Wissen im Doppelpack

Wenn Lars Buchmann etwas anpackt, dann betritt er oftmals Neuland. Das war so als erster Kindergärtner in Plauen und ist heute so mit einer gigantischen Sammlung von historischen Fotos seiner Heimatstadt. Und mit Stadttouren und einem Zeitstrahl zur Wende geht die Suche nach dem Besonderen weiter.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Frag doch mal Lars Buchmann." Dieser Tipp ist Goldwert, wenn man etwas über Plauen erfahren möchte. Immerhin hat der 39-Jährige, der vor 17 Jahren in der "Knirpsenburg" als erster Kindergärtner Plauens arbeitete und seit acht Jahren Horterzieher in der Rückertschule ist, eine riesige Sammlung historischer Ansichtskarten und Fotos seiner Heimatstadt. Und diese teilt er auch gern mit der Gruppe "Wir sind Plauener", für die er seit sieben Jahren bei Facebook eine Seite betreibt. "In der Gruppe sind wir rund 12 500 Mitglieder, der Großteil - rund 8000 - sind Plauener oder solche, die für Plauen schwärmen. Unser ältestes Mitglied ist Herbert Riedel, der 1930 in Plauen geboren ist, in den 50er Jahren nach Amerika auswanderte, dessen Herz aber noch immer für seine Geburtsstadt schlägt. Er kennt Plauen von früher, kann viel erzählen und hat über das Internet neue Kontakte geknüpft. 1980 war er noch einmal in Plauen und dann nie wieder. Aus gesundheitlichen Gründen geht es jetzt auch nimmer. Aber unsere Gruppe hilft ihm, sein Heimweh zu mindern", erzählt Lars Buchmann. 

Wir sind Plauener

Der leidenschaftliche Sammler, der rund 5500 Ansichtskarten aus Plauen und den eingemeindeten Orten besitzt, die er nach Straßennamen und Gebäuden sortiert habe, testet die Gruppe gern mit Quiz-Fragen "Wo ist was?" Die meisten Karten besitzt der 39-Jährige aus der Zeit von 1898 bis 1945. "Aus dieser Zeit habe ich auch rund 1500 Fotos - darunter auch Dias und etwa eine anderthalbe Stunde Material auf 8 Millimeter Schmalfilm", sagt Lars Buchmann und auch, dass er von Anfang an seine Sammelobjekte mit anderen teilen wollte: "Ich möchte nicht, dass die Ansichten in Archiven verschwinden, sondern auch die Geschichten dazu erfahren und erzählen."
 Doch auch für das Alltagsgeschehen ist die Gruppe offen. Derzeit hat Lars Buchmann einen Aufruf an die Stadtratkandidaten gestartet, sich den Mitgliedern von "Wir sind Plauener" vorzustellen: "Manche haben auch Angst, fürchten Kommentare, wie sie leider auch oft unter der Gürtellinie geführt werden. Wobei ich diese nicht nur verachte, sondern auch blockiere, denn unter der Gürtellinie red ich nicht."
 Über die Facebook-Gruppe kennen gelernt habe er Lars Gruber. "Er ist der, der alles über Plauen weiß. Ist der 'Larsi Pedia‘", erzählt Lars Buchmann und auch, das sein Namensvetter viele Bücher liest und sich auch alles merke: "Anders als ich", lacht er. Gemeinsame Ausstellungen unter dem Thema "Gestern und heute", sowie Stadtrundgänge zu historischen Orten runden die Leidenschaft beider ab. Hinzu kommen Kalender zum gleichen Thema sowie neuerdings eine Anfrage, an einem Ansichtskartenbuch mitzuarbeiten.
 Übrigens: Bei den Führungen an historischen Orten wie kürzlich in Waldfrieden und vom Bahnhof bis zum Tunnel, verlangen Lars und Lars kein Geld. "Wir sagen vor dem Start, dass wir Plauener Vereine unterstützen wollen und haben eine Spendenbüchse dabei. Da kann jeder geben, was er möchte", sagt Lars Buchmann und verrät, dass weitere Touren in Planung sind: "Zuerst waren es Freunde, die wir anhand von alten Bildern auf solche Streifzüge mitgenommen habe. Dann hatte sich das herumgesprochen und nun werden die Touren sehr gut angenommen. Von Jung bis Alt ist alles dabei und wirklich interessiert." Die ersten 110 Euro gingen jetzt an die Mitmachwerkstatt "Sternenlabor".

