Wüste Zustände im Freilichtmuseum beklagt

Was ist los im Freilichtmuseum Landwüst ? Warum wurde der Leiter Thomas Wunderlich wirklich gekündigt? War er der langjährigen Mitarbeiterin Gabriele M. ein Dorn im Auge, weil er ihr mehrfach zweckentfremdenden Einsatz von Geldern vorwarf?

 

Ist die private Verbändelung zwischen Frau M. und dem einstigen Leiter der Vogtland Kultur GmbH, Bernd Weck, Grund dafür, dass der jetzige Leiter Jens Pfretzschner, Wunderlich kündigte, damit Gabriele M. ihren Platz als wissenschaftliche Mitarbeiterin erhalten konnte? Fragen, die diskutiert werden. Dabei treibt die Sorge um das Betreiben des Vogtländischen Freilichtmuseums Landwüst ehemalige Mitarbeiter wie Landwüster Einwohner seit langem um sich.   "Mobbing der Mitarbeiter"    Zwischen Ende Juni und Anfang Juli schrieb Wunderlich an Landrat Lenk mit der Bitte um Hilfe. Doch es kam keine Antwort. Stattdessen reichte Lenk die Schreiben wohl an Pfretzschner weiter. Der "reagierte", sprach gegenüber Wunderlich von Strukturveränderungen, bot er ihm eine andere Stelle an - zum reichlich halben Gehalt der derzeit auch nicht üppig bezahlten Arbeit. "Das war nicht zumutbar", sagt Wunderlich und wurde zum Ende Juli gekündigt. Beide Parteien einigten sich vor Gericht auf einen Vergleich.

Gestern teilte das Landratsamt mit, dass Thomas Wunderlich mit Schreiben vom 14. August eine Antwort erhielt - einen Tag, nachdem in der Öffentlichkeit über den Brief Wunderlichs berichtet wurde. Am Mittwoch war das Thema kurzfristig im Kulturausschuss besprochen worden. Jens Pfretzschner habe die Kreisräte allumfassend informiert und deutlich gemacht, dass der Schwerpunkt der Tätigkeit auf die musealen Aufgaben und nicht primär auf die Veranstaltungen in der Kulturtenne gelegt werden müsse. Auch auf die Umstrukturierung in der Kultur GmbH sei Pfretzscher laut Landratsamt eingegangen Zwischenzeitlich kämpfen Museumsfreunde per Internet und Unterschriftensammlung für die Wiedereinstellung von Wunderlich - eines nach ihrer Meinung kompetenten und fleißigen Mannes.

Sie wandten sich an Andrea Roth, Kreisrätin und Landtagsabgeordnete der Linkspartei. Deren Versuche, mit Lenk ins Gespräch zu kommen, scheiterten. Längst ist Lenks Urlaub beendet. Dennoch erhielt Roth nach eigenen Angaben keine Chance, mit ihm zu sprechen. Mehrere Versuche seien fehlgeschlagen, betont Roth.  Sie verschaffte sich in dieser Woche ein Bild vor Ort, sprach mit Betroffenen und Bürgern. Ihr Fazit: Im Landwüster Museum liege vieles im Argen.

Und immer wieder ist es Gabriele M., gegen die sich die Vorwürfe richten. Sie leitete bis Ende 2008 16 Jahre das Museum, arbeitet jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin dort. "Sie hat in all den Jahren in keinster Weise museale Arbeit geleistet", sagt Ingrid Baier, die aus gesundheitlichen Gründen im Vorjahr als Mitarbeiterin ausschied. Baier kritisiert beispielsweise den Zustand der Magazine. "Ein Bild der Verwüstung." Nicht nur ungeordnet und völlig durcheinander würden museale Stücke aufbewahrt. Schimmelbefall habe viele Relikte bereits zerstört. Vieles sei einst teuer angekauft worden, aber nie in die Ausstellung integriert. So beispielsweise eine komplette Stellmacherei. "Nichts ist geordnet, es gibt keine Inventarisierung - seit 16 Jahren."

