Wirrwarr um Autorenrechte

Die Künstlerin hat ihr Lebenswerk und die Rechte daran 2008 an die Stadt Oelsnitz übertragen. Sie erhält dafür auf Lebenszeit eine monatliche Leibrente. Die umfangreiche Sammlung soll im künftigen Museum für Illustrationskunst auf Schloss Voigtsberg ausgestellt werden.

Die hoffnungsvolle Zusammenarbeit von Regine Heinecke mit dem Projekte-Verlag Cornelius zerbrach. Zunächst schien alles in Butter. Im Juni vergangenen Jahres stellte der Verlag in einer Autoren-Lesung im Fürstensaal eine neue Ausgabe des in der DDR erschienenen Buches "Die Sorgen des Teufels" unter dem Titel "Der Sänger im Schnee" vor. Nach den Satire-Märchen von Dieter Mucke, illustriert von Regine Heinecke, sollten weitere Bücher mit Illustrationen der Künstlerin neu herausgegeben werden, wie Verleger Cornelius Hahn ankündigte.

Geplant waren der Jahreskalender "Das tapfere Schneiderlein" und das gleichnamige Kinderbuch mit den Repros der Künstlerin als Auftakt für die Reihe "Das schöne Bilderbuch". Den Kalender hielt Frau Heinecke rechzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Händen, doch nur wenige Exemplare kamen in Umlauf. Wie die Bobenneukirchnerin erzählt, wurde der Andruck eingestellt. Der Verlag zog sich aus dem Projekt zurück. Was war geschehen? Die Stadt Oelsnitz hatte den Verlag für die Einholung des Copy-Rechts an die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst in Bonn verwiesen. "Diese Verwertungsgesellschaft, welche auch in der Vergangenheit für Frau Heinecke die Rechte gewahrt hat, hat auch von der Stadt Oelsnitz die Befugnis, über die Verwertungsrechte zu entscheiden", heißt es im Schreiben der damaligen Hauptamtsleiterin.

Für den Herausgeber der Verlags-Edition, den Schriftsteller Manfred Jendryschik, war das eine "Falscheinschätzung", wie er Frau Heinecke in einem Brief mitteilt. Die Verwertungsgesellschaft habe lediglich das Recht von Werken, die bereits erschienen sind, "spätere Nachdrucke aufzuspüren und dafür Honorar einzufordern". Der Vorgang deute daraufhin, "dass die Stadt sich selbst entmachtet hat und hinter dem Rücken Heineckes die Rechte veräußert beziehungsweise verschenkt hat..."

Dem widerspricht stellvertretender Bürgermeister Mario Horn. Die Stadt habe die Rechte nicht verkauft, alles sei beim Stand wie gehabt. Warum die Rechte-Situation für die Neuerscheinungen der Bücher Heineckes nicht geklärt werden konnte, vermag auch er bisher nicht zu beantworten. Er sei noch mitten in der Recherche.

Den Unklarheiten wollte sich der Projekte-Verlag nicht weiter aussetzen und stellte die Zusammenarbeit ein. Die Herausgabe des Märchenbuches unterblieb. "Schade", bedauert Regine Heinecke, "die Stadt hat Zeit und Geld verloren".

Die Frage der Werk-Herausgabe und die Zusammenarbeit mit Verlagen tangiert auch das künftige Museum für Illustrationskunst. Seine Konturen nehmen Gestalt an.

Die Arbeitsgruppe mit der Künstlerin und den Museumsgestaltern Gerd Naumann und Jürgen Hohmuth hat ihre Arbeit aufgenommen. Dazu liege ein mündlicher Auftrag von Vize-Bürgermeister Horn und Stadtmarketing-Geschäftsführer Daniel Petri vor, berichtet die Künstlerin. Neben dem Rittersaal und der angrenzenden Weberstube als Ausstellungsräumen werden sich Figurinen von Gestiefeltem Kater, Tapferem Schneiderlein, Zwerg Nase ....bei einem "Spaziergang durch das Schloss der 1000 Bilder" ziehen. Thema ist auch das Buch der Bücher, die Bibel: "Am Anfang war das Wort". Dessen Beziehung zum Bild will das Museum für Illustrationskunst zeigen.

"Es soll ein lebendiges Museum werden, wo auch die Kinder Spaß haben", steckt Frau Heinecke das Ziel ab. Bücher, Postkarten, Briefmarken, Poster, Jahreskalender, Bilderbögen - die teils neu herauszugeben wären - sollen die Sammelleidenschaft für die künstlerische Illustration wecken.