Winterschlaf zu Frühlingsbeginn

Das öffentliche Leben steht vielerorts so gut wie still - das ist in Klingenthal nicht anders. Eine Momentaufnahme.

Es herrscht in der Stadt geradezu gespenstische Ruhe. Gähnende Leere. Montagmittag etwa auf dem Parkplatz vor dem Gasthof zum Walfisch in Zwota, der üblicherweise meist gut belegt ist. Doch jetzt ist hier Schicht im Schacht, das Gasthaus ist geschlossen. Ein echter Schlag ins Kontor, denn mit sämtlichen Saalveranstaltungen, die von Reisebüros ebenfalls sehr gern gebucht werden, hat es sich genauso erledigt. Jüngst musste die außerordentlich beliebte Veranstaltung "Jürgen Just begrüßt Freunde" ausfallen. Und so bleibt Walfischwirt René Goram nur die Hoffnung, dass sich die Lage in Sachen Corona-Virus bald wieder entspannt.
Untätig ist die Walfisch-Mannschaft dennoch nicht. Kräftig angepackt wurde trotzdem - wenn auch anders als womöglich gedacht. Mittlerweile wurde der Teich abgelassen und das südliche Ufer mit Betonformsteinen saniert und zugleich der Weg zum Biergarten und zur Minigolfanlage mit frischem Splitt aufgefüllt. Zum Publikumsmagneten "Hammerspektakel" am 1. Mai soll alles picobello aussehen. Doch keiner weiß, was bis dahin wird…
Ein Bild wie am Sonntag vor der "Stadthalle". Alle Geschäfte verriegelt. Einzig ein paar Aufsteller vor dem Markgrafen-Getränkemarkt zeigen, dass dieser noch geöffnet ist. An der Kasse ein Bild wie am Fahrkartenschalter. Große Plexiglasscheiben verhindern Anhusten oder Anniesen, zum Bezahlen gibt es darunter eine Öffnung. Marktleiter Stefan Beck ist froh, dass der Umsatz bisher in etwa konstant ist. Die Zahl der Kunden sei zwar etwas gesunken, doch die kauften dafür mehr.
Ein eher übliches Bild um die Mittagszeit dagegen auf dem Parkplatz vor dem Lidl-Markt, wo allerdings eine Mitarbeiterin als "Empfangskomitee" fungiert und auf Wunsch die Hände mit Desinfektionsmittel einsprüht. Und im Markt selbst sind die Verkaufsgitterboxen mit der Angebotsware anders gestellt, so dass sich keine "Menschenbatzen" bilden können.
Unter Berücksichtigung der momentanen Umstände herrscht in gewisser Weise Normalität in der Weltmeister Akkordeonmanufaktur - noch. Die Auftragsbücher sind gefüllt und es gehen auch ständig Neubestellungen ein, was mit der aktuellen Entspannung der Lage in Asien zu tun hat. Man könnte im wahrsten Sinne des Wortes liefern wie ein "Weltmeister", wenn es nicht Lieferengpässe insbesondere aus Italien gäbe, von wo etwa Stimmplatten kommen. Und so ist erst einmal Halbtagsarbeit für die nächsten zwei Wochen angesagt. Mit tschechischen Mitarbeitern gäbe es keine Probleme, war Geschäftsführer Frank Meltke zumindest in einem Punkt froh. Die wären im Vertrieb tätig und würden mit dem Umweg über den Grenzübergang Schönberg einmal in der Woche im Betrieb weilen und den Rest im Homeoffice erledigen. Mit der Grenzschließung für Pendler ab Donnerstag wird aber wohl ein weiteres Problem hinzukommen.
Fazit: Auch in Klingenthal versucht jeder so gut wie möglich Normalität zu bewahren - in der Hoffnung, dass der ganze Spuk möglichst schnell vorbei ist. Helmut Schlangstedt