Wo Bewohner Gäste sind

Das Aspida-Team in der Plauener Bergstraße hat am Donnerstag ein erstes Musterzimmer in ihrem Neubau einer generationenübergreifenden Pflegeeinrichtung vorgestellt.

Plauen Der geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Thieswald und der derzeitige Projektleiter und künftige Chef auf dem Pflegecampus, Christoph Holzapfel, stellten den Medien das erste Zimmer vor, das mit modernen Vorhängen, einer knallig-roten Wand und modernem Mobiliar versucht, die Anmutung eines Pflegeheimes zu vermeiden. "Wir stammen ja beide aus der Pflegebranche und es war bei der Gründung meiner eigenen Firma Aspida schon mein Anliegen, die eigenen Erfahrungen umzudrehen und den Menschen, der gepflegt wird, stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Heute leben pflegebedürftige junge Menschen oft in Seniorenheimen und finden dort nicht die Beachtung, die sie benötigen. Das wollen wir mit dieser einmaligen Einrichtungen in Plauen ändern", sagt Thieswald über das Projekt, das seit eineinhalb Jahren entwickelt wurde. Man sei gerade in sehr guten Verhandlungen mit den Pflege-, Kranken- und Rentenkassen, um dem Plauener Pflegecampus den Status eines Modellprojektes zu verpassen - mit einem deutlich höheren Personalschlüssel als üblich.
Verteilt auf vier Wohnbereiche sollen in jeweils 28 Zimmern bis zu 110 vollstationäre Pflegeplätze für verschiedene Altersgruppen entstehen. Die Räume werden technisch auf höchstem Stand ausgestattet, unter anderem mit W-Lan, Rufanlage und Smarthome-Anwendungen in den Zimmern, Pflegebett und Pflegebad verstehen sich von selbst und trotzdem möchte man hier in der Innenstadt eine gewisse Unterscheidung zu anderen Pflegeeinrichtungen leben.
"Unser Speiseraum heißt Restaurant, die Funktionsräume sind neutral gehalten, die Bewohner bezeichnen wir als Gäste wie in einem Hotel. Gerade für junge Leute, die Pflege benötigen, weil sie vielleicht nach einem Unfall gelähmt sind, ist das ein Stück Lebensqualität und Normalität. Pflege muss man als Umstand betrachten, dem man ausgesetzt ist und nicht als ein Dahinvegetieren", blickt Thieswald in die Gedanken hinter dem Projekt. "Wer bei uns als junger Mensch gepflegt wird, kann hier auch in Würde und angepasst an seine Bedürfnisse altern", erklärt Campusleiter Holzapfel und verweist darauf, dass es Gemeinschaftsräume gibt, in denen der Kontakt auch mit der Außenwelt, den Angehörigen und Freunden gepflegt werden kann. Aber auch Videokonsole ("in unserem Zockerraum" so Holzapfel) und andere moderne Ausstattungen wird es geben. Um die eigenen Ansprüche an gute Pflege umsetzen zu können, bedarf es natürlich geeigneten Personals. "Wir wissen, dass es derzeit zu wenige Pflegekräfte gibt und auch, dass es sicher so sein wird, dass Pflegepersonal, das bei uns arbeiten möchte, woanders fehlen wird. Aber wir werben niemandem aggressiv Personal ab und verteilen Flyer vor anderen Einrichtungen", verspricht Holzapfel. Und sein Chef betont, dass die Frustration bei den Mitarbeitern der Pflege oft im zu geringen Personalbesatz liegt und nicht zwingend in schlechter Bezahlung.
Man wolle bewusst auch Mitarbeiter rekrutieren, die seit einiger Zeit genau deshalb aus der Pflege abgewandert seien. Dazu käme der Anspruch, auch selbst auszubilden. Man rechnet mit etwa 90 Mitarbeitern zum Start des Betriebes, Ende dieses, Anfang kommenden Jahres. Perspektivisch will man etwa 110 Mitarbeitern nicht nur Lohn und Brot sondern auch gescheite Arbeitsbedingungen bieten. Um Interessenten zu finden, die über die bereits vorliegenden rund 25 Initiativbewerbungen hinaus beim neuen Campus ihre berufliche Zukunft sehen könnten, wolle man am 13. Juni im Hotel Alexandra zu einem Bewerberbrunch einladen, um ins Gespräch zu kommen. "Es hat sich in ersten Bewerbergesprächen heraus gestellt, dass vor allem die Tatsache attraktiv ist, dass die Mitarbeiter an diesem Projekt noch mitgestalten können. Auch wir lernen jeden Tag dazu und freuen uns über jeden Input", betont Sebastian Thieswald.
Auch die Frage nach dem Thema Geldverdienen beantwortet der geschäftsführende Gesellschafter der Aspida GmbH recht freimütig. In seiner Pflegeeinrichtung in Thalbürgel in Thüringen - so bekräftigt er - habe er beispielsweise einen Umsatz von 3,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet - bei einem Vorsteuergewinn von 40.000 Euro. Es gehe eben nicht nur ums Geld, sondern darum, etwas Neues zu schaffen - orientiert an den Bedürfnissen der hier betreuten Menschen.