Wetter und Klima im Blick

Unwetterwarnungen sind eine komplizierte Sache. "Sie sollten natürlich so zeitig wie möglich ausgesprochen werden, aber auch erst, wenn man relativ genaue Angaben machen kann", sagt Gerlinde Angerhöfer, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Am Freitag spricht sie in Reichenbach.

Reichenbach/Leipzig - Auswertungen meteorologischer Daten seit 1900 belegen: Unser Klima verändert sich. Die Folgen sind auch in Sachsen spürbar: Heiße Sommer mit Dürreperioden, Starkniederschläge mit Hochwasser und Überschwemmungen, schwere Winterstürme mit Schäden in Wäldern und Städten häufen sich in den letzten Jahren. Auswirken wird sich diese Entwicklung besonders auf die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. Durch Klimaveränderungen werden sich aber auch die Verbreitungsgebiete von Arten und Ökosystemen verändern. Jüngste Klimaprojektionen lassen eine sogar beschleunigte Fortsetzung dieses Trends bis zum Jahre 2100 erwarten.

Die Bewertung solcher Ereignisse und die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen haben deshalb eine große Bedeutung für alle Lebensbereiche. Gerlinde Angerhöfer ist Expertin in Sachen Wetter. Die diplomierte Meteorologin aus Leipzig nahm nach ihrem Studium an der Humboldt Universität Berlin 1974 ihre Arbeit beim Wetterdienst in Leipzig auf und arbeitet seither in den Bereichen Wettervorhersage und Klimadienst. Seit 1997 ist Gerlinde Angerhöfer Leiterin des Wissenschaftlichen Betriebsdienstes und seit 2010 zusätzlich Beauftragte für Feuerwehren und Hilfsorganisationen.

"Neben der Wettervorhersage ist eine weitere wichtige Aufgabe der Regionalzentrale Leipzig die Herausgabe von Unwetter- und Wetterwarnungen für die drei Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen", sagt Gerlinde Angerhöfer. Zum Symposium "Umweltkatastrophen - sind wir wehrlos?" des Vogtländischen Seniorenkollegs Reichenbach geht die Meteorologin auf die physikalischen Grundlagen des heutigen Wettergeschehens ein und stellt die verschiedenen Modellberechnungen vor auf deren Grundlage die Wettervorhersagen heute beruhen.

"Der Klimawandel wirkt sich regional sehr unterschiedlich aus", sagt die Wetterexpertin. "Der Anstieg der Jahresmitteltemperatur fällt zwar bei jedem Klimamodell etwas anders aus, aber zwei bis drei Grad bis 2100 scheinen als mittlere Werte am wahrscheinlichsten zu sein. Wärmer wird es zu allen Jahreszeiten, am deutlichsten aber steigt die Temperatur im Winter. Der Trend zu einer längeren Vegetationsperiode zeichnete sich bereits im Zeitraum 1991 bis 2005 ab", so Angerhöfer.

Begleitet wird diese Entwicklung von häufiger auftretenden Extremereignissen mit unmittelbaren Auswirkungen auf den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. "Um präzise und rechtzeitig vor drohenden Unwettern warnen zu können, hat der DWD bundesweit ein dreistufiges System, bestehend aus Früh- und Vorwarninformation sowie speziellen örtlichen, das heißt landkreisbezogenen Warnung eingerichtet."

Das Katastrophenschutzportal des DWD bietet für Berufsfeuerwehren, Leitstellen und andere Katastrophenschutzorganisationen mit der grafischen Darstellung von Wetterextremen am Standort eine effektive Hilfe zum Einsatz der Rettungskräfte. Auf dem Portal gibt es außerdem Informationen zur Wettergefahrenlage, die im Minutentakt aktualisiert werden.