Wenn der Spaß vorbei ist, braucht es den Humor

Plauen Ein Spruch sagt: "Niemals den Humor verlieren, er ist die effektivste Waffe gegen den Ernst des Lebens." Wer dieser Weisheit folgt, war vermutlich Besucher der "Comedy Lounge" in der Plauener Festhalle. Dort versuchten drei Comedians die Zuschauer auf ihre eigene Art und Weise zu unterhalten, was beim Durchschnittsvogtländer durchaus einiger Anstrengung bedarf.
Janine vom Olivenbaum sprach mit der vollen Ladung Berlin-Neuköllner-Charme über Vaterkomplexe, sexuelle Vorlieben und Drogenprobleme. Besonders einige Männer im Publikum schwankten zwischen Jubelrufen und leichten Anfällen von Ekel, da ihnen das eine oder andere aus einem Frauenmund scheinbar neu war. Das schreckt die Comedienne nicht und so plaudert der Rotschopf frei von der Leber weg über ihre hohe Stirn, die sie gern als Werbefläche zur Verfügung stellt.
Gleiche Stadt, anderer Humor - Philipp Uckill erzählte aus seinem Leben mit türkischer Ehefrau, die er auch gern mal als Vietnamesin verkauft. Sein Hauptproblem sind aber Bio-Eltern mit besonderem Erziehungsstil, von denen sich am Prenzlauer Berg besonders viele angesiedelt haben, wie er findet.
Beim Thema Eltern kann mittlerweile auch Christoph Maul mitreden. Er ist in diesem Jahr zum ersten Mal Vater geworden und hat aufgrund der aktuellen Situation den Schwangerschaftskurs online erleben dürfen. Beim "betreuten Hecheln" haben ihm eindeutig die Abnehmer für die direkten blöden Kommentare gefehlt, beschwerte er sich beim Publikum, aber beim Dazwischenrufen habe er das kompensieren können. Der Franke sammelte mit grenznahem Dialekt die Lacher und weiß so ziemlich genau um die Fülle der Emotionsregungen in der Region.
Solche Regungen kann besonders Kopf und Macher der Comedey Lounge, Thomas Kornmaier, für sich verbuchen. Wie gewohnt moderierte er durch den Abend und hatte auch in Plauen den Finger gern tief in der Wunde. Egal ob er sich bei den Oelsnitzern nach dem dritten Knoten beim Halbmondteppich erkundigte, den Querdenkern einen Denkanstoß gab oder einen Reichenbacher der sich als Zugereister betitelte, als Lengenfelder enttarnte.
"Wenn auf der Welt der Spaß vorbei ist, dann ist das was wir brauchen der Humor , war der wohl gelungenste Schlusssatz des Abends, bei dem es für zwei Stunden mal vorwiegend um andere Dinge als das Virus ging. röss