Wisenta-Wasser: Warum wird es knapp?

Der Ortschaftsrat lässt nicht locker: Das Landratsamt soll dem Vorwurf nachgehen, ob dem Mühltroffer Flüsschen illegal Wasser entnommen wird.

Warum führt die Wisenta in Mühltroff so wenig Wasser? Aus Sicht des Landratsamtes ist der Wasserstand vergleichbar mit dem in anderen Gewässern des Vogtland- sowie Saale-Orla-Kreises, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung.
Dabei hat der Ortschaftsrat nach eigener Darstellung etliche Hinweise, dass Wasser aus der Wisenta abgepumpt wird, obwohl es offiziell verboten ist - sowohl in Sachsen, als auch in Thüringen. Um die Vorwürfe zu klären, werde es eine gemeinsame Wasserschau der Unteren Wasserbehörde des Vogtlandkreises und des Ortschaftsrates geben, teilt das Landratsamt mit. In einer Pressemitteilung wird betont, dass die Untere Wasserbehörde "bisher auf alle bekannt gewordenen Entnahmehinweise reagiert" habe.
Genau das bezweifelt Mario Taubner-Wude, der Vorsitzende des Ortschaftsrates. "Mitte Mai hatte ich erneut ein Verbot der Wasserentnahme angeregt. Ich habe keine Rückmeldung bekommen und nach meiner Kenntnis auch die Stadtverwaltung nicht, die den Hinweis an das Landratsamt weitergegeben hatte."
Taubner-Wude hat nach eigenem Bekunden daraufhin Bürgermeister Michael Pohl erneut für das Thema sensibilisiert. Dessen Telefonat habe ergeben, dass die Untere Wasserbehörde nichts plane. "Als sich danach die Presse für die Wasserknappheit interessierte, hat die Wasserbehörde am 28. Juli doch ein Entnahme-Verbot erlassen. "Ein Schelm, der Böses dabei denkt..."
Wie Taubner-Wude berichtet, hat er dem Landratsamt illegale Wasserentnahmestellen in der Wisenta gemeldet. "Das Amt ließ wissen, dass man die Entnahme per Antrag legalisieren könne."
Daraufhin wandte sich der Chef des Ortschaftsrates an die Höhere Wasserbehörde Sachsens in Dresden - und erneut an die Presse. "Mit unserem Bürgermeister Pohl als treibender Kraft kam es dann am 5. August zu einem Vor-Ort-Termin mit allen Verantwortlichen."
Taubner-Wude zufolge wurde dabei deutlich, dass die vogtländische Wasserbehörde auf dem Hohen Ross sitzt. "Sie sei Außenstehenden keine Rechenschaft pflichtig, müsse keinem sagen, wie sie arbeitet. In meinen Augen ist es genau anders herum: Das Amt muss ein Dienstleister für uns Vogtländer sein", sagt Taubner-Wude, der auch das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in die Pflicht nimmt. Auch auf Thüringer Seite gebe es illegale Wasserentnahme. "Wir bleiben dran an dem Thema. Wenn sich nichts tut, dann planen wir einen Sternmarsch in Richtung Schweinemastanlage bei Unterkoskau." Uwe  Faerber