Wohnen im "Bierdorf"

Nein, es ist keine Schnapsidee der Bierbrauer, sondern ein Projekt, das die Innenstadt ein Stück attraktiver machen könnte. Auf dem Gelände an der Dobenaustraße soll ein modernes Stadtquartier entstehen.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Schon seit drei Jahren wird das Bier der Plauener, das Sternquell, im Gewerbegebiet Neuensalz gebraut. Hier befindet sich auch die Logistik und mit 85 Kollegen zudem die Hauptmannschaft des Unternehmens. Das Gelände an der Dobenaustraße dient lediglich noch 15 Mitarbeitern als Verwaltungssitz. Doch auch deren Tage in der Innenstadt sind quasi gezählt, da auch sie auf der Fläche des Gewerbegebietes mühelos Platz finden können und sich innerbetriebliche Wege damit deutlich verkürzen. Parallel mit der Verlagerung der gesamten Produktion ist die Geschäftsführung der Brauerei auf Investorensuche für die restliche Grundstücksfläche an der Dobenaustraße nachdem es gelang, ein 13 000 Quadratmeter großes Teilstück zu verkaufen. Doch das Interesse blieb überschaubar, die Gefahr einer Industriebrache unmittelbar zwischen Stadtzentrum und Stadtpark entlang der "grünen Spange" wuchs - zumal beschlossen wurde, die Instandhaltung und Wartung an der Dobenaustraße auf ein Mindestmaß herunterzufahren, weil der Standort in jedem Falle geschlossen werden soll. Vor diesem Hintergrund machten das Unternehmen aus der Not eine Tugend - die Idee eines neuen Stadtquartiers entstand. Näheres erfuhren die Stadträte am Dienstag. Seitens der Stadtverwaltung erläuterte Markus Löffler die Vorstellungen des Unternehmens. Zunächst: Als Eigentümer trägt Sternquell die Planungs- und Erschließungskosten für bis zu 120 Wohnungen, die hier einmal entstehen sollen - gruppiert um das alte Malzhaus, das als unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt erhalten bleiben soll. Zweifelsohne wird der entstehende Wohnraum vor allem Mieter mit recht "solidem" Geldbeutel anziehen. Doch auch Linken-Stadtrat Klaus Jäger sprach von einem Top-Projekt, mit dem sich eine Industriebrache verhindern lasse. Anders sah das SPD-Stadtrat Thomas Fiedler. Der Anwalt sprach im Falle einer Zustimmung von einer "Veredlung" des Grund und Bodens und forderte namens seiner Partei, im künftigen Wohnquartier auch Sozialwohnungen zu berücksichtigen. Als wenig hiflreich, potentiellen Investoren von vornherein Vorschriften zu machen, zumal diese auch von außerhalb kommen könnten, sprach CDU-Fraktionschef Jörg Schmidt - dies sahen Baubürgermeisteer Levente Sarközy und sein Chef, OB Ralf Oberdorfer, ganz ähnlich. Zwar sei die Gegend "edel", der Baugrund ist es nicht, so Sarközy, der auf eine schwierige Abriss-Situation verwies. "Lassen Sie die Investoren erst mal rechnen, die Formulierung harter Kriterien zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht nötig", so Sarközy an die Adresse der Stadträte, die dieser Argumentation mehrheitlich folgten.