Wolfgang Clement zu Gast auf Schloss Voigtsberg

Ex-Bundesminister Dr. Wolfgang Clement, der am Montagabend zu Gast beim vogtländischen Mittelstandstreffen auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz war, räumt den Landesbanken keine Zukunftschancen ein. Sie seien politisch geführte Einrichtungen, die ausgelegt sind, um zu fördern.

 

Am freien globalen Markt, den Clement vor über 100 vogtländischen Unternehmern mit all seinen Risiken und Vorteilen vorstellte, seien sie deshalb chancenlos. Die Globalisierung der Wirtschaft hat laut Clement hingegen große, noch nie da gewesene Chancen. Die 20 stärksten Industrienationen der Welt hätten noch nie so eng zusammengestanden wie heutzutage.

Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus vor 20 Jahren seien globale Veränderungen in Gang gekommen, in die Clement auch die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise einordnet. Die Stagnation der Auftragseingänge und rückläufige Exportzahlen kennzeichneten die deutsche Wirtschaft. Mit einem einmaligen Finanzprogramm, das sich die deutsche Wirtschaft kein zweites Mal mehr leisten könne, betont der Redner, hätte Deutschland die Krise wie kaum ein zweites europäisches Land in den Griff bekommen.

 

Die Folge: Der Staat macht Schulden, die Bauwirtschaft kann um zwei Prozent und der Export um fünf bis sechs Prozent zulegen und bringt Deutschland so auf das Niveau von 2005. Bis man jedoch die Zahlen von 2008 erreiche, werde 2013 ins Land gehen, erst dann könne man wieder von echtem Zuwachs sprechen, macht der einstige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement den schweren Weg sichtbar.

Deutliches Lob zollt der Aufsichtsrat verschiedener bedeutender deutscher Unternehmen, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich bei der Einführung und nochmaligen Ausweitung der Kurzarbeit, als Praktikerin durchgesetzt habe. So müssten Firmen auf wichtiges Fachpersonal nicht verzichten, das man dringend brauche, wenn der Aufschwung greife. In diesem Zusammenhang stellt Clement den Link zum Thema Jugendarbeitslosigkeit und Demographie her.

2020 werde es rund eine Million Jugendliche weniger geben als heute. Dem Zusammenhang "Schule und Beruf" oder "Schüler und Betrieb" komme eine außerordentliche Bedeutung zu, die man im Osten bereits besser begriffen habe als im Westen. In etwa 15 bis 20 Jahren werde sich rund ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands auf den Beruf vorbereiten, das zweite Drittel müsste alle Werte schaffen und das dritte Drittel würde sich im Rentenalter befinden.

Unser gesamtes soziales Gefüge, wie es in den 1960er Jahren nach und nach entstanden ist, müsse genauso verändert werden, wie sich die Entwicklung vollziehe, spricht der Redner den Eintritt ins Rentenalter an, den ein Staat seiner Meinung nach nicht vorschreiben sollte. Fazit: Die freie und soziale Marktwirtschaft habe bewährt, dennoch brauche sie Maß, Disziplin und Solidarität.  pdk