Wo Maschinen Dampf machten

Ein Plauener will den Industriepavillon in der Dürerstraße Kleinkunst, Theater und Sport widmen. Damit fördert er Vereine der Stadt und erhält dazu ein Stück Industriegeschichte am Leben. Am 13. September wird dort der sächsische Denkmaltag eröffnet.

Von Cornelia Henze

Plauen Von außen unscheinbar. Von innen licht und hell. In den kompakten Betonwänden steckt Eisen. Der Bau wirkt trutzig, aber wegen der vielen Fenster, die sich in einer Art Galerie aneinanderreihen, und das Sonnenlicht einladen, hindurchzuscheinen, auch wieder nicht. Beton, Stahl, Glas: Die drei Baustoffe bestimmen wie keine anderen die Ära des Modernen Bauens. Zwischen 1910 und 1920 erbaut, gehört der Industriepavillon weder der ausgehenden Gründerzeit so richtig an, noch dem Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit. Irgendwo liege dieser Baustil, der sogar neobarocke Schmuckelemente aufweist, dazwischen. "Das macht das Bauwerk interessant. Man könnte sagen, dieses Gebäude ist ein Vorbote modernen Bauens", sagt der Mylauer Architekt Thomas Schafferhans. Besitzer und Hausherr Roland Fuhrmann hat die Planung in Schafferhans‘ Hände gelegt.

Der Pavillon gibt Planer wie Besitzer Rätsel auf. Weder das genaue Baujahr noch der Architekt seien überliefert, bedauert Roland Fuhrmann. Sicher ist, dass der Pavillon zum Ensemble einer früheren, rund 100 Meter langen, Hempelschen Fabrik (nicht die in der Elsteraue) gehörte und als Maschinenhaus errichtet wurde. In der lichten Halle stand eine dampfbetriebene Stromerzeugungsmaschine, die der Textilfabrik Elektrizität lieferte. Fotos davon gibt es leider nicht. Elektrizität und Produktionsanlagen läuteten um 1900 das Maschinenzeitalter ein. Eine Sache, worauf auch dieser Plauener Fabrikbesitzer sehr stolz gewesen sein muss, erklärt sich Fuhrmann die gigantische Bauweise des Maschinenhauses.

Gekauft hat  Fuhrmann den Pavillon 2014 von der Bundesanstalt für Immobilien, zuvor, 2009 bereits Nebengebäude für Lagerzwecke für die eigene Firma. Fuhrmann ist im Ladenbau, Innenausbau und Tischlergewerk zu Hause. 2014 sei das Maschinenhaus arg heruntergekommen gewesen. Seitdem hat Fuhrmann viel Zeit, Kraft und Geld in die Restaurierung gesteckt. Wie viel Geld, das wolle er lieber nicht sagen. Denn es gebe überall Neider. "Leider gehört der Pavillon nicht zum Fördergebiet wie die Hempelsche Fabrik in der Elsteraue", bedauert Fuhrmann. Anteilig Förderung gab es trotzdem für den denkmalgeschützten Industriebau. Und auch das Interesse von Bundestagsabgeordneter Yvonne Magwas konnte der Hausherr für das Gebäude wecken. "Wir sind immer noch im Rohbau, die Fertigstellung wird noch ein, zwei Jahre dauern", schätzt der Besitzer. Das Dach ist dicht, ein Großteil der Fenster aus Sicherheitsglas ist eingesetzt. Wärmeschutz, Fassade, Fußbodenheizung, Sanitär und Elektrik stehen noch aus. Rote Mosaikklinker, teils noch original, wird Fuhrmann in den Fußboden einbauen, verbunden mit neume Parkett in Klinkeroptik.