"Wollen Honorargerechtigkeit"

Gabriela von Gebhardi versteht die Welt nicht mehr. Die Plauener Kinder- und Jugendärztin in eigener Praxis empfindet es als schreiende Ungerechtigkeit, dass die Vergütung ambulanter ärztlicher Leistungen so auseinander driftet.

 

Erhalte doch zum Beispiel ein Allgemeinmediziner, wenn er ein Kind oder einen Jugendlichen behandelt, eine Fallpauschale von 42 Euro pro Quartal. "Der Spezialist, der ausgebildete Kinder- und Jugendarzt hingegen", so die Diplom-Medizinerin, der bekomme nur zirka 30 Euro pro Quartal pro Kind. "Wir stehen am unteren Rand bei den Vergütungen." Jetzt sei durch die neuen Regelungen alles noch schlimmer geworden. Es werde nicht berücksichtigt, dass bei der Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern ein viel größerer zeitlicher und personeller Aufwand betrieben werden müsse. Frau von Gebhardi stellt fest: "Die kinderärztliche Tätigkeit erfährt nicht die ihr gebührende Wertschätzung."

Sollte es zu keiner Änderung der finanziellen Situation kommen, dann sehen sich die sächsischen Kinder- und Jugendärzte in ihrer Existenz bedroht. Auch drohe, dass aus dem Beruf ausscheidende Kinderärzte keine Nachfolger finden. Aus all diesen Gründen hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte heute zu einem landesweiten Aktionstag in Dresden aufgerufen. Daran nehmen auch die Plauener teil. Von den sieben in Plauen tätigen Kinder- und Jugendärzten beteiligen sich alle an der Schließung ihrer Praxen am heutigen Mittwoch. Einen Bereitschaftsdienst halte Kinderarzt Dr. med. Wolfgang Parthon aufrecht; seine Praxis in der Klosterstraße 7 hat heute von 9 bis 12 und von 14 bis 22 Uhr für Notfälle geöffnet.

Die Kinder- und Jugendärzte treffen sich zu einer gemeinsamen Protestaktion in Dresden, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Der Berufsverband fordert, dass die von den Kassen zur Verfügung gestellten Mittel angemessen und gerecht verteilt werden. "Wir sind mit der Aktion an einem Mittwoch, wo in der Regel am Nachmittag keine Sprechstunden stattfinden, sehr moderat", erklärt Gabriela von Gebhardi.

 

In Jena, so weiß die Ärztin, bleiben die Praxen der Kinder- und Jugendärzte eine ganze Woche lang geschlossen. Enttäuscht ist die Ärztin darüber, dass sich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Plauener Umland der Protestaktion nicht angeschlossen haben. Denn es komme jetzt darauf an, ein Zeichen zu setzen, davon ist die Plauener Kinderärztin überzeugt.  L.B.