Wenn Liebe zur Drecksau wird

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man aufwendig und wortreich seinem Gegenüber erklären müssen, von welcher Wiener Band man denn hier gerade spricht. Heute genügt eigentlich bloß ein Wort und jeder ist sofort im Bilde: "Amore"!

In erstaunlich kurzer Zeit ist es Wanda nicht nur gelungen, Band und dazugehörige Debüt-Platte in Österreich auf ein Platin-Level hochzuspielen, sondern man hat es ganz nebenbei auch noch geschafft, mit "Amore" sein eigenes Schlagwort ins Wörterbuch der deutschsprachigen Popkultur zu zimmern. Zurückhaltung oder Contenance nach dem Erfolg. Nein! So liegt nach weniger als einem Jahr das zweite Album "Bussi" vor mit 12 neuen Songs.

Den eigentlichen Trumpf von "Bussi" beziffert allerdings, dass sie das Songwriting nicht in den Wirren von Tourbus, Kater und Soundcheck zusammenstückelten, sondern einen Großteil bereits vor dem Inferno geschrieben hatten. Das mag auch erklären, warum sich das neue Werk seinem großartigen Vorgänger so anschmiegt.

Doch nur Kontinuität, das kann es natürlich auch nicht sein. "Bussi" besitzt daher mit "Alarm!" und "Mona Lisa der Lobau" zwei Stücke, die die Band eben doch in den aufgewühlten Zeiten zwischen den Orten schrieb, Postkarten aus einer mehr als verrückten Zeit.

Das gern durchgepowerte Tempo findet sich mitunter mal gedrosselt, statt Slogans werden mehr Storys rausgehauen. Es gibt eben viel zu erzählen.

"Bussi" festigt so den Eindruck, den man das letzte Jahr bereits gewinnen konnte: Hier hat man es einfach mit einer mächtigen Rockband zu tun. Und charmanten Schwerenötern. Was Wanda dabei allerdings sicher nicht sind: Öde Mucker und blöde Macker. Dafür ist allein schon ihre Selbstironie zu greifbar. L. Volkmann/universal music

Unser Fazit:

Jeder von uns kennt diese Situation. Liebe und Leidenschaft sind Dinge die uns Leiden schafft. Im Laufe des chemischen Zyklus des Gefühls erleben Menschen unzählige Höhen und Tiefen. Es bringt uns dazu, unmögliche Dinge zu tun. Viele Klischees existieren über die Verliebtheit und wohl noch mehr über das Ende der Liebe mit all den fürchterlichen Marotten.

Haben es die Schröders in den 90er Jahren mit "Liebe ist scheiße" recht derb auf den Punkt gebracht, so verwerten Wanda das ganze Drumherum in Sachen Liebe und Triebe recht charmant-sarkastisch auf geniale Rock?n?Roller-Art mit Ösi-Dialekt. Jeder Song verführt zum rocken und lachen. Egal, wie sehr man gerade in der Krise steckt. "Es schaut dich niemand an, wenn du dich selbst nicht spielen kannst.

Also lern's lieber dann als wann und schau, dass du wirst, wer du gar nicht bist." So heißt?s in "Lieber dann als wann". Oder: "Baby nur ein einziges Mal will ich neben dir sein und ein Sonnenstrahl kommt zum Fenster herein" in "Das wär schön".

Wanda sind authentisch, Vollblutrocker und machen mit einem Augenzwinkern klar: Geht uns doch allen so! Und für die Dauer der Platte sagt man sich in alter Schröder-Manier: "Liebe ist Scheiße, Liebe ist null und Liebe ist nichtig! Liebe ist Scheiße, Liebe ist falsch und unaufrichtig!" In diesem Sinne: Lasst uns tanzen, trinken und singen! tapo