Wo der ZWAV 2021 investiert

Manch Wasserversorger in Sachsen beginnt, alte Wasseruhren durch elektronische Funkzähler zu ersetzen. "Wir noch nicht, aber wir investieren in diesem Jahr wieder mehr als 20 Millionen", sagt Henning Scharch, Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasser und Abwasser "Vogtland" (ZWAV).

Plauen - In den vergangenen Jahren hat der ZWAV laut Scharch immer in etwa dieser Höhe gebaut. "Zwei Drittel des Geldes ,fließt‘ in Anlagen und Leitungen fürs Abwasser, ein Drittel in solche fürs Trinkwasser."
Scharch bedauert im Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger, dass es seit Jahren keine Fördermittel für Trinkwasser-Investitionen gebe. "Für mich ist es unverständlich, warum Sachsens Landesregierung solch eine Politik betreibt. Im Trinkwasserbereich arbeiten wir zu 100 Prozent mit Eigenmitteln."
Eigentlich sollten die Investitionen in zentrale Abwasseranlagen sachsenweit 2015 nach Scharchs Angaben abgeschlossen sein. Doch im Vogtland habe es etwas länger gedauert. "2008 hatten wir angefangen die erste Anlage zu bauen, in Thiergarten bei Plauen. Und im vergangenen Jahr haben wir die letzte Maßnahme abgeschlossen - Kanalnetz und Kläranlage in Rodau in der Gemeinde Rosenbach."
Mehr als 98 Prozent der Vogtländer sind Scharch zufolge an das Trinkwassernetz angeschlossen, der Rest gewinnt sein Wasser aus eigenen Brunnen. Beim Abwasser liege der Anschlussgrad an die zentrale Entsorgung bei etwa 85 Prozent. "Die anderen sind verpflichtet, biologische Kleinkläranlagen zu bauen und werden vom Landratsamt kontrolliert, der Unteren Wasserbehörde."
Der ZWAV versorgt die 224.000 Einwohner des Vogtlandkreises mit Trinkwasser. "Die Zahl unserer Abwasser-Kunden liegt niedriger - auch weil es im Raum Reichenbach für rund 30.000 Menschen einen eigenen Abwasserverband gibt", erklärt Scharch.
Die Neuerschließung im Vogtlandkreis sei abgeschlossen, jetzt liege der Schwerpunkt auf dem Erneuern maroder Abwasserkanäle, sagt Scharch weiter. "Manche sind mittlerweile 70 oder 80 Jahre alt."
Auch beim Trinkwasser gibt es Sorgenkinder, eines befindet sich demnach in Kemnitz bei Weischlitz. "Die Einwohner klagen des Öfteren über getrübtes Trinkwasser. Wir haben schon mehrmals gespült, aber eine dauerhafte Lösung wird erst die neue Leitung bringen, die wir dieses Jahr bauen wollen."
Der ZWAV bemüht sich nach Scharchs Angaben, gleichzeitig Wasser- und Abwasserleitungen zu bauen - wenn es sinnvoll ist. "Auch eine Koordinierung mit kommunalen Straßenbaumaßnahmen streben wir an."
Der Info-Kasten versammelt die geplanten ZWAV-Projekte für dieses Jahr. Zu den größten Brocken zählen der Bau von Wasser- und Abwasserleitungen samt Rückhaltebecken in Misslareuth, eine Abwasser-Druckleitung von Mechelgrün bis Bergen, um die alte Kläranlage in Mechelgrün stillzulegen, die 2021/22 vorgesehene Errichtung eines Regenüberlaufbauwerks in der Plauener Seumestraße, die Erneuerung der maschinellen Schlamm-Entwässerung in der Kläranlage Plauen (der getrocknete Schlamm wird anschließend in Kohlekraftwerken in der Lausitz verbrannt) und die Ertüchtigung des Trinkwasser-Zubringers für Oberlosa bei Plauen - auch mit Blick auf die ins Auge gefasste Vergrößerung des Gewerbegebietes.
Der 56-jährige Scharch ist seit 2007 ZWAV-Geschäftsführer und damit Chef von 223 Mitarbeitern - vor 13 Jahren waren es noch fast 300 gewesen.
Aber warum beginnt der ZWAV nicht, die mechanischen Wasseruhren durch Funkzähler zu ersetzen? Der Ableser könnte per Laptop die Daten erfassen, wenn er im Auto sitzend am Haus des Kunden vorbeifährt. "Wir machen das noch nicht - aus mehreren Gründen", sagt Scharch: Wegen Corona wolle man die Monteure nicht zusätzlich in die Haushalte schicken, um solch neue Technik einzubauen. Zudem seien die Funkzähler sehr teuer: 100 Euro (neu) gegen 12 Euro (alt).
Wie Scharch weiter erklärt, geht es auch um Wirtschaftlichkeit: Derzeit müsse eine Wasseruhr, also ein mechanischer Flügelradzähler, alle sechs Jahre gewechselt werden. Das verlange das Eichgesetz. Derzeit gebe es Überlegungen, die Eichzeit zu verlängern. "Dann überlegen wir neu. Vielleicht testen wir auch in diesem Jahr." ufa