Wissen, was wie wächst

Wintergerste, Raps, Ackerbohnen: Die Körner von 150 Sorten Getreide und Leguminosen liegen abgezählt im Boden - auf 600 Minifeldern. Wie sie gedeihen, gibt Bauern des Vogtlands wichtige Hinweise, was wann wo wie angebaut werden sollte.

Pöhl/Christgrün -  "Um ein paar Beispiele zu nennen: Von Winterweizen haben wir 32 Sorten gesät, von Wintergerste 23, von Roggen 12. Nur der Mais muss noch gedrillt werden: Wir säen 25 Sorten", sagt Sylvia Neuber (48), die Chefin der Versuchsstation Pflanzenbau Christgrün an der Talsperre Pöhl. "Damit haben wir in dieser Woche angefangen."
Dabei kommt der neue Spezialtraktor mit GPS-Ausrüstung zum Einsatz: "Damit können wir die Samen zentimetergenau ausbringen. Früher sind wir mit dem Maßband losgerannt - jetzt können wir die Daten vom Computer auf den Traktor überspielen."
Das Saatgut jeder Sorte wird auf vier Parzellen ausgebracht, jede ist 1,5 mal 8 Meter groß. "Die Parzellen grenzen nicht aneinander, um Fehlerquellen auszuschließen", erklärt Frau Neuber und fügt hinzu, dass die Erträge ausgewertet werden und als Empfehlungen an die Bauern gehen. Wichtige Infos gewinnen die Fachleute auch von weiteren 150 Parzellen, auf denen Versuche mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln laufen, wo der Einsatz auf das notwendige Maß im Sinne des Umweltschutzes begrenzt werde.
Wie Versuchstechniker (und Neubers Stellvertreter) Christopher Schulz (30) ergänzt, machen sich die Landwirte der Region ein eigenes Bild zum Feldtag, wenn Christgrün einen Ansturm erlebt. "In diesem Jahr laden wir am 27. Juni dazu herzlich ein."
Christgrün (samt Außenstelle im erzgebirgischen Forchheim) gehört zu den sechs Versuchsstationen und Prüffeldern in Sachsen. Damit gewinnt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Erkenntnisse, wie bestimmte Sorten unter bestimmten klimatischen Bedingungen und auf verschiedenen Böden gedeihen. Schulz: "Hier im Vogtland haben wir Vorgebirge und Verwitterungsboden, Nossen liegt beispielsweise im Sächsischen Löß- und Hügelland und Pommritz bei Bautzen repräsentiert einen typischen Löß-Standort in Ostsachsen. 
Die meisten der ausgesäten Sorten seien Neuentwicklungen der vergangenen drei Jahre. "Mancher Landwirt will und muss aber auch alte Sorten anbauen, wenn der Kunde das wünscht. Das kommt häufig bei Braugerste (für Brauereien) und Brotweizen (für Mühlen) vor", erläutert Frau Neuber, eine Staatlich Geprüfte Technikerin für Landwirtschaft.
Wie sieht es mit dem Wetter aus? Frau Neuber zufolge war 2018 ein sehr trockenes Jahr. "So trocken, dass unser Raps nicht aufgegangen ist, den wir im August in den Boden gebracht haben. Jetzt geht es schon wieder relativ trocken los: Ein bisschen besser als im vergangenen Jahr, aber die Defizite an Bodenfeuchte über den Winter sind noch nicht ausgeglichen."l ufa