Werda trauert um zwei Heimatfreunde

Werda trauert um zwei Männer, die die Ortsgeschichte der Einheitsgemeinde Werda/Kottengrün erhalten und gepflegt haben, Hans Gerbeth und Roland Ehrlich.

Von Sybille Güntzel-Lingner

Hans Gerbeth verstarb 89jährig am 25. Februar, Roland Ehrlich am 25. März im Alter von 79 Jahren. Für seine ortschronistische Arbeit, die er an die 60 Jahre ehrenamtlich geleistet hat, ist Hans Gerbeth allseits bekannt geworden. Mit Kamera und Notizblock hat er das Leben im Ort verfolgt, hat es aufgezeichnet, eine Chronik und Broschüren für Jubiläen, wie der 575- Jahrfeier 1996 in Werda, sowie Beiträge für die Werdaer Nachrichten verfasst. Selbst aktiv war Gerbeth in der Arbeitsgemeinschaft Drehturm, die er mit begründet hatte. Auch den Posaunenchor hat er in den 1940er Jahren mit aus der Taufe gehoben. Ihm hat Werda die Heimatstube zu verdanken, die er 1998 mit einer Gruppe von Heimatfreunden schuf. Er leitete sie bis 2004 und gab dann den Staffelstab an Roland Ehrlich weiter.
Der aus der Leipziger Gegend stammende Ehrlich hatte nach Werda geheiratet und war zum Vogtländer geworden, der sich für örtliches Brauchtum interessierte. Mit seinen regelmäßigen Ausstellungen in der Heimatstube schuf er für alle Interessierten aus Werda und den Umlandgemeinden eine wertvolle Anlaufstelle für die Historie des Ortes. Ehrlich recherchierte in Archiven und Kirchenbüchern. In Hans Gerbeth fand er einen Mitstreiter, der ihm seine Aufzeichnungen für die Ausstellungen zur Verfügung stellte. Anfangs war noch ein Dritter mit im Bunde, Günther Schädlich, der zu den Exponaten eigene Texte verfasste. Außerdem war er musikalisch aktiv. Er verstarb 2012.
Die Ausstellungen widmeten sich örtlichen Besonderheiten, wie der Zuckermännlebäckerei und dem Bau der Geigenbachtalsperre, sowie alten Gewerken, wie die der Müller, Schuster, Bauern, Brauern, Händlern und Gastwirten. Viele Exponate hat Ehrlich aus seinem Besitz beigesteuert, denn er war leidenschaftlicher Sammler alten Kulturgutes. Auch aus der Bevölkerung, die er motivieren konnte, kamen Gegenstände aus Dachkammern und Schuppen. Zudem war Ehrlich kreativ tätig. Er malte, schnitzte und bastelte. Seine Bilder. Drehtürme, Moosmänner und Paradiesgärten konnten bei den stets gut besuchten Ausstellungen bewundert werden. Eine Handvoll aktiver Heimatfreunde gingen Ehrlich zur Hand. Zum letzten Mal öffnete die Heimatstube im Dezember 2019 mit weihnachtlichen Exponaten. Roland Ehrlich hatte noch mitgewirkt, war aber schon von seiner Krankheit gezeichnet.
"Wir wollten im April wieder ausstellen, mussten aber wegen der Corona- Krise aufgeben", so Heimatfreund Michael Reinwarth. Geblieben sind nur noch vier Heimatfreunde, denen der Erhalt der Heimatstube am Herzen liegt. "Aber wir müssen mit unseren Kräften haushalten, aus Alters- und gesundheitlichen Gründen", gibt Reinwarth zu bedenken.
Indes geht es mit dem Erbe von Hans Gerbeth weiter. Die Pflege und Fortführung seines Werkes übernimmt sein Enkel Daniel Gerbeth. Der 45-Jährige hat sich von Jugend an für das Ehrenamt seines Großvaters interessiert und ihm assistiert. Er ist in diese Arbeit hineingewachsen und arbeitet seit der Wende aktiv an der Ortsgeschichte mit.
Fast allein hat er eine 200 Seiten starke Broschüre für die 700 Jahr-Feier Kottengrüns erstellt. Sie liegt druckreif vor, wurde aber wegen Corona zurückgestellt. Verschoben werden muss auch die für Pfingsten geplante Jubiläumsfeier. 2021 wird Werda 800 Jahre alt. Auch dieses Jubiläum wollen wir begehen", so Daniel Gerbeth.