Wollen Sie Ihr Auto verkaufen?

Mit kleinen Visitenkarten am Auto versuchen Autohändler seit Jahren neue Kunden zu finden. Auch vor Neuwagen machen die Händler keinen Bogen. Der Vogtland-Anzeiger hat diese Art der Werbeform einmal etwas näher unter die Lupe genommen.

 

Plauen - Wohl jeder Fahrzeugführer kennt sie - die kleinen, bunten Kärtchen am Seitenfenster mit der Aufschrift "Wollen Sie Ihr Auto verkaufen?". Für viele Autofahrer stellen sie ein Ärgernis dar und sie landen entweder sofort im Papierkorb oder direkt auf der Straße. Doch anscheinend muss sich das Geschäft mit dem An- und Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen, Unfallwagen oder gar Fahrzeugen ohne TÜV nach wie vor lohnen. Die Vorgehensweise der Autohändler ist sehr simpel und immer gleich: Die Werbebotschaften werden meist unter den Scheibenwischer oder zwischen Gummi und Seitenscheibe befestigt.

 

Nun hoffen die fliegenden Händler auf einen Rückruf. Meist wird dann ein Termin vereinbart, das Fahrzeug begutachtet und anschließend ein Preisangebot unterbreitet. Wenn sich beide Parteien auf einen Preis einigen können, ist der Deal perfekt - und das Fahrzeug wird je nach Zustand weitervermittelt. In der Regel werden die erstandenen Vehikel nach Afrika oder Asien exportiert. Nur die wenigsten, etwa 10 Prozent, werden in Deutschland wieder verkauft.

Rami Bataineh ist Besitzer des Autohandels Rami in Plauen und hinterlässt seine Werbebotschaften ebenfalls in Form von Visitenkarten an der Fahrertür. Er verkauft derzeit nach eigenen Angaben etwa 15 Fahrzeuge im Monat - "das ist nicht berauschend, aber es geht einigermaßen", ließ der Autohändler den Vogtland-Anzeiger wissen. Noch vor einigen Jahren sei das Geschäft mit dem Export ins Ausland wesentlich besser gelaufen, doch auch in den Ländern der dritten Welt scheint der Markt an Gebrauchtwagen gesättigt zu sein. Demzufolge wird die Konkurrenz auf dem Exportmarkt immer größer.

Robert Seeliger, Assistent der Geschäftsleitung vom Auto-Centrum Carl in Plauen, beäugt die fliegenden Händler zwar kritisch, würde sie aber nicht als Konkurrenz bezeichnen, da diese sich vorwiegend auf ältere Autos fokussieren, die für Autohäuser nur schwierig zu vermitteln sind: "Wir wollen unseren Kunden auch bei Gebrauchtwagen einen Garantiezeitraum einräumen. Dies ist bei Fahrzeugen, die schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel haben, kaum realisierbar. Zudem ist es unser Ziel, Autos wieder auf den Markt zu bringen. Meines Wissens nach, werden die Fahrzeuge der fliegenden Händler zu Großteilen ins Ausland exportiert." Seeliger hält nicht viel von den Straßengeschäften und rät zur Achtsamkeit: "Ich sehe die Visitenkartenhändler als Ärgernis für jeden Autofahrer.

 

Erstens landen die meisten Karten ungelesen auf der Straße und zweitens verkleben die meist schlecht laminierten Werbebotschaften bei Regen die Seitenscheiben der Autos. Zudem habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass man über private Käufer zum Beispiel über Autobörsen im Internet mehr erzielen kann, als es bei den fliegenden Händlern der Fall ist. Man sollte demnach genau aufpassen, dass man nicht über den Tisch gezogen wird." Angesichts des Geschäftsgebarens mit den Visitenkarten bleibt  die Frage offen, ob das Anbringen rechtmäßig ist. Heike Teubner von der Verbraucherschutzzentrale in Auerbach sieht zunächst keinen Verstoß gegen die gesetzlichen Auflagen: "Grundsätzlich ist es sicher nicht unseriös, Kärtchen mit der Aufforderung zum Verkauf des Pkw zu hinterlassen. Maximal wäre es ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz. Fälle haben wir hierzu nicht. Es wird wohl eher wenige Leute geben, die auf so einem Weg ihr Auto loswerden wollen. Ob die Händler seriös sind, kann man auf Anhieb nicht feststellen. Dazu müsste man die Art und Weise der Vertragsanbahnung, sowie die Inhalte der Verträge näher kennen", sagte sie.

Die Stadt Plauen weist darauf hin, "dass das Verteilen oder Befestigen von Visitenkarten mit Werbeaufdrucken zu Gewerbezwecken einer Genehmigung bedarf. Diese wird in der Regel erteilt, wenn eine gültige Gewerbeanmeldung und ein Firmensitz in Deutschland vorliegt. Zudem müssen Auflagen, wie zum Beispiel Sauberkeit erfüllt werden. Die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsdienstes sind angewiesen, bei ihren Rundgängen in der Stadt auf derartige Kärtchen zu achten und diese zur Prüfung an den Innendienst zu übergeben. Falls keine Genehmigung vorliegt, droht dem Besitzer ein Bußgeld von bis zu 500 Euro", erläutert Daniela Dietz von der Stadtverwaltung Plauen.

In Anbetracht der aktuelle Kartenflut auf den Gehwegen, könnte sich die Stadt Plauen vielleicht ein Beispiel am bayrischen Nachbarn nehmen, denn dort ist im gesamten Freistaat das Anbringen von Werbung an Fahrzeugen gänzlich untersagt. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass die Werbung gänzlich von der Bildfläche verschwindet, da die Werbung auch unentdeckt verteilt wird oder die Drahtzieher nicht ermittelt werden können. Dennoch wird sich die Menge der Werbeattacken durch ein Verbot wohl reduzieren lassen. Auch der Großteil der Autobesitzer im Vogtland könnte sich mit einer solchen Regelung sicherlich anfreunden. Zum einen wären dann die Bürgersteige ein Stück sauberer - und zum anderen müssten sich nicht mehr so viele Fahrzeugführer über die unliebsamen Werbebotschaften ärgern.

 

Von  Andreas Seidel