Wenn Willy Brandt von einer Wolke spricht

Ob seine Botschaften "Unerhört" verhallen, die der Kabarettist Thomas Freitag in seinem Sommerprogramm unter diesem Titel dem Publikum mitzuteilen hat, bleibt ungewiss. Was die Besucher des König Albert Theaters in Bad Elster am Freitag von ihm serviert bekamen, war jedenfalls unerhört satirisch. 

 

Obwohl wörtlich genommen, einige Pointen unerhört oder besser gesagt, ungehört blieben. Dem Redefluss des Kabarettisten zu folgen war mitunter nicht einfach. Er jagte durch dutzende Rollen, in denen er unter anderem hintergründig und spitzzüngig die verzwickte Lage der Nation und den blödsinnigen Aktionismus ihrer Führungskräfte karikierte.

  Nichts würden sie geregelt kriegen, stellte er fest, aber zwanzigtausend Verordnungen zur Müllentsorgung gäbe es. In Nordrhein-Westfalen würde der Müll sogar im Auto geröntgt. Gleich im Krankenwagen geröntgt zu werden, davon könnte ein Kassenpatient nur träumen, spottete der Akteur und nahm in der Rolle der Ministerin Ulla Schmidt die Missstände im Gesundheitswesen aufs Korn. Urkomisch, wie trefflich er die Politikerin parodierte, die neben anderen unsinnigen Auslassungen auch drei der teuersten Alterskrankheiten beklagte. An erster Stelle stehe der Gedächtnisverlust und dann kämen die anderen zwei?.?

  

Leider kann auch ich mich nicht mehr an die anderen beiden Alterskrankheiten erinnern!Um sparen zu können, würden in den 16 Bundesländern 18 Kassenärztliche Vereinigungen konsequent daran arbeiten, immer mehr Patienten durch gezielte Weiterbildungsangebote in die Lage zu versetzen, sich in so genannten SBK (Selbstbedienungskrankenhäusern) selbst operieren zu können. In einigen Krankenhäusern würden aus Geldnot an den Röntgenabteilungen bereits Schilder mit der Aufschrift: "Wir machen auch Passfotos für sie" angebracht. Nicht nachzuvollziehen seien die Millionen Schönheitsoperationen "Um schön zu sein haben wir uns früher nicht operieren lassen, wir haben uns schön gesoffen", lästerte der Kabarettist um gleich darauf auf die "Schönheit" und Kompliziertheit der Hartz IV Reform zu schmähen.

Natürlich ließ Thomas Freitag auch an diesem Abend zwei seiner Klassiker wieder aufleben. Vortrefflich imitierte er Willy Brandt, Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß, die sinnigerweise mit einem imaginären Heiligenschein versehen, von einer Wolke (!) die heutigen Politiker aus beäugten und begeiferten. Seine originelle Parodie des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki durfte auch nicht fehlen.

Der Sprint des Kabarettisten durchs Kuriosenkabinett der deutschen Gesellschaft wurde mit viel Applaus belohnt für den er sich mit einem kleinen Einblick in sein neues Soloprogramm "Die Angst der Hasen", das hoffentlich auch in Bad Elster zu erleben sein wird, bedankte.  P. Spieler