Wohin mit dem Glühwein?

Hopp oder top, sich mit Glühwein üppig eindecken, vorsichtig zu kalkulieren oder es ganz lassen? Nie zuvor war es schwieriger für Händler, einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt zu planen wie dieses Jahr. Mit der Absage der Märkte bricht ein Großteil des Umsatzes weg - auch für Schausteller Peter Hickmann aus Plauen.

Von Cornelia Henze

Plauen - Die Ware für den Weihnachtsmarkt hatte Peter Hickmann komplett geordert. Und das diesmal nicht situationsgebunden Woche für Woche in überschaubaren Mengen, sondern en Block für die Dauer des ganzen Marktes. Nun sitzt einer der bekanntesten Plauener Schausteller auf mehreren 25-Kilo-Säcken Nüssen und Mandeln, Lebkuchen, kandiertem Obst und vielen, vielen Litern Glühwein.


Abgefüllt ist der Glühwein in Zehn-Liter- "Bag-in-Boxen", und davon hat Peter Hickmann reichlich. Der Händler stand vor Wochen vor der Wahl entweder seinen ganzen Glühwein-Bedarf mit einem Mal zu ordern oder Gefahr zu laufen, von den Winzern nicht mehr beliefert werden zu können, wenn der Vorrat mittendrin ausgehen sollte. Denn auch die Winzer haben aus dem ersten Corona-Jahr und dem daraus folgenden abgesagten Weihnachtsmarkt 2020 gelernt und sich mit der Weinproduktion zurückgehalten. Weil die Winzer signalisierten, Wein sei 2021 knapp, habe er sich eben mit Ware eingedeckt, erzählt Peter Hickmann. Nun werde er ihn wohl vernichten müssen. "Ich habe Verständnis für die akute Lage und das Handeln aufgrund des Infektionsgeschehens, aber ich bin erzürnt über die kurzfristige Absage aller Märkte", so der Schausteller.


Alle Händler des Plauener Weihnachtsmarktes haben sich einen Kopf gemacht über Hygienekonzepte, alle haben in die Konzepte Zeit und Kraft gesteckt, saßen in vielen Beratungen zusammen. Mit Verweil- und Flanierzonen, auseinandergezerrten Buden, vielleicht auch mit 3 G hätte der Markt funktionieren können, ist Hickmann, der seit 40 Jahren Glühwein, Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln verkauft, überzeugt. Dass Alkohol- sprich Glühweinausschank die Pandemie zusätzlich befeuert, der Meinung ist der Händler nicht. "Es gibt keine Besoffenen, die auf dem Markt rumhängen und randalieren. Auf dem Weihnachtsmarkt treffen sich Familien und Freunde, da geht es friedlich zu." Jetzt, vermutet der Händler, ziehen sich die Leute zu privaten Glühweinpartys in ihre Häuser, Gärten und Garagen zurück.


Für Hickmann wird Weihnachten gelaufen sein, wenn nicht der Freistaat finanzielle Hilfe gewährt. Wirtschaftsminister Martin Dulig spricht von Überbrückungshilfe und Sonderabschreibung für Saisonwaren. Mit der Absage des Marktes sei ihm fast die Hälfte des Jahresumsatzes weggebrochen. Abgesehen vom Sommerrummel, den die Plauener Schausteller selbst auf die Beine stellten, sah das Jahr 2020 mau aus. Kein Vogelschießen, kein "Plauener Frühling" und "Herbst", kein Spitzenfest. Schon in den 1980er Jahren verkaufte Hickmann Süßigkeiten und Glühwein. In manchen Jahren habe man gar nicht gewusst, was man den Leuten verkaufen sollte, denn in der DDR mangelte es an Vielem. Doch irgendwas zu Naschen gab es immer auf dem Rummel. Nach zweimaliger Absage des Weihnachtsmarktes befürchtet Peter Hickmann, dass die Tradition ganz kaputtgeht. Schon jetzt haben sich etliche Händler und Personal für die Buden anderweitig orientiert. Zu unsicher ist der Markt. "Im Winter stundenlang in so einer Bude zu stehen, das macht nicht jeder." Er hofft, seinen Süßwarenstand wieder auf dem eigenen Grundstück an der Seumestraße aufstellen zu dürfen. Andere Händler suchen Stellmöglichkeiten auf Supermarkt-Parkplätzen.