Willy Preiß will die Quote verbessern

Erlbach  - Männer als Erzieher in Kitas sind rar. Nur 1,4 Prozent von rund 23 000 Kita-Mitarbeitern in Sachsen sind männlich. Willy Preiß will die Quote verbessern.

 

Willy, holt den Tiger und ist schon umringt von mindestens zwölf Kegelberg-Wichteln. Sofort begibt sich der 19-Jährige auf Augenhöhe, um der getigerten Handpuppe Leben einzuhauchen, die mit den Kindern "spricht". Gesundes Pausenbrot ist zur Zeit das Thema. Das zeigt Wirkung. "Die Minis lehnen dann schon mal zu Hause die Schokolade ab", lacht Willy und findet es gut, frühzeitig darauf zu achten, nicht zu viel der ungesund süßen Lebensmittel in sich hineinzustopfen. Schön scharf und fest werden des Tigers Zähne, wenn er auch die knusprige Rinde vom Brot isst.

Doch auch nach der gesunden Kost ist Zähneputzen angesagt. Willy gibt Hilfestellung und drückt auf die Tube. Vor der Spiegelwand zeigen die Zwerge ihre sauberen Zähne. Willy fühlt sich wohl in all dem Gewusel und fröhlichem Lärm. Den Kleinen geht es umgekehrt genauso. Purzelt der kleine Alfred unsanft an eine Ecke, nimmt der große Willy ihn tröstend auf den Arm. Doch auch wenn der 19-Jährige einmal ordnend eingreifen muss, zeigen die Kegelbergwichtel Respekt.

"So muss das auch sein", lobt Kindergartenleiterin Mandy Braun. Klar ist sie froh, dass männliche Verstärkung nachrückt. Wohin es Willy allerdings einmal verschlägt, ist noch ungewiss. Denn erst im Sommer hat der Erlbacher den Abschluss als Sozialassistent in der Tasche. Die Ausbildung absolviert er am Berufsschulzentrum Anne Frank in Plauen. Danach folgt die dreijährige Ausbildung als Erzieher.

Erzieher will Willy werden, weil er mit Kindern einfach gut kann. Ob es auch an den Eltern gelegen hat, die beide als Erzieher im Kinderheim "Tannenmühle" arbeiten? "Nee", findet Willy, "aber vielleicht sind es ja doch irgendwie die Gene", lacht er verschmitzt. Für ein Praktikum in der Erlbacher Kita hat er sich schon in der Schulzeit entschieden. "Willy war für die Kleinen der Schwarm", lächelt Leiterin Mandy Braun, die Willy unter ihre Fittiche genommen hat. Wenns um den ganzen "Schriftkram" geht, muss sie dem Willy manchmal bisschen auf die Sprünge helfen. "Jungs sind da eben anders als Mädchen", weiß die erfahrene Erzieherin.

Wie finden übrigens Willys Freunde diese Berufswahl? "Mein bester Freund Toni wird Altenpfleger. Und auch die anderen Freunde finden?s voll in Ordnung, was ich mache", ist der Erlbacher überzeugt, zu dessen Hobby Fußballspiel und Skifahren gehört.An seinem künftigen Beruf gefällt Willy besonders die Abwechslung. "Hier ist kein Tag wie der andere. Die Kinder stecken voller Neugier und Überraschungen. Darauf freue ich mich an jedem Tag neu", bringt es Willy auf den Punkt. Inzwischen kommt Tara angetänzelt. Nase putzen? Willy macht das schon. Merlin hält demonstrativ seinen Joghurtbecher hin. "Ausputzen?", fragt Willy und über das Gesicht des Knirpses breitet sich ein Lächeln.

Dann wird der Tiger schlafen gelegt. Für die Rasselbanden heißt es warm einpacken und raus an die frische Luft. Klar doch macht der Willy Schuhe zu, zieht Mützen über Ohren, stopft Handschuhe fest, genau wie ein großer Bruder.  Marlies Dähn