Wenn der Lehrer mit dem Rauschebart die Geschenke bringt

24 Kalendertürchen, 24 Geschichten, 24 Gewinne: Jeden Tag fliegt eine Eule aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen zu einem unserer Leser. Wer die Eule gewinnen will, beteiigt sich an unserem Adventsrätsel via Postkarte, E-Mail oder Facebook. Heute fliegt die Eule zu einem echten Weihnachtsmann.

Jocketa Es gab einmal eine Zeit, da liefen zum Heiligen Abend sechs bis sieben Weihnachtsmänner durch Jocketa. Das ist inzwischen etwa 35 Jahre her. Horst Flach war damals der "Weihnachtsmann-Werber". Der Kultur- und Jugendclub, Kindergarten und Schule, Vereine und vor allem viele Familien bestellten den Rotmantel bei ihm. Heute sind sie nur noch zu zweit, Christian Schaarschmidt und Stefan Meinel. Letzterer zieht in diesem Jahr schon das sechste Kostüm seit 1984 an. "Es ist maßgeschneidert und wird von der Weihnachtsfrau Marina jedes Jahr gewaschen", erzählte der Grundschullehrer. Besonders viel Arbeit macht sie sich mit dem Bart. Er wird in Chlorex eingeweicht, dann mit der Hand gewaschen und nach dem Trocknen jede Locke einzeln gezupft. "Der Bart ist fast das wichtigste. Er muss schön weiß und flauschig sein", erklärte Marina Meinel. Überhaupt dreht sich bei dem Paar alles um die Weihnachtszeit. Die gesamte Wohnung ist weihnachtlich geschmückt. Weit über 100 Räuchermänner beobachten das Geschehen in der Wohnstube. Pyramiden, Engel, Lichterbögen, Nussknacker - bei der Familie Meinel findet man alles in den unterschiedlichsten Größen und Formen.
In den vielen Jahren sind es bestimmt schon tausende Kinder, die dem Weihnachtsmann aus Jocketa ein Gedicht oder Lied vorgetragen haben. Zum ersten Advent schlüpft er das erste Mal in den roten Anzug und wird seinen schweren Job machen. Es sei wirklich nicht einfach. Schließlich müsse er die gesamte Zeit die Stimme verstellen. Und wenn doch einmal einer der Zwerge feststellt: "Du bist doch der Herr Meinel!", dann ist eine Notlüge erlaubt. Am Heiligen Abend treffen sich die Weihnachtsmänner bei Karin Müller. Sie sei die Jocketaer Weihnachtsmutter und weiß genau, wohin die bärtigen Gesellen gehen müssen. Sie führt die Chronik und schreibt alle Begebenheiten auf. Am Heiligabend klopft der Weihnachtsmann Stefan an neun Wohnungstüren. Die Geschenke haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert, erzählt er. Sie sind vom Kommerz geprägt, teurer und größer. Auch scheint die Heimlichkeit in der Vorweihnachtszeit in vielen Familien etwas verlorengegangen zu sein.
Stefan und Marina Meinel haben zwei Kinder und ebenso viele Enkel. Heute wissen sie, wer die Geschenke bringt, aber als sie noch klein waren, da kam immer ein Weihnachtsmann. Allerdings sei ihr Papa dann auch zu Hause gewesen. Das muss wohl der echte gewesen sein.
"Natürlich gibt es den Weihnachtsmann", bestätigte Stefan Meinel die Frage. Er lebe nicht am Nordpol, sondern in Finnland und hat auch eine Frau. Getroffen hat er ihn zwar noch nicht, aber das kommt bestimmt irgendwann, erzählt er mit einem Augenzwinkern. In diesem Jahr hat der Weihnachtsmann ganz besonders viel Zeit. Die Weihnachtsfrau fährt über die Feiertage zur Kur. Danach kann sie sich wieder um den maßgeschneiderten Anzug und den Bart kümmern. Leider müsse dadurch auch die traditionelle Fahrt zum Weihnachtsmarkt nach Spandau ausfallen. Traditionen lieben die Jocketaer. Am Weihnachtsabend gibt es, wie in vielen Familien, das Neunerlei und gefeiert wird mit Kindern und Enkeln.

 

Kalenderblatt 4

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