Wotans Herrchen steht vor Gericht

Das Jahr 2013 begann für die kleine Emma mit einem Biss in den Hinterkopf - nun, am 25. Juli, steht der Hundehalter von Bulldogge Wotan vor dem Plauener Amtsgericht. Angeklagt ist er wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Plauen - Im Mittelpunkt der Verhandlung steht die Frage: Hätte der Vater des Kindes wissen müssen, dass der Hund austickt, das zweijährige Kind angreift und verletzt? Nun haben auch die Ermittlungen gegen den 32-Jährigen ergeben, dass er zum Tatzeitpunkt unter Drogen stand. Somit wirft die Staatsanwaltschaft dem Plauener vor, den Hund durch sein Verhalten - hervorgerufen durch den Drogenkonsum - provoziert zu haben, so Thomas Walter, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Emmas Vater, der Wotan erst im September 2012 bekam, muss gewusst haben, dass die Dogge zu früherer Zeit bereits in Stress geriet, wenn sie mit Kleinkindern zusammengetroffen sei. Das hätte er bedenken sollen, als er am Neujahrstag den Hund mit der Tochter zusammenließ.

"Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt, ist vielfach vorbestraft", sagt auch der verhandelnde Richter Michael Rüsing. Ins Visier der Justiz sei Emmas Vater schon wegen Drogen-, Diebstahls- und Verkehrsdelikten geraten. So werden neben der Sache mit dem Hundebiss zeitgleich am 25. Juli auch ein Fahren ohne Führerschein, ein Diebstahls- sowie ein Drogendelikt verhandelt. Daraus wird eine Gesamtstrafe zu bilden sein, die irgendwo zwischen Geldstrafe und dreijähriger Haftstrafe liegen könnte. Verschiedene Zeugen werden gehört, ein Tiersachverständiger im Moment nicht. Wotan jedenfalls, der nach dem Biss vom Ordnungsamt als "gefährlich" eingestuft wurde, ist aus der Schusslinie. Laut Tierheim-Chefin Katrin Soellner befinde er sich in einem Tierheim in Hessen. Sporadisch habe man Kontakt dahin, Wotan gehe es gut. Ziel sei dort ein erneuter Wesenstest, der im positiven Fall den Status "gefährlich" aufheben könnte. Soellner: "Für uns ist der Fall abgeschlossen."

Zur Verantwortung gezogen werden wegen "fahrlässiger Körperverletzung" könnte auch die Person, deren Hund vor kurzem einen kleinen Jungen in Plauen ins Gesicht biss. Das Gesicht des Jungen habe Abdrücke von Zähnen und Krallen des Hundes gezeigt - der Junge musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, so Polizeisprecher Jan Meinel. Vom Plauener Helios-Klinikum wurde der Junge nach Zwickau überwiesen, wo man sich der kosmetischen Behandlung der Wunden annahm. Leider habe die Mutter die Kleidung des Kindes sowie das Kind selbst kurz nach der Tat gesäubert, so dass keine DNA-Spuren des Tieres, beispielsweise vom Speichel, vorhanden seien. Mit Hilfe dieser hätte man alle in Frage kommenden Hunde einem DNA-Test unterziehen können.

Die Polizei klärt derzeit ab, welche Hunde aus dem Stadtgebiet Plauen - der Vorfall ereignete sich auf der Bahnhofstraße, Höhe Karlstraße - in Frage kommen könnten. Interessant seien Hunde mit schwarzem Fell, mit einer Schulterhöhe von 60 bis 80 Zentimetern. "Über den Hund hoffen wir, an den Halter zu gelangen", so Meinel. Zwischenzeitlich habe eine heiße Spur nach einem Zeugenhinweis zu einem männlichen Hundehalter geführt - der habe sich aber nicht als der Gesuchte herausgestellt. Bereits in den Jahren 2011 und 2012 biss eine schwarze Dogge zwei Männer in die Hand. Tatort war immer die Bahnhofstraße. Ob es sich bei dem neuen Fall um denselben Hund handelt, ist nicht gewiss. Jene Dogge, die einer 31-jährigen Frau gehört, wurde als gefährlich eingestuft und bekam vom kreislichen Ordnungsamt die Auflage von Leinen- und Beißkorbzwang.