Wo einst Bananen reiften

Die Richtkrone an der neuen Seniorenresidenz "Am Goetheplatz" ist am Donnerstag am großen Kran aufgezogen worden. Zuvor gab es hoffnungsvolle, aber auch nachdenklich Worte, einen zünftigen Richtspruch und einen lecken Richtschmaus für die Bauarbeiter.

Von Ingo Eckardt

Plauen Rechnet man mit spitzem Bleistift, dann kostet jeder der 130 künftigen Pflegeplätze in der Einrichtung am Preißelpöhl rund 100.000 Euro. 13 Millionen Euro des Investors, der Chemnitzer Firma "Theed.Projekt", fließen in das U-förmige Bauwerk, auf dem einstigen Gelände der Bananenreiferei am Goetheplatz. Betreiber wird die Gesellschaft "Euro plus" sein, die in der Rädelstraße bereits eine kleine Seniorenresidenz betreibt und eine Tochtergesellschaft der Chemnitzer Volkssolidarität ist. Über 25 Jahre mietet der Betreiber das Objekt vom Investor Lutz H. Uhlig, der 2017 sein neues Unternehmen gründete, bereits aber seit der Wende als Bauträger agiert.
Die Firma agiert als Bauträger für zahlreiche Seniorenheime, die sie dann von der Chemnitzer Volkssolidaritäts-Tochter betreiben lässt. In Limbach-Oberfrohna wurde vergangenen Herbst ein erstes Pflegeheim übergeben, ein ähnlich großes Objekt wie in Plauen wird in den nächsten Wochen in Crimmitschau fertig gestellt, im erzgebirgischen Neukirchen und eben in Plauen ist man fertig mit der Außenhaut und in Roßwein steht mittlerweile ein Rohbau. "Planungen für neue Objekte laufen derzeit für das Thermalbad Wiesenbad und für Objekt 2 in Limbach-Oberfrohna", verkündet Lutz H. Uhlig. Man wolle bis 2024/24 zehn bis zwölf Objekte errichten, die dann von der "Euro plus" angemietet werden. Andreas Lasseck, Chef der Betreibergesellschaft sieht die umfangreichen Baumaßnahmen als Befriedigung eines dringlichen Bedarfs.
Uhlig dankte in seiner kurzen Rede zum Richtfest den Bauleuten, die dafür gesorgt hätten, dass man gut im Zeitplan liegt - so steht der geplanten Inbetriebnahme zum 1. April 2020 ("Kein Scherz") wohl nichts im Wege. "Wir haben eine Betreibergesellschaft, deren Wünsche wir gut kennen und zahlreiche Firmen, deren Leistungsfähigkeit wir bestens einschätzen können. Auch wenn jeder Standort natürlich ein wenig anders ist, hilft das Bauzeiten und den Finanzrahmen einzuhalten", erklärt Uhlig. In Plauen baue man fünf Stockwerke - eines davon unter der Erde. "Wir bauen aber keinen Fernsehturm hier, keine Angst", entlockte er den Gästen ein Lächeln. OB Ralf Oberdorfer, der einst in Sichtweite des Objektes lebte, freute sich mit der feiernden Gemeinde: "Das ist etwas Besonderes für Plauen. Hier stand ehemals eine Bananenreiferei, obwohl es da zu DDR-Zeiten ja selten was zu reifen gab", erinnerte Oberdorfer mit einem Grinsen. Dann reflektierte er auf hoch fliegende Ziele nach der Wende, wo Investoren große Pläne hatten, das Geld aber nur bis zum Aushub der Baugrube reichte. "Leiseweinend" sei die Grube letztlich verfüllt worden - doch nun entstehe hier ein dringend notwendiger Bau. "Der Bedarf an erstklassigen Heimplätzen ist groß und ich hoffe, Sie finden genug Personal für Ihre Einrichtung. Das ist heutzutage sehr schwierig", so der Oberbürgermeister, der den Bauleuten eine schöne Feier wünschte. Zuvor jedoch gab es ein Grußwort von "Euro plus"-Prokuristin Ulrike Ullrich, die das Objekt näher vorstellte - es gäbe Zimmer, deren Größe (25 qm) über den Vorgaben lägen und die den Bewohnern mit eigenen Möbeln und Dekorationen zu einem Stück Zuhause werden sollen. Dazu benötige man tatsächlich Personal. Wer Interesse hat, ab dem kommenden Frühjahr im neuen, modernen Objekt zu arbeiten, könne schon jetzt seine Bewerbung an die esb-Seniorenresidenz in der Rädelstraße 9 in Plauen senden.
Dann krabbelten Investor, Betreiber und zwei Bauleute auf das Gerüst im Innenhof und Zimmermann Marko Häsler sprach einen zünftigen Richtspruch.