Dagegen lobt das Landratsamt in einer Pressemitteilung: "Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, die Denkmalschutzbehörde und das Amt für Landwirtschaft bestätigten und würdigten den ausgesprochen guten Zustand des Museums sowie die Qualität der Freiflächen als auch der Tierhaltung. Baier kritisiert hingegen auch Frau M.s Umgang mit den Beschäftigten. "Unbeherrscht, ignorant, in keiner Weise Vorbild." Inkompetenz hatte laut Baier offensichtlich auch der erste Klingenthaler CSU-Landrat Fritz Krauß schon festgestellt. Schließlich habe er Frau M. bereits schriftlich die Kündigung in Aussicht gestellt. Doch dann kam die Kreisreform.

 Andrea Roth zeigt sich erschüttert von den vielen Vorwürfen. Seit Jahren wirdbeispielsweise laut Baier ein Nachtspeicherofen benötigt, um die Magazinräume zu heizen und die musealen Stücke vor weiterem Verfall zu retten. Doch Frau M. habe diese Notwendigkeit nicht eingesehen. Stattdessen habe sie ein Entfeuchtungsgerät angeschafft - welches nur im Sommer arbeitet. M. s neuer Schiebevorhang, der auch aus vorhandenem Stoff hätte selbst gefertigt werden können, sei hingegen fast so teuer wie ein Ofen gewesen. Baier: "Und das in einer Einrichtung, die jeden Pfennig zweimal umdrehen muss."

Und M. soll zudem die Mitarbeiter gemobbt haben. Wunderlich hätte ihr einst manipulierte Überstunden nachgewiesen, worauf sie geäußert habe: "Wir haben es schwer bereut, dich zum Chef gemacht zu haben." Auch überzogene Rechnungen fürs Diensthandy oder Kilometerabrechnungen für Dienstfahrten mit dem Privat-Pkw hatte Wunderlich nicht mehr anerkannt, zumal ein Dienstfahrzeug vorhanden war, welches sie hätte nutzen können. War er deshalb auf die Abschussliste geraten ? Andrea Roth zufolge, haben hier persönliche Vorteile vor Fachkompetenz rangiert.

Gabriele M. weilt derzeit im Urlaub, kann nicht zu den Vorwürfen befragt werden. Auch ein Fakt, der im Ort Kopfschütteln verursacht. Schließlich sei das Freilichtmuseum ein Saisongeschäft, andere Mitarbeiter hätten mitten im Sommer nie Urlaub genommen.   "Vorwürfe - nur späte Rache"   Kultur-GmbH-Chef Jens Pfretzschner wertet die Vorwürfe als eine späte Rache Wunderlichs. "Wir haben eine Einigung erzielt, arbeitsrechtlich alles geklärt", hakt er die Personalakte Wunderlich ab. Die Vorwürfe gegen M. seien intern besprochen und als haltlos befunden worden. Die Denkmalschutzbehörde habe das Museum besucht und ihm einen "ordnungsgemäßen Zustand" attestiert. Unter Leitung von Wunderlich sei das Museum auf falschen Weg gebracht worden. Insbesondere sei sein zu hohes Augenmerk auf die Kultur-Tenne kritikwürdig. Pfretzschner habe ihm das mehrfach gesagt, Wunderlich aber kein Einsehen gezeigt.

"Alles Quatsch", so Wunderlich. "Noch im März hat Pfretzschner die Veranstaltungen im Museum auf einer Pressekonferenz ohne Einschränkung positiv vorgestellt. Im Mai plötzlich die Anzahl kritisiert. Das habe ich auch eingesehen. Doch da war die Jahresplanung gelaufen. Zurück rudern hätten wir frühestens 2010 können." Landrat Lenk hat zwischenzeitlich angekündigt, die Entwicklung des Museums zur Kreistagssitzung am 3. September auf die Tagesordnung zu setzen.  mam / M. W