir das doch nicht gefallen lassen, dass er zu mir sagt, dass ich auch so enden werde wie mein Mann, welchen der Richter dann über den Antrag der Staatsanwaltschaft verurteilte. Er hat ihm auch noch die Fahrerlaubnis sofort abgenommen, obwohl mein Mann gerade den Lkw-Schein macht und jetzt beruflich am Ende ist, noch bevor er vielleicht ins Gefängnis muss. Aber wir haben Berufung eingelegt."

 

Amtsgerichts Pressesprecher Detlef Klein verwies auf Anfrage auf die tatsächliche Störung durch das Kind und das Eingreifen des Angeklagten. Kein Verständnis äußert das Gericht wegen des Mitbringens des Sohnes aus mehreren Gründen. Im Amtsgericht befinde sich für solche Situationen eine Kinderbetreuung, worauf in den Unterlagen hingewiesen wurde. Der Richter habe nicht falsch gehandelt und sei auf die angespannte Situation sogar noch eingegangen, sagt Klein. Der Verhandlungstermin sei länger bekannt gewesen, so dass die Mutter eine Betreuung organisieren hätte können. Sie habe von dem schwierigen Zustand des Kindes gewusst, welches sogar aus dem Kindergarten genommen werden musste, wie es heißt.

 

Doch für die Plauenerin bleibt es dabei: Sylvana Schultz zeigt sich enttäuscht über den ihrem Empfinden nach arroganten, von oben herab erscheinenden, barschen Ton des Richters, der kein Verständnis für die in schwieriger Lage befindliche Frau und auch nicht gegenüber dem verängstigten Sohn zeigte. "Im Übrigen haben wir vor dem Termin im Gericht angerufen, dort konnte uns niemand sagen, ob es eine Kinderbetreuung vor Ort gibt. Auch hat mein Sohn im Saal niemanden gestört, er hat sich die ganze Zeit eher versteckt gehalten", fügt die Frau an.

 

Von  Frank Blenz