"Wenn impfen - dann richtig"

Also doch: Allgemeinmediziner sollen ab April helfen, dass viele eine Corona-Schutzimpfung bekommen. Das ist Ziel eines sächsischen Pilotprojekts. Zuvor wird ausprobiert, wie das gehen kann - auch im Vogtland. Dr. Ralf-Achim Scheffel in Bad Elster ist dabei.

Bad Elster - Scheffel nimmt die Herausforderung an. Er hat nicht gezögert, als er vor fünf Tagen gefragt wurde: Am Mittwoch und Freitag, 17. und 19. März, geht es los: "Wir impfen alle über 80-Jährigen, die bisher nicht im Impfzentrum Eich waren, die nicht in Pflegeheimen geimpft wurden oder im Impf-Truck, das im Oberen Vogtland Station gemacht hatte", sagte der Mediziner gestern Vormittag.
Dann kam 14.09 Uhr der Anruf der Kassenärztlichen Vereinigung, eine knappe Stunde habe Scheffel Zeit, sich zu entscheiden - und jetzt werden viel mehr geimpft: Auch Über-70-Jährige können sich melden und alle, die mit Menschen arbeiten: Lehrer, Erzieher und Kindergärtnerinnen, Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten, auch Kosmetikerinnen und Friseusen.
"Wir sollen alles selbst organisieren", fügt der 75-Jährige hinzu, der seit 50 Jahren in Bad Elster praktiziert. Deshalb habe er zu den Bürgermeistern ringsum Kontakt aufgenommen - in Adorf, Bad Brambach, Bad Elster, Markneukirchen.
Die Gespräche waren erfolgreich, denn Scheffel zufolge ist Folgendes ausgemacht: Die Impfwilligen rufen in ihrem jeweiligen Rathaus an und hinterlassen Name und Telefonnummer. "Die Daten werden an unsere Praxis übermittelt. Wir rufen die Patienten an und nennen ihnen ihren Impftermin." Das Angebot gilt für die genannten Kommunen, aber Scheffel hat nach eigenem Bekunden nichts dagegen, wenn sich auch Ortsfremde melden.
Mit wie vielen Patienten rechnet er? "Keine Ahnung. Es ist ja nirgends registriert, wer bisher geimpft wurde. Also weiß man auch nicht, wer noch in Frage kommt."
Scheffel und seine beiden Schwestern können nach eigenen Angaben 150 Leute am Tag impfen. "Wenn nötig, arbeiten wir zwölf Stunden. Denn wenn wir impfen, dann richtig." Der "normale" Patientenbetrieb werde auf andere Tage und Zeiten verlagert.
Scheffel hat spezielle Erfahrungen mit Impfungen: Seit einem Jahr ist seine Praxis von der Weltgesundheitsorganisation WHO zertifizierte Gelbfieber-Impfstelle, die einzige im Vogtland und eine von acht in Sachsen.
Und welcher Impfstoff kommt zum Einsatz? Laut Scheffel war bis gestern die Rede vom Vakzin der US-Firma Moderna, das bei Temperaturen von 2 bis 8 Grad unkompliziert gelagert werden muss - bei Kühlschranktemperatur.
Doch seit dem Anruf 14.09 Uhr soll Scheffel AstraZeneca verimpfen - die Rede ist von 200 Impfdosen pro Arzt, was laut Scheffel natürlich viel zu wenig wäre. "Und noch eins: Die offizielle Zulassung dieses schwedisch-britischen Impfstoffes für alle Altersklassen durch die Ständige Impfkommission wird für morgen erwartet."
Gestern meldete sich auch Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner und bat, die Leser des Vogtland-Anzeigers auch über folgendes zu informieren: "Der Transport (nach Bad Elster zu Dr. Scheffel) muss durch die Impflinge selbst abgesichert werden. Impflinge, die bereits einen Termin im Impfzentrum Eich haben, können nicht aufgenommen werden."
Hier sind die Telefonnummern, um sich registrieren zu lassen:
Adorf: 037423-57512 / Bad Elster: 037437-5661 / Bad Brambach: 037438-20331 oder -20329 / Markneukirchen: 037422-41120 oder -6125. ufa

"Impfen gegen Corona" in drei Pilotpraxen

Nach Informationen des Vogtland-Anzeigers ist Dr. Scheffels Praxis eine von drei Pilotpraxen im Vogtland und insgesamt 40 in ganz Sachsen, die zur Probe gegen Corona impfen sollen - ausgesucht von Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen und sächsischem Hausärzteverband.
Der Allgemeinmediziner Steffen Heidenreich aus Auerbach hat nach eigenen Worten noch nicht entschieden, ob er am Pilotprojekt teilnimmt.
Die dritte Praxis ist die von Dr. Thomas Rein in Plauen, der ab Montag das US-amerikanische Moderna verimpft.