Wilde Jagd und Schüsse in Plauen

Die Schüsse, die Anwohner in der Nacht zum Samstag im Chrieschwitzer Hang hörten, wurden nicht in einem spätabendlichen Fernsehkrimi abgegeben. Die Verfolgungjagd spielte sich vor ihren Häusern ab.

Plauen - Die Uhr läutet die letzte Stunde des Tages ein, als es an der Wohnungstür eines 17-Jährigen in der Bismarckstraße klingelt. Doch es handelt sich nicht um den Pizza-Service und gleich gar nicht um gute Freunde, die noch auf ein Glas Bier vorbeikommen wollen. Denn die Besucher warten das Öffnen der Tür nicht erst ab - die vier Maskierten treten sie ein.

Bewaffnet sind sie mit Schlagstock, Schlagring, Messer und sogar einer Pistole. Mit derlei "Argumenten" ausgerüstet und auch noch die Fäuste "sprechen" lassend, nehmen sie dem jungen Mann und zwei weiteren, die sich ebenfalls in der Wohnung aufhalten, zwei Handys, eine Playstation sowie 140 Euro Bargeld ab. Anschließend flüchteten sie mit einem Pkw Mazda.

Was sich dann "im Hang" abspielte, dürfte noch eine Weile für Gesprächsstoff sorgen. Die Beamten, die von Anwohnern umgehend informiert worden waren, befanden sich kurze Zeit später vor Ort und begannen die Fahndung. Augenzeugen sprechen von einer Verfolgungsjagd, die schließlich auf der Schinkel-Straße ihr Ende findet. Der Mazda wird gestoppt.

Die vier Insassen, die während der Flucht noch versucht hatten, einen Teil ihrer Beute aus dem Fenster zu entsorgen, flüchten in verschiedene Richtungen. Laut vernehmlich in der nächtlichen Ruhe, fordern die Beamten die Flüchtenden zum Stehenbleiben auf - die leisten keine Folge, es fallen drei Warnschüsse, wie es im Polizeibericht heißt.

Augenzeugen zufolge wird noch ein Täter in der Schinkel-Straße erwischt und festgenommen. Während der wilden Hatz kommt auf beiden Seiten Pfefferspray zum Einsatz. Laut Polizeibericht wird dabei ein Beamter leicht verletzt, allerdings soll auch einer der Täter über starke Augenschmerzen geklagt haben.

Teil der Beute wird sichergestellt

Zwischenzeitlich ziehen sich die Polizeikräfte auf der Suche nach den weiteren Tatverdächtigen an der naheliegenden Diskothek zusammen und überwachen alle Ein-und Ausgänge. Wenig später kann zunächst ein zweiter, dann auch die restlichen Täter gestellt werden. Laut Polizei handelt es sich bei den Mazda-Insassen um Männer zwischen 20 und 28 Jahren.

Wie es weiter heißt, trugen auch die drei Geschädigten in der Wohnung in der Bismarckstraße leichte Verletzungen davon. Auf Nachfrage erklärte gestern ein Sprecher der Polizeidirektion Südwestsachsen, dass ein Teil der Beute zwar aus dem Fenster des Pkw geworfen wurde, die Flüchtenden das Bargeld aber natürlich zu sichern versuchten.

Alle Beteiligten "gute Bekannte" der Polizei

Nach ersten Untersuchungen handelt es sich sowohl bei den Geschädigten als auch den Tätern um Plauener, die sich kannten. "Wie man sich so kennt, wenn man in bestimmten Kreisen verkehrt", fügt der Sprecher an. Und sicher sei den vier Tätern so auch bekannt gewesen, wo sie nach ihrem Opfer zu suchen haben.

Bei der Polizei bekannt sind alle Beteiligten seit längerem, hieß es noch. Die ersten Ermittlungen der Kriminalpolizei sind abgeschlossen. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurden die Tatverdächtigen inzwichen auf freien Fuß gesetzt. va