Wladimir Kaminer bringt Plauener zum lachen

Plauen - "Ich muss jetzt aufhören zu lachen. Sie sind aber ein lustiges Publikum", grinste Wladimir Kaminer und presste sich mit der Hand die Mundwinkel zusammen. Bei seiner Lesung am Donnerstagabend in der Plauener Festhalle blieb dem Berliner Schriftsteller gar nichts anderes übrig, als irgendwann mit zu lachen, denn der von Zuhörern gut gefüllte kleine Saal brach bereits in den ersten Minuten fast zusammen.

 

Man schlug sich auf die Hände und Schenkel, schmiss die Köpfe in den Nacken und das Gelächter ging wie eine Laola-Welle von rechts nach links, von links nach rechts und von vorn nach hinten.

In Moskau ist Kaminer 1967 geboren, lebt seit 20 Jahren wieder in Deutschland. Als Schriftsteller und Kolumnist wurde er mit seinen Erzählbänden weit über die Grenzen des Landes bekannt. Aus einem Teil seiner mittlerweile 16 Bücher las er Passagen und unterhielt auch mit seinen Überleitungen im Zwischenteil nicht minder gut. "Ob Russendisko?, ?Militärmusik?, ?Karaoke?, ?Salve Papa!? oder ?Mein Leben im Schrebergarten, alles handelt von den gleichen Leuten. Mein Verlag hat es nur noch nicht kapiert und druckt die Bücher immer in anderen Farben", witzelt er.

 

Seine Geschichten sind aus dem Leben gegriffen, besonders die Schule seiner Kinder liefere immer wieder neuen Stoff. Deshalb flossen auch fast Lachtränen, als er erzählte warum sein Sohn ein Attest gegen das Sezieren von Würmern bekam und er selbst den Samowar-Buddhismus lebt. Doch eigentlich fasziniert ihn immer wieder die Frage, was ist typisch deutsch? Angefangen beim schlechten Wetter, "seit Kachelmann sitzt, gibt es ja kein Wetter mehr" bis hin zum Rhabarber in Gartenanlagen lässt er keine Klischees aus.

Wer als Erwachsener einen jungen Menschen nach der Schule fragt, könne doch gleich einen Knastbruder fragen ob er gerne Reiseprospekte anschaut oder wie Rollstuhlfahrern Sex im Stehen gefällt. Der Saal tobte und stand in der Pause Schlange am Bücherstand der Thalia-Buchhandlung, wo Kaminer persönlich die erworbenen "Schätze" signierte.

Begeisterung pur bei Leuten die ihn schon kannten und denen die es jetzt tun. Wer einmal lacht, der wird nicht mehr aufhören können und wohl nach und nach jedes seiner Werke verschlingen, immer im Ohr seinen Dialekt. sr