Worüber würden Sie keine Witze machen?

Plauen - Er ist der Speedy Gonzales unter den Comedians, ihr verbales Maschinengewehr und das begnadetste Improvisationstalent, das je auf der Bühne stand. Sein Name ist im Wortsinne Programm, weil er sich mit nahezu jeder Blödelei verbinden lässt. Wenn er sein Publikum nach zwei oder mehr Stunden verlässt, muss sich der größte Teil zur Behandlung des geschundenen Zwerchfells begeben. Mit Ralf Schmitz, der auch längere Zeit in der Schillerstraße wohnte, unterhielt sich Torsten Piontkowski.

 

Besucht man Ihre Internet-Seite und klingelt unter R. Schmitz, wird man hereingebeten und bekommt einen Keks angeboten. Bekomme ich den am Telefon auch oder müsste ich wenigstens eine Katze sein? (Die erste geräuschvolle Lachsalve von noch vielen weiteren.) Beides, von mir aus durch die Leitung. Ich hätte aber auch Kuchen anzubieten.

Welchen? Was Sie wollen, auch Erdbeertorte. Die nehm ich.

 

Also wie gesagt, Sie haben einen Super-Internetauftritt. Ich hab mich in Ihrem Wohnzimmer pudelwohl gefühlt und auch mal das Licht aus- und eingeschaltet. Warum erfährt man vom privaten Schmitz trotzdem nichts? Ach, ich hab eine wunderbare Familie. Mutter, Vater, eine ältere Schwester zum Probleme wälzen und mal ne Beziehung und dann wieder keine. Sie stammen aus Leverkusen, was macht die Stadt so unverwechselbar?

 

Na der Fußball natürlich und die Fabrik. Die dominiert alles, da hat schon mein Großvater drin gearbeitet, bei Bayer. Dann wäre da noch der Japanische Garten, das Stadion mit den Menschen drin. Nettes Völkchen, Leverkusen liegt ja nah an Köln, wir sind der Parkplatz von Köln. Sie haben in Ihrem ersten Leben eine Ballettausbildung absolviert. Reicht es noch für ein Pax de Deux mit Herrn Balder? Selbstverständlich, kein Problem. Spagat geht auf alle Fälle noch, man solls kaum glauben. Aber für einen Bühnenauftritt müsste ich wieder paar Monate an die Stange.

 

Im Jahr 2005 den Preis beste Impro-Comedy für die Schillerstraße und den Deutschen Fernsehpreis. Erste Frage: Wie ist Maddin wirklich und zweite - wie wichtig sind Ihnen Preise? Der Maddin ist, wie man ihn auf der Bühne erlebt. Der Zügigste ist er nicht, immer gemächlich unterwegs, auch privat. Ganz so extrem vielleicht nicht, aber die Schillerstraße war nah an seinem Charakter. Und wie war die zweite Frage? Preise. Ah ja. Es ist gut wenn man einen bekommt und wenn nicht, geht das Leben auch weiter. Preise vom Publikum sind schön, wenn die direkt abstimmen können. Da freut man sich besonders.

In dem Film "7 Zwerge" haben Sie den Zwerg Sunny gespielt. Waren Sie mit der Rolle zufrieden oder wollten Sie lieber ein anderer Zwerg sein? Das war genau meine Rolle, die wollte ich. Durch den Wald rennen und brüllen "Ist das schön hier", es gibt doch nichts Besseres.  Sie haben für einen Comedian den denkbar besten Namen. Oder wurde da bisschen dran rumgefummelt? Den habe ich von Geburt an. Mein Manager gab mal zu überlegen, einen Künstlernamen zu wählen, aber das wollte ich nicht. Wie man sieht, reimt sich Schmitz doch auf so viele schöne Worte.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Katzen und Schafen? Gott sei Dank positiv. Ich habe das Schaf Shaun im Fernsehen gesehen und als die Anfrage kam, ob ich den Titelsong und ein Video machen wolle, war ich sofort dabei. Ich liebe Shaun. Und meine Katze ist jetzt 24 Jahre alt. Die hat schon gefühlte Tonnen von Futter verbraucht und ich habe an das Tier einen imaginären Rolls Royce verfüttert. Jetzt kotzt sie in der Wohnung rum, ist blind und hat Alzheimer. Aber sie ist meine älteste und beste Freundin.

Seit April sind Sie mit "Schmitzophren" auf Tour. Die Leute gehen erschöpft aus Ihrer Show und unsereins fragt sich, woher Sie die Ideen nehmen. Die erreichen einen überall und unterwegs tippe ich sie ins Handy. Manchmal kommen sie direkt auf der Bühne, dann haste nichts zu schreiben und musst sie sofort rauslassen, als Improvisation. Manchmal kommt die eine oder andere Idee auf dem Klo, aber die meisten kommen vorm Einschlafen. Man glaubt immer, das sind die größten Kracher und wenn man früh munter wird merkt man - war nur Schrott. Das ist traurig. Am 26. Februar sind Sie in Plauen zu erleben. Wo möchten sie außer in Plauen noch auftreten, wo waren Sie noch nicht? Auf dem Mond, aber das Geld dafür habe ich ja an meine Katze verfüttert. Und dann noch auf den Ostfriesischen Inseln, da war ich auch noch nie. Bin gespannt, was die Leutchen dort von mir halten.

Was sollte man sich aus Ihrem Fan-Shop unbedingt bestellen? Alles. Ihr größter eigener Weihnachtswunsch? Gute, schwere Frage. Dass alle zusammen sind und gutes, leckeres Essen. Sie arbeiten auch als Synchronsprecher. Für wen? Da gibt es nichts Festes, viele Animationsfilme wie "Pocahonda", viel für die Öffentlich-Rechtlichen. Was ist das Geniale an "Genial daneben"? Das Improvisieren. Ich möchte meine Ideen immer sofort rausspucken, mein eigener Regisseur sein, spontan, wie das Leben ist.

 

Worüber würden Sie keine Witze machen? Jeder hat seine Grenzen. Ich hab keinen Bock auf extremen Zynismus. Da gibt"s genug Leute, die das abdecken, das ist nicht mein Bereich, so die Ecke "wer vögelt mit wem". Was dürfen die Fans 2010 an "Verschmitztem" erwarten? Eine neue CD, eine neue Staffel im Fernsehen und zwei Dinge, über die ich aber noch kein Wort sage. Beim Leben meiner Katze.

 

Von Torsten Piontkowski