Wer wird neuer Feuerwehr-Chef?

Zwischen dem Chef der Plauener Feuerwehr und dem Ex-OB der Stadt stimmte die Chemie. Zwei Jahrzehnte agierten sie gemeinsam. Vor kurzem übergab Ralf Oberdorfer die Amtsgeschäfte und auch für Jörg Pöcker wird ein Nachfolger gesucht.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Jörg Pöcker ist ein buchstäblich in Ehren ergrauter Mann, dem auch im Huckepack anstehende Termine scheinbar nicht aus der Ruhe bringen. Gestern war mal wieder so ein Tag. In der ersten Etage des Gebäudes in der Poeppigstraße fand eine Veranstaltung für Führungskräfte statt, darunter stand ein Termin mit unserer Zeitung an. Pöcker hat beide im Griff. Zwei Jahrzehnte ist der Endfünfziger Chef der Plauener Berufsfeuerwehr - wie lange er das bleibt, entscheidet sich bestenfalls in Wochen, vielleicht in Monaten, möglicherweise auch erst in Jahren. Tatsache ist, dass Pöckers Dienstzeit 2024 endet. Ein normalerweise weit geöffnetes Zeitfenster, um einen Nachfolger zu finden. Doch der Eindruck täuscht.
Hohe Anforderungen
Am 10. Oktober ist die Ausschreibung der Stelle des "Fachgebietsleiters Brandschutz" abgelaufen, doch ob nach Ablauf der Bewerbungsfrist der oder die richtige gefunden sein wird, ist völlig offen. Der Grund: An den Job sind Voraussetzung geknüpft, für die eine Stellenanzeige gehörig Platz beanspruchen würde. Erforderlich ist nicht nur eine entsprechende Laufbahnausbildung in Feuerwehrspezifischen Fragen, sondern auch Erfahrungen in Mitarbeiterführung, und Organisation, sowie Fach- und Rechtskenntnisse im Brandschutz. Und natürlich eine Belastbarkeit, für die Pöcker in seinen fast 40 Dienstjahren bekannt ist.
Und nun gibt es verschiedene Szenarien. Über einen erforderlichen Master- oder Diplomabschluss verfügt im "eigenen Hause" niemand, er müsste also auch erst eine entsprechende Ausbildung absolvieren. Quereinsteiger wiederum mit einem entsprechenden Abschluss müssten sich feuerwehrtechnisch weiterbilden, was auch bis zu zwei Jahre dauern kann. Die jetzt auf den Weg gebrachte Ausschreibung erfolgt also keineswegs zu früh. Die Eignungsgespräche der Pöcker zufolge recht vielen Bewerber finden im November unter Regie der Personalchefin der Verwaltung statt. Pöcker selbst wird dabei sein und aus fachlicher Sicht beraten, wie er sagt.
Schon jetzt steht aber fest, dass der oder die Neue der Verwaltung teurer käme als der bisherige Chef. Zum einen ist mit der Stelle eine Verbeamtung verbunden - die bei Pöcker und einer Reihe langjähriger Feuerwehrleute aus "Altersgründen" nicht vorgenommen wurde. Zum anderen richtet sich die Stellenbeschreibung an Führungskräfte der "höheren Ebene". Pöcker selbst gilt als "gehobene Führungskraft". Der Unterschied liege in der Ausbildung", sagt er. "Höhere Führungskräfte" absolvieren beispielsweise das Institut der Feuerwehr in Münster.
Bereit für "zweite Reihe"
Schon rechtzeitig hatte Pöcker avisiert, bis zu seinem Dienstende 2024 in die zweite Reihe zu rücken, wenn ein geeigneter Bewerber gefunden wird. "Ich würde mich dann mit vorbeugendem Brandschutz beschäftigen, wie ich das schon bis 2003 gemacht habe." Dass zwei Jahrzehnte als "Mann an der Spritze" im Wortsinne "schlauchen" - das zuzugeben, hat Pöcker kein Problem. Zudem erwischte ihn Ende vorigen Jahres Corona, Langzeitfolgen bis auf den heutigen Tag inklusive. "Das wünsche ich niemandem, ich weiß, wovon ich rede", bringt er seine Krankheitsgeschichte auf den denkbar kürzesten Nenner.
Übrigens trägt der Fachgebietsleiter Brandschutz auch einen Dienstgrad: "Brandamtsrat ist man quasi per Amt, da gibt es im Laufe der Jahre auch keine Beförderung", lacht Pöcker. Würde man den Dienstgrad ins Militärische "übersetzten", käme man auf der Offiziersskala ziemlich weit oben raus.
Pöcker ist keiner, der nicht über seinen eigenen Weggang hinaus denken und planen würde. Stichwort Brandschutzbedarfsplan. "Der ist fertig und wurde mit allen besprochen", sagt Pöcker. Er enthält zwar zahllose Details, aber auch für Laien interessante Aspekte. Von den neun Freiwilligen Wehren galten bislang vier als ständig einsatzbereit - die Wehren Mitte, Neundorf, Großfriesen und Jößnitz. Nun hat sich Letztere aus diesem Kreis "verabschiedet". Die Jößnitzer gelten aus personellen Gründen nicht mehr als rund um die Uhr einsatzbereit.
Visionen für die Freiwilligen
Unbestritten und schon im Haushaltsplan verankert, ist ein dringend benötigtes Gerätehaus für die Neundorfer, für das aber erst ein Grundstück erworben werden muss. Perspektivisch - und Pöcker legt Wert auf den Begriff "in Zukunft" - müsse zudem über eine stärkere Zusammenarbeit der Straßberger mit der Neundorfer Wehr gesprochen werden. Ähnliches gilt für die Wehren in Kauschwitz und Zwoschwitz - letztere benötigen ebenfalls dringend ein neues Gerätehaus. Nicht neu, aber dennoch ungelöst, ist die Situation der Freiwilligen Wehr Mitte, die ebenfalls in der Poeppigstraße untergebracht ist. "Der einstige Branddirektor Rößler war schon ein weitsichtiger Mann, als er wenige Jahre nach der Jahrhundertwende, die Feuerwehr Mitte in der jetzigen Jugendherberge mitten in der Stadt ansiedelte. Von dort aus hatten die Kameraden in jede Richtung den in etwa gleichen Anfahrtsweg. Das ist heute anders", bemüht Pöcker ein bisschen die Geschichte. Und daher sei die Wehr Neundorf auch so wichtig, weil diese Richtung" von der Poeppigstraße eben nicht in den vorgegebenen neun Minuten erreichbar ist. Würden die Kameraden der Wehr Mitte perspektivisch wieder buchstäblich in der Mitte angesiedelt, entfielen auch vor Ort einige Probleme - beispielsweise der akute Platzmangel, der weite Weg zu den Werkstätten. "Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben", lächelt Pöcker und meint damit natürlich seine Zeit als Plauener Brandamtsrat.