Wie ein geölter Blitz

Auch in der Stadt erlebt man tierische Abenteuer, in Mühltroff zum Beispiel: Dort endete die Jagd eines Sperbers auf einen Star spektakulär.

Mühltroff - "Vermutlich haben wir den letzten Akt einer Greifvogel-Jagd miterlebt", sagt Thomas Graap, der mit seiner Ehefrau Heike in der Dammstraße in Mühltroff wohnt. Beide berichten, was sich Donnerstag, gegen 18 Uhr, innerhalb weniger Minuten ereignet hat:
Heike Graap verlässt kurz das Einfamilienhaus, um in den Schuppen zu gehen. Die Haustür steht einen Moment offen. "Als ich nach höchstens einer Minute zurückkehrte, lag ein toter Star im Haus auf der Treppe. Und in der Gardine des Flurfensters hing ein Sperber - kopfüber." Ehemann Thomas kommt hinzu und erkennt, dass Blutstropfen des Stars eine Spur nach draußen bildeten. Gut möglich, dass der Sperber den Star bereits tödlich verletzt hat und der - vergeblich - ins Haus der Graaps flüchtet.
"Der Sperber jedenfalls hing ein paar Sekunden bewegungslos in der Gardine, als wüsste er, dass er in einer Sackgasse steckt. Als würde er überlegen, wie er sich aus seiner ausweglosen Lage befreien kann", berichtet Graap. "Auch ich habe überlegt, wie ich ihm helfen kann. Dabei hatte ich Respekt vor dem Schnabel des Raubvogels. Würde er mich hacken, wenn ich näher komme? Doch als ich mich näherte, versuchte der Sperber zu flüchten, flog panisch gegen die Scheibe. Als ich das Fenster vorsichtig geöffnet hatte, flog er weg - wie ein geölter Blitz."
Das Ehepaar Graap ist sich einig, dass es ein besonderes Erlebnis war. "Wir kennen keinen, der so etwas schon erlebt hat."
Laut Buch "Wir bestimmen die Vögel Europas" von 1979 ist der Sperber ein kleiner wendiger Raubvogel, 28 bis 38 Zentimeter groß. Er jagt in gewandtem Flug kleinere Vögel, wobei er ab und zu gleitet, oft dicht über den Boden dahinfliegt und Hindernissen knapp ausweicht. Der Sperber kommt in ganz Europa vor und horstet auf Bäumen. ufa