Woher kennt das Navi meinen Standort?

Der vogtländische Nachwuchs bleibt wissbegierig. Die neue Vorlesung der Kinderuni zum Thema "Navi" hatte wieder viele Zuhörer.

 Von Renate Wöllner

 "Woher kennt das Navi meinen Standort?", stellte der Direktor der Berufsakademie Plauen, Professor Dr. Lutz Neumann, am Samstag in den Saal des Oelsnitzer Sprach- und Kommunikationszentrums (SKZ). Das Thema knüpft an die Vorlesung vom Juni an, in der es um die Kommunikationssatelliten ging, die modernes Fernsehen, Rundfunk und Mobilfunk erst möglich machen. Lebensnahes Beispiel bildete die Fahrt zum Skihang in Erlbach - auch wenn dort der Schnee noch auf sich warten lässt. Man könnte ja, um dorthin zu kommen, auch die Landkarte nehmen. Aber wer macht das noch? Laut Wortmeldungen im Saal nutzen die meisten Familien Smartphone oder das Navigationssystem im Auto für die Routenbestimmung.
Zur Antwort auf die zentrale Frage unternahm Neumann einen "einfachen Versuch" - mit dem er den Wissensbereich "Geometrie 5. Klasse" anschnitt. Mit Hilfe von Assistentin und Maßband ließ er ein großes Dreieck im Raum bilden. Mit dessen Seitenlängen lasse sich jeder beliebige Punkt im Raum bestimmen. Immer zwei Punkte benötige das satellitengestützte Navi-System im Auto. An diesem Punkt war es Zeit für Neumann das GPS zu erklären - das Global Positioning System, mit dem das Navi Verbindung aufnimmt. In ihm stehen 24 Satelliten auf sechs Bahnen auf 20 000 Kilometer Höhe im Orbit. Drei Satelliten werden benötigt, um die Position zu bestimmen, ein weiterer Satellit - mit Atomuhr - für die genaue Zeit, mit der gerechnet wird. Mit der Lichtgeschwindigkeit von 300 000 Kilometer pro Stunde erreicht uns das Signal im Auto, es braucht dafür ganze 0,066 Sekunden. Wie schnell das ist, vermittelte Neumann im Frage-Antwort-Spiel mit einer Formel 1-Fahrt zum Mond - der in 390 000 Kilometer Entfernung die Erde umkreist. Ein 300 Kilometer pro Stunde schneller Rennwagen würde dafür 1300 Stunden - fast zwei Monate - brauchen, wurde gemeinsam errechnet. Das Licht schafft es in 1,3 Sekunden.
Diese Relation brachte zum Staunen. "Ach, du Scheiße!", entfuhr es einem der Junior-Studenten. Satellit und Navi im Auto müssen dieselbe Zeit haben. Schon die Abweichung von einer Sekunde bedeute 500 Milliarden Jahre Unterschied, brachte Neumann eine weitere staunenswerte Information.
"Viel Mathematik und Rechnen" umfasste die Vorlesung, in der zum Glück Kinder saßen, die per Bekundung Mathe als Lieblingsfach erkoren hatten. Für die Jüngsten, die ein bisschen unruhig wurden, war es trotzdem schwerer Stoff. Dass der Moderator die Fragerunde schon nach einer Frage abbrach, stieß bei einigen Eltern auf Unverständnis.
Die nächste Lektion der Kinderuni Vogtland am Samstag, 25. Januar, 10.30 Uhr, im SKZ "Vom Tuten und Blasen" beschäftigt sich mit dem Instrumentenbau. Zu hören ist Professor Dr. Gunter Ziegenhals vom WHZ Markneukirchen und Institut für Musikinstrumentenbau Zwota.