Wo der Treuener Bock entspringt

Arndt Blechschmidts Brauerei hat Braurecht seit 1483 und zwei museale Prunkstücke: Den weithin sichtbaren Darrturm und die historische Dampfmaschine. Die Brauerei spielt die Hauptrolle im heutigen Adventsrätsel, bei dem Finn gewonnen werden kann, eine Figur der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen.

Treuen -  Das Reinheitsgebot von 1516 aus Bayern ist nur für die Werbung - gültig ist das Biergesetz, sagt Arndt Blechschmidt. "Es existieren viele Reinheitsgebote; eines in Thüringen ist 82 Jahre älter, spielt aber keine Rolle, weil es aus Ostdeutschland stammt", erklärt der 49-jährige Braumeister, der den Beruf von der Pike auf gelernt hat und den Treuener Familienbetrieb in siebter Generation führt. "Die Brauerei gibt es viel länger, mehr als 530 Jahre", sagt der 49-Jährige auf Brauerei-Führungen, die eigentlich zweistündige Museumstouren sind und meist samstags stattfinden, von April bis Oktober; Vorbestellung unter Telefon: 037468 - 2867.
Gestartet wird im Brauereigebäude aus dem 19. Jahrhundert, wo die Besucher erfahren, dass die Brauerei einst zum Schloss Treuen gehörte. Das Eis der Teiche half beim Brauen und kühlte Jahrhunderte die Keller, in denen bis zu 1000 Kubikmeter davon lagerten - bis es neues Eis gab. "Ein Kälteverdichter produziert ab 1904 Eis, angetrieben von einer Dampfmaschine. "Sie kann besichtigt werden und auch der Verdichter. Er ist ein Original, konstruiert vom berühmten Karl von Linde, und deshalb Station der bundesweiten ,Straße der Kälte‘", erklärt Blechschmidt stolz.
Auf seinen Führungen setzt er viele Maschinen und Gerätschaften in Bewegung: So sehen die Besucher, wie Fliehkraftregler, Schwungrad und Zylindersteuerung ineinandergreifen.
Im Sudhaus mit den Gärbottichen und den glänzenden Kupferkesseln erklärt er die Bierherstellung: Gerste und Wasser werden zu Malzzucker; gekocht mit Hopfen wird am Ende alles mit Hefe vergoren. Der Meister schildert, wie heiße Luft früher die gekeimte Gerste trocknete und röstete: Im mehrstöckigen Darrturm, hoch oben auf dem Dach - und heute saniert. Im Turm begann nach seinen Worten 1898 wegen Überhitzung auch ein Großbrand.
Insgesamt stand die Brauerei dreimal in Flammen, das erste Mal 1874. "Man weiß das Datum genau, weil zwei Tage vorher die Treuener Feuerwehr gegründet worden war und es ihr erster Einsatz war", erklärt Blechschmidt, der während der Betriebsführung nun ins Dachgeschoss bittet, ins Brauerei-Museum, das er als sein Hobby bezeichnet: 120 Jahre alte Flaschen sind zu sehen, die ersten die jemals abgefüllt wurden. "Anfangs diente Kork als Verschluss, dann kamen Porzellanbügelverschlüsse in Mode, von denen wir 1000 verschiedene Modelle haben. Wir zeigen zudem verschiedene Generationen von Maschinen, die mit heute üblichen Kronkorken arbeiten."
Zur Führung gehört laut Blechschmidt unbedingt ein Blick ins Kontor, wie es vor 120 Jahren ausgesehen hat, - und natürlich eine Verkostung. Fünf Sorten verlassen die Brauerei, die Blechschmidt mit Ehefrau Kerstin und einem Mitarbeiter am Laufen hält: Pilsner, Bock, Hutzenbier, Schwarzbier und Spezial.
Beim Testen hat Blechschmidt Zeit, über die Probleme wegen Corona zu sprechen: "Dieses Jahr gab es keinen Hutzentag und kein Schlossfest, viele private Feiern fielen aus. Die Rettung war unser Getränkehandel. Weil wir keine Gaststätte betreiben, können wir auch keine Fördermittel in Anspruch nehmen. Wir hoffen, dass es nächstes Jahr besser wird."

Kalenderblatt 12:

In welchem Jahr stand die Brauerei erstmals in Flammen? Wenn Sie das wissen, schreiben Sie das Lösungswort bis 15. Dezember auf eine Postkarte und senden sie an: Redaktion Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen. Oder Sie mailen an: redaktion@vogtland-anzeiger.de oder beteiligen sich über Facebook am Rätsel, unter Kennwort: Kalenderblatt 12. Zu gewinnen gibt es eine Kerze der Serie "Finn & Finja" samt Servietten, gesponsert von der Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen.
Unsere Glücksfee hat nun auch zwei weitere Gewinner gezogen. Kalenderblatt 7 (Antwort: "1300 Grad heiß ist das Schmiedefeuer") ist Mandy Roth aus Plauen. Kalenderblatt 8 (Antwort: "Bis Weihnachten") hat Romy Riedel aus Weischlitz gewonnen.
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