Winter im Vogtland: "Mit Salz sieht es schlecht aus"

Plauen - So langsam macht uns allen der Winter keinen Spaß mehr. Er hat das Vogtland fest im Griff und wird nach Ansicht der Meteorologen auch so bald nicht wieder loslassen.

 

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lassen ein Ende von Schnee und Eis in weite Ferne rücken. Stürze in Folge vereister Wege gehören deutschlandweit zum Alltag. Passanten und Winterdienst-Mitarbeiter sind gleichermaßen gefährdet. Vereiste Straßen und Wege bieten Rutschvergnügen gratis. Von Arbeitsunfällen sind die Winterdienst-Mitarbeiter des Städtischen Bauhofs sowie der Vogtlandkreisverwaltung jedoch bisher verschont geblieben.

Auch für die nächsten Tage werden frostige Temperaturen vorausgesagt, inklusive weiterer Schneefälle. Die Winterdienstler und die Technik des Stadtbauhofs der Stadt Plauen sind gewappnet. "Wir haben noch Winter. Und wenn es erforderlich ist, rücken wir aus", versicherte Bauhofleiter Jürgen Arzt. Allerdings werden die Straßen mangels Salz vornehmlich mit Splitt abgestumpft. "Mit Salz sieht es schlecht aus. Den kleinen Vorrat, den wir noch haben, müssen wir für extreme Fälle wie etwa auftretendes Blitzeis zurück halten."

 Schon als Tief "Daisy" noch in den Kinderschuhen steckte, hat die Stadt Auftausalz nachbestellt. "Nicht mal ein Drittel der Menge haben wir bekommen." Und das trotz langfristiger Verträge mit den Lieferfirmen und streng festgeschriebener Liefertermine. Die Folge der Vertragsverletzungen wird nach Einschätzung von Arzt sein, dass die Salzlieferungen dieses Jahr neu ausgeschrieben werden.

"Wenn wir jetzt nicht beliefert werden, werden wir von dieser Firma bestimmt auch nicht das preiswertere Sommersalz beziehen", mutmaßte der Bauhof-Chef. Zu den Kosten konnte er noch nichts sagen. Der Materialeinsatz dürfte nicht allzu sehr angestiegen sein, schließlich werde ja kein Salz geliefert. Eine Kostensteigerung sieht er bei den Einsatzkosten, insbesondere durch das Hinzuziehen von Fremdfirmen, auf die Stadt zukommen.

Auch bei der Immobilienservice Plauen GmbH (ISP) ist man im Einsatz. Neben eigenen oder verwalteten Fremdobjekten übernehmen die Mitarbeiter der Bereiche Hausmeister und Stadtgrün den Winterdienst auch für städtische Flächen. So unter anderem im Ortsteil Jößnitz, einige Straßen in Chrieschwitz und den Hauptfriedhof. "Wir haben konkrete Ablaufpläne für den Winterdienst erstellt. Die Mitarbeiter wissen genau, wo die Prioritäten beim Räumen und Streuen liegen", informierte Renate Reuter, Abteilungsleiterin Stadtgrün bei der ISP.

Im ständigen Wechsel teilen sich sieben Leiter die Verantwortlichkeit für die Einsätze. Der jeweils Verantwortliche entscheidet, ob und wann die fünf maschinellen und einige manuelle Bereitschaften auf die Touren geschickt werden.

Auch hier: Auftausalz kommt so gut wie nicht zum Einsatz. Insbesondere wegen der Vorschriften der Stadtsatzung und weil keines vorhanden ist. Schließlich erhält die ISP ihr Salz vom Stadtbauhof. Reuter lobt die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der ISP. "Wenn es irgendwo Probleme oder Engpässe gibt, helfen wir uns gegenseitig. Das hat bisher prima geklappt."

 

Auch im Vogtlandkreis konnten in den vergangenen Tagen die Einsatzfahrzeuge zunächst reduziert werden - bis der große Schnee kam. "Nun stehen wieder bis zu 40 kombinierte Winterdienstfahrzeuge zur Verfügung", informierte Michael Auerbach, Amtsleiter für Straßenunterhalt und Instandsetzung zur Einsatzbereitschaft. Am Einsatz von Salz wurde insbesondere wegen verzögerter oder ausbleibender Nachlieferungen gespart. Derzeit stehen noch 2000 Tonnen Auftausalz bereit. Schon nach der Abrechnung des Monats Januar kann eingeschätzt werden, dass die Winterdienstkosten heuer um einiges höher als im Vorjahr sein werden. Nach vorläufigen Zahlen belaufen sich die Januar-Kosten auf 440 000 Euro. Das sind 130 000 Euro mehr als im Vergleichszeitraum 2009.

Besonders bedenklich machen die durch die lange Frostperiode entstandenen Fahrbahnschäden. "Unter Beachtung der Witterung werden Gefahrenstellen schon jetzt mit Kaltmischgut beseitigt", so Auerbach. Allerdings sei diese Art der Reparatur nur zeitlich begrenzt haltbar, so dass bei günstiger Witterung eine erneute Reparatur mit Heißmischgut erfolgen müsse. va