Idee für 900-Jahrfeier

 Die beiden Plauener, der Erzieher und der Eisenbahner, haben inzwischen schon die 900 Jahre Plauen im Blick, die 2022 gefeiert werden. "Eine solche Jahrfeier ist es etwas einmaliges, sie muss man zelebrieren. Der Plauener ist ja stolz auf seine Stadt, er liebt sie, auch wenn er viel meckert. Wer reist kann vergleichen und sehen, wie schön er es hat", so Lars Buchmann. Die beiden Lars möchten nicht nur eine Führung zu den Anfängen Plauens organisieren, sondern auch ihre Filme und Bilder zeigen. "Wenn man alles noch besonders präsentiert, beispielsweise an eine großen Hauswand in einer Dauerschleife und mit Musik unterlegt, dann findet so ein Vorführung noch größere Aufmerksamkeit", meint Lars Buchmann. 

Wende-Zeitstrahl

In diesem Jahr steht erst einmal ein anderes Jubiläum im Mittelpunkt: 30 Jahre Mauerfall. Und dafür haben Lars Buchmann und Lars Gruber für den Verein "Vogtland 89" die Wendezeit im Internet erlebbar gemacht. Von der Aufdeckung des Wahlbetrugs im Mai 1989 über die 22 Großdemonstrationen ab 7. Oktober bis zur ersten freien Wahl im März 1990 sind die Ereignisse der Zeitgeschichte als multimedialer Zeitstrahl im Internet erlebbar. "Wir haben bereits 85 Beiträge mit Fotos, Dokumente und Videos zu einer eindrucksvollen Reise in die jüngere Geschichte zusammengestellt. Bis zu 500 Beiträge hätten Platz", appellieren die beiden Plauener an weitere Mitstreiter, ihre 1989 und 1990 gemachten Bilder, Videos und eigene Erlebnisse dem Verein "Vogtland 89" für die Plattform zur Verfügung zu stellen. Der Zeitstrahl, der kostenfrei auf der Website genutzt werden kann, sei auch ein Angebot an Lehrer, die im Unterricht dieses Thema behandeln. 
Und auch zum 60. Spitzenfest haben Lars Buchmann und Lars Gruber sich gemeinsam mit dem Dachverband Stadtmarketing etwas einfallen lassen: "Wer die Bahnhofstraße vom Albertplatz bis zum Tunnel entlang bummelt kann anhand großer Foto-Poster sehen, was früher in den 1920er Jahren in den Häusern an Geschäften zu finden war und wie sie von außen aussahen. Etwa 20 Bilder werden wir in den Schaufenstern für 14 Tage ausstellen. Danke an die heutigen Besitzer, dass sie mitmachen." Führungen sind auch geplant.
Die Beschäftigung der jüngeren Plauener mit ihrer Heimatstadt liegt dem Erzieher Lars Buchmann sehr am Herzen: "Mit Viertklässlern habe ich einen Film erstellt, wie es vor dem Krieg und während dessen in Plauen aussah. So entstand ein 45minütiger Streifzug durch die Plauener Geschichte, der mit einer Führung an historische Orte abgerundet wurde. Ich versuche immer wieder, Kinder von ihrer Stadt zu begeistern und es gibt wirklich viele Mädchen und Jungen, die interessiert sind. Leider fehlt für weitere Projekte die Zeit und auch das Personal. Schade eigentlich. Wer Plauen so liebt wie ich es tue, der möchte auch nicht weg. Zwei Jahre war ich während der Ausbildung in der Fremde. Die haben gereicht", sagt er: "Verreisen ist schön, wiederkommen noch viel schöner."