Wenn es höllisch weh tut

Was macht ein Patient, der am Wochenende heftige Zahnschmerzen bekommt? Der vogtlandweite Not- dienst hilft, in der Zeitung stehen die Adressen. Verblüffend: In Plauen öffnen die Notfallpraxen öfter und länger als die im übrigen Vogtlandkreis.

Plauen -  Alle der rund 50 Zahnärzte in Plauen nehmen am Notdienst teil - an Wochenenden, Brücken- und Feiertagen. "Ich mache die Einteilung", sagt Dr. Matthias Plewinski. "Jeder ist zwei- oder dreimal jährlich an der Reihe. Dabei gehe ich alphabetisch vor und bemühe mich, gerecht zu sein."
Der Notdienst in Plauen am Wochenende ist geteilt: Der erste Arzt ist in Bereitschaft von Freitag, 18 Uhr, bis Samstag, 24 Uhr. Dann übernimmt der zweite Arzt - bis Montag, 7 Uhr. Notfallpatienten sollten in jedem Fall vorher anrufen, auch wenn es garantierte Notfall-Sprechstunden in Plauen gibt: Freitag, 18 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, jeweils 9 bis 12 und 18 bis 19 Uhr. In diesen Zeiten besteht Anwesenheitspflicht, sonst Rufbereitschaft für "Katastrophenfälle".
Im Vogtlandkreis (außerhalb Plauens) werden ebenfalls Notdienste organisiert - allerdings mit weniger Sprechzeiten. Das könnte ein Grund sein, warum Nichtplauener häufiger die Notfallsprechstunden in der Spitzenstadt aufsuchen. Oder weil der Fahrtweg kürzer ist. Auch Berufspendler nutzen Plewinski zufolge die Notfallsprechstunde, vor allem die am Freitagabend - die im übrigen Vogtlandkreis nicht angeboten wird.
Nach seinen Worten gibt es noch einen Grund, warum die Andrang in Plauen größer ist: "Ich teile mich immer am 27. Dezember ein, am ,dritten‘ Weihnachtsfeiertag. Da kommen bis zu 60 Patienten. Manche von ihnen verbinden die Fahrt nach Plauen, um einzukaufen oder Geschenke zu tauschen."
Wie Plewinski betont, wird kein Patient abgewiesen. "Aber manche Plauener Kollegen haben vielleicht ein emotionales Problem, wenn ein Patient von außerhalb vor ihnen steht, der eigentlich nach Oelsnitz oder Mühltroff müsste."
Plewinski arbeitet seit 1983 in Plauen, erst in der Poliklinik, seit 1991 in eigener Niederlassung, die heute zur Praxisgemeinschaft mit Zahnärztin Nora Füger gehört, in der auch seine Tochter Dr. Manja Plewinski angestellt ist. "Seit Beginn erstelle ich die Notdienstpläne: Die gehen immer zuerst als Entwurf per Mail an alle Kollegen. Ich arbeite Änderungswünsche ein und sende den Plan an die Kassenzahnärztliche Vereinigung, die ihn veröffentlicht: Dann ist er Gesetz."
Dennoch seien auch dann noch Änderungen möglich. "Ein Kollege hat vor vier Wochen einen Wasserschaden gemeldet. Er hat den Anrufbeantworter umgestellt, seine Schwestern zu mir geschickt - und ich habe den Dienst übernommen", berichtet der 63-jährige Plewinski. Er lobt das kollegiale Miteinander der Zahnärzte in Plauen, die eigentlich Einzelkämpfer seien. "Mal sehen, wie es wird, wenn wir Alten mal in Ruhestand gehen."
Zum Zusammenhalt trage auch der monatliche Stammtisch in der Tennera bei. Bis zu 30 Kollegen nutzten die Möglichkeit zum Austausch - über private Dinge, gesellschaftliche Anliegen und fachliche Probleme, erklärt Plewinski, der auch als Gutachter arbeitet. "Da wird schon mal ein Röntgenbild mit einer schwierigen Sache besprochen. Aber wir veranstalten genauso Weihnachtsfeiern und freuen uns, wenn Ruhestandskollegen vorbeischauen."
Ansonsten seien die Zahnärzte über drei Standesorganisationen verbunden: "Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsens ist unsere Abrechnungsstelle, die Zahnarztkammer regelt das Berufsrecht und bietet Fortbildungen an, und der Freie Verband ist unsere politische Interessenvertretung."
Bleibt eine Frage in Covid-19-Zeiten: Was macht ein Patient mit Corona, der am Wochenende heftige Zahnschmerzen bekommt? "Er fragt telefonisch in der Plauener Notfallpraxis, welche der Coronapraxen in Sachsen Dienst hat", sagt Plewinski. Nach Informationen des Vogtland-Anzeigers befindet sich eine davon in Falkenstein. ufa
www.zahnaerzte-in-sachsen.de